Extra-Beitrag auf Deutsch

Auf Drängen von verschiedenen Seiten haben wir mit unserem Guide zusammen den Text übersetzt. Voilà:

 

Unsere Reise nach Suburu

Also. Wir haben die Reise in Bardai angefangen. Ich, Mahuma Togoreimi, Wuše (Simon) Doučui (Anja), ihr Mädchen Wuzaiĩ (Junia), Hassan Šahaimi mit seinem Kamel Muruweĩ und Hîsen Barkami mit seinem Kamel Ôgurdimi. Von Bardai sind wir nach Ôsini gegangen. Dort haben wir zwei Nächte geschlafen. Von Ôsini sind wir bis ans Ende des Wadis Armalôgĩ gelangt, wo wir Mittagsrast gemacht haben. Am Nachmittag gingen wir weiter bis Tabi čuu, wo wir übernachteten. Dort sahen wir andere Leute, die ebenfalls nach Suburu gingen.

Am nächsten Morgen gingen ich und Wuše voraus. Wir gingen zum Čočur Domma und holten dort Wasser.

Wir gingen weiter bis nach Busamma, wo wir den Mittag verbrachten. Am Nachmittag gingen wir noch bis Ôdi-ña-šîdia, wo wir übernachteten.

Dann haben wir zwei grosse Berge hinter uns gelassen, Ôlli und Kohun. Nach dem Abstieg haben wir Mittagsrast gemacht und sind dann am Nachmittag in Suburu angekommen. Suburu ist ein unglaublicher Ort. Wenn es dir jemand erzählt, glaubst du es nicht. Aber wir haben es mit unseren Augen gesehen.

Drei Tage haben wir beim Wasser verbracht. An einem Tag gingen Wuše und Hîsen nach Wuũ. Dort haben sie sehr gute Sachen gesehen.

Nach drei Nächten sind wir wieder aufgebrochen und haben in Ôdi-ña-šîdia übernachtet. Von dort gingen wir bis nach Tabi čuu, wo wir den Mittagsrast machten. Unser Übernachtungsort war Tartuna-tari-ĩ. Nach Sonnenuntergang machten wir ein Feuer. Trotzdem hat Doučui eine Giftschlage gesehen. Wir sind alle aufgesprungen und haben sie mit Steinen getötet. Anschliessend warfen wir sie ins Feuer. Dann haben wir geschlafen. Am nächsten Tag hat Hassan Šahaimi den direkten Weg nach Bardai genommen. Wir anderen gingen weiter nach Ôsuni. Am Mittag kamen wir in Ôsuni an, haben Mittagsrast gemacht und als es Nachmittag wurde, kamen Sala und Kandamai mit dem Auto. Sie haben uns nach Bardai gebracht.

Extra Beitrag

Hier ein spezieller Beitrag. Einer unserer Guides für die Suburu-Reise war total begeistert, als wir ihm erzählten, dass wir einen Text über die Reise schreiben und den im Internet veröffentlichen. Er wollte unbedingt auch einen Text schreiben, der dann im Internet veröffentlicht wird. So bieten wir ihm hier auf unserem Blog eine Plattform, für seinen Text und seine Fotoauswahl. Er hat den Text in Tedaga geschrieben, seiner Muttersprache. Da er nur die Primarschule abschloss, kann er zu wenig gut auf Französisch schreiben. Aber immerhin die Fotos sollten international verständlich sein.

 

Êriski ndur Suburu lukurã
Gali gubudi Bordaa yerndaar, tani Mahuma Togoreimi yê Wuše
(Simon) yê Doučui (Anja) yê dobiĩ hundã Wuzaiĩ (Junia) yê
Hasan Šahaimi yê goni hunu Muruweĩ yida, yoo Hîsen Barkami
goni hunu Ôgurdimi hi yida.

1von6_spezBlog

Bordoa yerdnuru Ôsini tigiro,
Ôsunia dugusa čû tîšo, Ôsunia yerndurã mûsii hûi-ĩ armalôgĩ a
tûdugudo. Taa yida wûni hûnduria yopaar. Dûnogi yerndurã
Tabi čuu a tîšo, anna guda Suburu tûrria durturu četu tîšo.
Tûgohu tohã, tani yê Wûše yê gubudi lukar. Čočur domma
digirtu, čaŋguru yî makar.

2von6_spezBlog

Taa yerndurã busamaa tûdugudo.
Dûnogi yerndurã ôdi-ña-šîdia tîšo.

3von6_spezBlog 4von6_spezBlog

Taa yerndurã azuna tusa čû
hûtaar, ôlli kônduru, kohun čaŋgar. Čaŋgurã kohunŋga
tûdugudo, allahar tohã Suburu tigiro. Suburu ŋguduri hunã
abagadi. Aũ njuhadu muganũú, čîidi tunda somma ndurãa du
durtaar. Dugusa ôguzuu yî-ĩ ko-ĩ hi tîšo. Yum turo Wuše yê
Hîsen yê bu wuũ tûri. Tigirtã yina budi gala čduduro. Suburua
ôguzuu tîšã, nduzoi-ĩ yerndaar, Ôdi-ña-šîdia tîšo.

5von6_spezBlog

6von6_spezBlog

Taa yerndurã Tabi čuu tûdugudo, taa Tartuna-tari-ĩ tigirdu tîšo, maarsu wûni
hûnduru tîyikiidi, Doučui direnu čuduru. Tunda gunna yarkuru
karakaru, ême du yîtaar. Taa wûni yendar. Dohu tîšo, tûgohu
yerndurã, Hasan Šahaimi tiri Bordo guyi. Tunda guda-ã tiri
ôsunii-ĩ gundar. Ndûgudi-ĩ tohã Ôsuni tigiro, tûdugudo, allahar
tohã Sala yê Kandamai yê karahada lidu, tuyoopu Bordo lukar.

Mahuma Togoreimi

Soburu

Tagesausflüge von Soburu aus
4_2016_18_19 zwei kamele

Variante 1:
Vormittagsprogramm mit nachhaltigem Nutzen
Man suche die Fussspuren eines in der Gegend vermuteten Freundes und folge ihnen, bis man ihn aufgespürt hat. Das tat unser Guide am ersten Tag. Und er kam mit einem Huhn und einem Gockel zurück. Er seinerseits hatte seinem Freund einen Sack Datteln mitgebracht, den er später für ihn am vereinbarten Ort deponierte. Ab jenem Ausflug wussten wir immer wann der Morgen graute, denn das Federvieh begleitete uns bis nach Bardai. Und ab jetzt wird unser Guide zu Hause zum Frühstück Eier essen.


Variante 2:
Schnell die Kamele tränken
Es sei nur eine halbe Stunde bis zum Tränkplatz, versicherte uns unser Guide, wir sollen doch mitkommen. Nach fast 1 Stunde durchs Geröll steigen mit Junia auf den Schultern wollte es dunkel werden, und wir Weichen äh Weissen kehrten um. Eineinhalb Stunden später tauchten dann auch unsere Kameltränker aus der Dunkelheit auf.

4_2016_4_19 OgerdimmiDas Kamel heisst Ogerdimmi


Variante 3:

Besuch bei den Ziegenhirten im Vulkankrater Tarso Voon – kein Familienausflug
Ohne Frau und Kind würde ich diesen Ausflug wohl schaffen, meinte unser Guide, und nahm mich freundlicherweise mit. Er selbst ist Kettenraucher (obwohl er Zigaretten raucht), doch das hielt ihn nicht davon ab, den steinigen Aufstieg fast im Laufschritt zu machen. Auf der Krete eröffnete sich uns der Blick auf einen alten Krater mit ca. 15 km Durchmesser. Durchs Geröll führte der Abstieg an den Grund des Kraters, wo unter anderem „Edesuru“ (artemisia judaica) wächst, ein Kraut, das im ganzen Tschad als Heilmittel gegen Malaria bekannt ist. Es wächst nur auf den Hochebenen des Tibesti. Davon und von Schaf- und Ziegenzucht leben denn auch die Menschen, deren Steinhäuser nach 3 Stunden Marsch am Rand des Kraters auszumachen waren. Mein Freund, offenbar ein häufiger Gast (mehrmals im Jahr), wurde freundlich empfangen und ich wurde einfach miteingeschlossen. Er übergab unserer Gastwirtin sein einziges Gepäckstück: Ein Kleid, für dessen Kauf er Monate zuvor das Geld erhalten hatte. Die Bewirtung war üppig: Eingeweide und ein Glas vergorene Ziegenmilch, Datteln, Dattelpulver (getrocknet und gestampft), Dattelmus, dann wieder Ziegenfleisch und Reis, und dazwischen, davor und danach wie immer süssen, starken Grüntee.
Anfangs richteten die jungen Männern skeptische Blicke auf mich. Wie sich herausstellte, stammen sie aus dem Ort, wo vor knapp 10 Jahren ein befreundeter Amerikaner als Geisel genommen worden war und die Leute immer noch stolz sind, dass man sich nicht so richtig in ihr Dorf traut. Doch nach einer Weile zusammensitzen kamen erste Fragen, die Skepsis wich der Neugier und schliesslich sagten sie beim Abschied, sie würden mich besuchen, wenn sie nach Bardai kommen. Wie alle im Steinhäuschen, war auch ich ein bisschen eingedöst. Doch nach gefühlten zwei Minuten Schlaf beschloss mein Freund, dass wir aufbrechen. Das war auch gut, denn noch so waren wir erst kurz vor dem Eindunkeln zu Hause.

4_2016_12_19 unsere guidesUnsere Guides

Soburu

Die Wellnessanlage mitten im höchsten Gebirge der grössten Wüste der Welt

4_2016_7_19 suburu 14_2016_8_19 suburu 24_2016_9_19 suburu 34_2016_10_19 suburu 44_2016_11_19 suburu
Hier kann man spüren, dass das Tibestigebirge ein Vulkangebiet ist. Wenn man an bestimmten Orten steht, brodelt es tatsächlich immer noch unter den Füssen.Es hat immer wieder Löcher, in denen Wasser strodelt, heisses und kaltes, grünes, rotes, klares und schwarzes. Auch der Geschmack des Wassers ändert von Loch zu Loch, wobei es immer einen ziemlich starken Natron-Geschmack hat. Es hat auch Löcher, aus denen nichts als heisses Gas oder Wasserdampf kommt. Der Boden ist bedeckt mit Natronkristallen, ebenfalls in verschiedenen Farben.
Und dann gibt es noch die kleine Höhle, wo sich warmes Wasser in einem Becken sammelt, sodass man sich reinlegen kann. Wegen diesem Bad, „pilgern“ die Tubus nach Soburu. Für sie ist das eine Heilquelle und sie versprechen sich Heilung von allerlei Leiden, Linderung von Gelenkbeschwerden bis „an-die-Oberfläche-Befördern-von-Bombensplittern“. Für uns hat es sich wie ein Solebad angefühlt.  4_2016_3_19 Heilwasser - oder das Solebad4_2016_19_19 wellness heisses loch
Die Löcher, aus denen heisse Luft kommt, sind sozusagen die Sauna. Man setzt sich so drauf, dass die Luft unten in den Rock reinblasen kann und schliesst mit dem grossen Tuch alles schön ab. Zuvor legt man noch frische Kräuter in das Loch hinein. Innerhalb von zwei Minuten war ich nass geschwitzt. Es gibt auch Löcher bzw. eher Gruben, in die man sich reinlegen kann und wo der ganze Körper „gedämpft“ wird.
Natürlich kann man das Wasser – an der richtigen Stelle gewonnen – auch trinken und alle möglichen Verdauungsprobleme werden gelöst. Anscheinend haben Ziegen, welche vom Soburu-Wasser getrunken haben und anschliessend geschlachtet wurden, bedeutend grössere Darmzotten.

Und dann hat es natürlich auch eine Riesenrutschbahn für Kinder.

4_2016_17_19 wellness rutschbahn

Soburu

Organisatorisch

„Ihr bringt das Essen für alle für sieben Tage.“ Das war die Anweisung. Zum Glück hat uns das ein anderer dann übersetzt. Das bedeutet nämlich:

– 1 Schüssel Zwiebeln
– Knoblauch
– 2 Liter Öl
– 1 Schüssel Reis
– 10 Päcke Teigwaren
– Maggi
– 1 Pack Salz
– 3 Dosen Tomatenpüree
– 1 Schüssel Zucker
– 1 Pack Grüntee
– 1 Dose Milchpulver
– 15 Dosen Sardinen
– 2 Schüsseln Datteln
– Zündhölzer

Voilà. War schön brav und hab mich genau an die Anweisungen gehalten. Und es ist wunderbar aufgegangen, obwohl wir entgegen der erwarteten sieben Tage schlussendlich zehn Tage unterwegs waren. Aber: Am achten Tag hat unser Töchterchen gefunden, dass es jetzt genug sei, drei Mal am Tag dasselbe zu essen. Sie hat sich radikal geweigert und sich die letzen Tage von unserem Blevita-, Traubenzucker- und Farmervorrat ernährt … Ehrlich gesagt, ich hätte es ihr am liebsten nachgemacht. Auch weil wir am ersten Abend von einer anderen Reisegruppe ein schönes Stück Schaffleisch erhielten, das von da an jedem Mahl seinen Geschmack gab …

Abgesehen vom Essen mussten wir ja auch noch unser persönliches Gepäck vorbereiten. Aus Mitleid zum Kamel hab ich versucht, das Gewicht so leicht wie möglich zu halten. Und hier geschah der Planungsfehler. Windeln. 7 Tage mal 3 Windeln gibt 21. Sehr knapp berechnet, aber eben, alles für das Kamel.
Da die Reise nun aber drei Tage länger als erwartet dauerte, gab das im Schnitt noch 2,1 Windeln pro Tag. Super schlechte Plastikwindeln, deren Verschluss nur für einmal verschliessen funktioniert. Ich war die ganze Zeit auf der Hut nach dem Kotwort: Gaggi … Ein Dauerstress für mich, aber das können jetzt vielleicht nur Mütter verstehen.

Abgesehen von den Windeln ist es einfach immer wieder erstaunlich, mit wie wenig man trotzdem gut auskommt, wenn man einfach nichts anderes hat.

PS: Wer will, kann die Liste gerade für seine nächste Woche Ferien übernehmen. Das reicht für ca. 5 hungrige Personen.

Soburu

Schon als wir 2012/2013 hier waren, haben wir immer wieder vom sagenhaften Soburu gehört. Ein Heilbad für allerlei Beschwerden soll es dort geben, Wasser, das brodelt und doch kalt ist, Rauch, der aus der Erde austritt. Wir waren schon lange fasziniert, und nun kam endlich diese Reise zustande. Mit den nächsten paar Blogeinträgen wollen wir euch einen Einblick geben, schön nach Thema geordnet, damit ihr nicht so überwältigt seid wie wir es waren.

Soburu – touristisch

4_2016_13_19 unterwegs 1

Es ist nicht ganz klar, wann die letzten Touristen nach Soburu gegangen sind und ob die Weissen, die vor uns dort waren, nicht eher Geologen waren (wenn jemand herausfindet, was diese Geologen herausgefunden haben, sind wir sehr interessiert an den Resultaten). Dann wären wir sogar die allerersten Touristen. Aber sicher gab es keine Weissen mehr in Soburu seit 40 Jahren. 1975 wurde nämlich eine französische Ethnologin im Tibesti entführt und in den darauf folgenden Jahren war Bürgerkrieg und Rebellion. Erst seit nach dem Ende der letzten Rebellion um 2007/2008 Ruhe eingekehrt ist, keimt der Tourismus im Tibesti wieder auf: Jedes Jahr kommen drei bis vier Gruppen durch Bardai. Nach Soburu hat sich aber noch kein Tourist verirrt. Ist auch nicht ganz einfach, wie wir herausgefunden haben.

Aber waren wir wirklich Touristen? Was dafür spricht, ist, dass wir nicht krank sind. Das ist für Tubus nämlich der einzige Grund, nach Soburu zu gehen. Darum sind wir in ihren Augen Touristen. Doch urteilt selbst, wie touristisch es wirklich war:

4_2016_14_19 unterwegs

Das 5-Tage-Arrangement, abgestimmt auf die internationalen Flüge:
Von unserem Freund, der bereit war, uns nach Soburu zu führen, hatten wir als Reiseprogramm Folgendes verstanden: zwei Tage hin, ein Tag dort, zwei Tage zurück. Die Verlängerung der Reise begann mit dem Missverständnis was ein Tag ist. Denn die Tubus rechnen in Übernachtungen. Doch die Reise hatte ja noch nicht einmal angefangen, den aktuell seien alle Soburu-tauglichen Kamele (Camelibus Subaruensis) ausgebucht. Eine gute Woche später sagte ein anderer Freund, er habe ein Kamel, wir könnten gleich los. Es ging dann noch eine Woche, bis wir einen Nachmittag lange zu Hause bereit auf unserem Gepäck sassen, da es jederzeit losgehe. Vor Einbruch der Dunkelheit hatten wir mit unseren beiden erwähnten Freunden dann die erste Etappe hinter uns: die Fahrt mit Toyota Pickup ins Dorf, wo sein Kamel ist. Also besser gesagt, das Kamel war vor ein paar Tagen noch da. Am nächsten Morgen machte er sich auf die Suche nach dem an den Vorderbeinen zusammengebundenen Kamel. Er fand es im Nachbardorf und kam kurz vor dem Eindämmern zurück. Also eine erneute Übernachtung in seinem Haus. Und nun, für unser Verständnis am dritten Tag, ging es los. Zwei Tage reisen heisst zweimal unterwegs übernachten. So kamen wir am 5. Tag in Soburu an. Und wir erfuhren dann auch, dass man traditionell drei Tage in Soburu ist. Entsprechend waren wir dann froh, als wir am Morgen nach der dritten Übernachtung, also am 8. Tag, nach Hause aufbrechen konnten, wo wir am 10. Tag ankamen.

Gemütliches Wandern mit regelmässigen Trinkpäuschen:
Am ersten Marschtag gingen wir zweieinhalb Stunden nonstop durch den heissen Wüstensand, ohne Wasser zu trinken. Gott sei Dank setzte sich dann eines unserer Kamele einfach mal hin und machte keinen Wank mehr. Nach einem grossen Schluck (alle tranken aus dem gleichen Wasserkessel) ging es uns dann wieder besser und wir waren bereit für die nächsten eineinhalb Stunden. In einer Nacht träumte ich, dass ich kaum mehr sprechen konnte, weil ich so einen trockenen Mund hatte. Ich hatte einfach nicht genug „nachgegossen” als wir am Übernachtungsort ankamen.

Rücksichtnahme auf die untrainierte Wandergruppe:
Es stellte sich heraus, dass die Kamele den Rhythmus angeben. Wenn sie mit ihren Lederlippen von einer dornigen Akazie ein paar Zweige fressen wollen, ist sonst nichts zu wollen. Wenn wir nicht mehr gehen wollen, ist auch nichts zu wollen. Die Kamele bestimmen auch das Marschtempo: Je nach dem, ob der Untergrund Sand oder Geröll, steil oder flach ist, der Pfad aufwärts oder abwärts führt, geht’s mit geschätzten zügigen 7 km/h oder nur mit 3 km/h vorwärts.

Für frisches sauberes Wasser sorgt der Veranstalter:
Am zweiten Tag drückte einer der Guides mir, Simon, einen 5-Liter-Kanister in die Hand und erklomm strammen Schrittes die nächste Anhöhe. Ich hatte gewusst, dass wir unser Trinkwasser aus einem Guelta (permanentes Wasserloch in Schluchten) holen würden. Doch dass wir dafür eine Stunde über die steinige Ebene vorauseilen, in die Schlucht steigen und dann mit dem Wasser eine halbe Stunde den Kamelen nachhasten würden, hatte ich nicht gewusst.
Wir hatten geplant, das Wasser mit einem T-Shirt zu filtern. Jedes Mal, wenn das Wasser im „Filter“ knapp wurde, fingen die Würmchen darin an, in Todesangst herumzuhaspeln. Den Rest sollten die UV-Strahlen erledigen: Wir liessen das Wasser dann 5 Stunden in Pet-Flaschen in der Sonne liegen – und anschliessend abkühlen …4_2016_15_19 wasser holen 1 4_2016_16_19 wasser holen 2


Kinderfreundlicher Panorama-Kamelritt:
Als wir die Sättel erstmals sahen, wurde es Anja Angst und Bange. Doch als dann alles Gepäck daran befestigt und sämtliche Decken und Teppiche (Camping-Mätteli der Tubus) darübergelegt waren, sah das Ganze sehr bequem aus. Anja musste sich zuerst mit Anlauf auf das Kamel schwingen, dann gut festhalten wenn das Kamel aufstand und schliesslich Junia fangen, die ich ihr hochwarf. Dann ging ich ein paar Schritte voraus, bis unser Guide fand, dass die kostbare Ladung hält und im Lot sei. Junia schlief in der Tat meist bald ein, doch Anja musste immer wieder weiter nach links sitzen, damit die Ladung nicht verrutschte. Nach einer Weile erreichte sie dann die Schnur, mit der die Ganze Ladung festgezurrt war. Während sie sich den Hintern wund rutschte, verteilte ich für die Moral immer wieder mal ein Bonbon, das dann jedermann rund lutschte.
4_2016_5_19 kamelsattel unbeladen
4_2016_6_19 kamelsatter beladen


Junia hielt sich wirklich tapfer und schaute keck umher, doch nach gut vier Stunden hatte sie im Gegensatz zu den Guides genug und es war Abwechslung gefragt. Meist wechselte sie vom vier- aufs zweibeinige Kamel. Wenn es dann eine Pause gab, war sie dafür als Einzige topfit und stolperte munter im kleinen Schatten der Akazie zwischen den Dornen umher, während alle anderen darniederlagen.
4_2016_1_19 alle wollen ausruhen ausser junia

Jederzeit Schnappschüsse machen oder die sagenhafte Gegend festhalten:
Fotos zu machen hatte seinen Preis, wenn es überhaupt möglich war. Für Anja, auf dem schaukelnden Kamel die schlafende Junia haltend, bestand eine gewisse Verwacklungsgefahr, sofern sie überhaupt zum Fotoapparat kam ohne die Ladung und sich selbst zu gefährden. Ich hingegen konnte mir so viel Zeit nehmen wie ich wollte. Doch ich wollte nicht zu lange, denn es ist deutlich anstrengender, die Karawane aufzuholen als mitzuhalten. Daher blieb ich gern schön im Rhythmus hinter den Kamelen. Auch wenn sie im Gehen kacken und wir in ihrer Kacke gehen. Also geniesst die Fotos.

Für uns ist aber klar: Diese Expedition war landschaftlich unglaublich eindrücklich und ein grossartiges Erlebnis, für das sich alle Anstrengungen gelohnt haben. Geysire und warme Quellen, Mittagsrast im Schatten der steilen Wände einer Schlucht, Abendessen und Übernachtungen unter dem Sternenhimmel in einem Wadi … Wir konnten reisen wie es die Tubus wahrscheinlich schon seit Hunderten von Jahren machen – nicht besonders touristisch, aber tief beeindruckend und auf eine eigene Art sehr schön.

Raus mit ihm!

In der Mitte des Raumes steht ein Tisch mit verschiedenem Zahnarztwerkzeug drauf. Der typische Speichelab- oder Zungeneinsaugomat fehlt, sowie auch die halbrunde Lampe, der Bildschirm und der frisch mit Wasser aufgefüllte Plastikbecher. Dafür hat es zu beiden Seiten des Tisches eine wackelige Liege mit jeweils einem Spuckbecken und einer Kartonkiste als Abfalleimer darunter. Beides umsurrt von unzähligen Fliegen.

„Hallo. Lieg hier hin. Welcher Zahn tut dir am meisten weh?“ „Dieser und dieser. Und der da hinten auch.“ „Nein, nur einer. Schau mal wie viele Leute draussen warten. Welcher schmerzt am schlimmsten? Eine Person, ein Zahn.“ „Dieser und dieser. Aber der da hinten auch. Ich kann nicht schlafen in der Nacht.“ „Also. Wir ziehen zwei, weil sie genau neben einander sind. Ok?“ „Ok. Raus damit!“

 

So ungefähr lief ein klassisches Konsultationsgespräch in der improvisierten Zahnarztpraxis in unserer Bibliothek ab.

Immer wieder standen der Zahnarzt aus den USA und ich, seine Assistentin, sprachlos vor einem geöffneten Schlund, in dem es praktisch nur noch schwarze Stummel hat. Ja, da würde es mir auch schwerfallen zu bestimmen, welcher Zahn tatsächlich am meisten schmerzt. Und es ist hart, bei dieser grossen Baustelle nur gerade einen oder in Ausnahmefällen zwei Zähne rauszuziehen. Das lindert den Schmerz höchstens ein bisschen, denn die andern Zähne sind ja immer noch leise, aber stechend schmerzend am Weiterverfaulen. Aber im Anbetracht der Zeit und der wartenden Menschenmasse ist es einfach nicht möglich, mehr zu machen.

Für den Zahnarzt ist das unglaubliche Knochenarbeit! Vor allem, wenn die angefaulte Zahnkrone beim Ausreissen abbricht und dann die Wurzeln ohne Röntgenbild irgendwo im Kieferknochen gefunden werden müssen.

 

„Wenn es schmerzt, kannst du mit deiner Hand ein Zeichen geben“, sagte der Zahnarzt bei jedem Patienten, bevor er mit der Zange dahinterging. Dieser Satz hätte eigentlich vom einheimischen Mitarbeiter jeweils übersetzt werden sollen. Dieser hat das allerdings nur gemacht, wenn man ihn mindestens zwei Mal eindringlich darum bat. Er fand das total überflüssig. Und seine Übersetzung tönte dann jeweils eher so: „Wenn es wirklich unglaublich stark schmerzt, kannst du mit der Hand ein Zeichen geben. Aber es schmerzt nicht! Oder?!“ Und zur Beruhigung eines verängstigten Kindes wurde gesagt: „Wenn du jetzt nicht sofort still liegst, binde ich dich an den Stuhl und dann gibt es eine Spritze in dein Bein, die noch viel mehr weh tut! Hast du gehört! Halt jetzt deinen Mund du Weichling!“

Merke: Ein Tubu kennt KEINEN Schmerz.

6.4._Zahnarzt

Trotz einigen Unglaublichkeiten hat die ganze Sache riesig Spass gemacht! Und wenn ich das nächste Mal selber in der Waagrechten unter einer halbrunden Lampe liege, werde ich bestimmt mit einem kleinen Schauder daran zurückdenken, wie und für was diese Instrumente an anderen Orten hauptsächlich eingesetzt werden müssen. Ausserdem weiss ich den Speichelabsaugomat von jetzt an zu schätzen, denn er erspart einem den extrem unschönen Anblick von diesem Spuckbecken, in dem vom Vorgänger bereits… – ich sags lieber nicht.