Schon als wir 2012/2013 hier waren, haben wir immer wieder vom sagenhaften Soburu gehört. Ein Heilbad für allerlei Beschwerden soll es dort geben, Wasser, das brodelt und doch kalt ist, Rauch, der aus der Erde austritt. Wir waren schon lange fasziniert, und nun kam endlich diese Reise zustande. Mit den nächsten paar Blogeinträgen wollen wir euch einen Einblick geben, schön nach Thema geordnet, damit ihr nicht so überwältigt seid wie wir es waren.
Soburu – touristisch

Es ist nicht ganz klar, wann die letzten Touristen nach Soburu gegangen sind und ob die Weissen, die vor uns dort waren, nicht eher Geologen waren (wenn jemand herausfindet, was diese Geologen herausgefunden haben, sind wir sehr interessiert an den Resultaten). Dann wären wir sogar die allerersten Touristen. Aber sicher gab es keine Weissen mehr in Soburu seit 40 Jahren. 1975 wurde nämlich eine französische Ethnologin im Tibesti entführt und in den darauf folgenden Jahren war Bürgerkrieg und Rebellion. Erst seit nach dem Ende der letzten Rebellion um 2007/2008 Ruhe eingekehrt ist, keimt der Tourismus im Tibesti wieder auf: Jedes Jahr kommen drei bis vier Gruppen durch Bardai. Nach Soburu hat sich aber noch kein Tourist verirrt. Ist auch nicht ganz einfach, wie wir herausgefunden haben.
Aber waren wir wirklich Touristen? Was dafür spricht, ist, dass wir nicht krank sind. Das ist für Tubus nämlich der einzige Grund, nach Soburu zu gehen. Darum sind wir in ihren Augen Touristen. Doch urteilt selbst, wie touristisch es wirklich war:

Das 5-Tage-Arrangement, abgestimmt auf die internationalen Flüge:
Von unserem Freund, der bereit war, uns nach Soburu zu führen, hatten wir als Reiseprogramm Folgendes verstanden: zwei Tage hin, ein Tag dort, zwei Tage zurück. Die Verlängerung der Reise begann mit dem Missverständnis was ein Tag ist. Denn die Tubus rechnen in Übernachtungen. Doch die Reise hatte ja noch nicht einmal angefangen, den aktuell seien alle Soburu-tauglichen Kamele (Camelibus Subaruensis) ausgebucht. Eine gute Woche später sagte ein anderer Freund, er habe ein Kamel, wir könnten gleich los. Es ging dann noch eine Woche, bis wir einen Nachmittag lange zu Hause bereit auf unserem Gepäck sassen, da es jederzeit losgehe. Vor Einbruch der Dunkelheit hatten wir mit unseren beiden erwähnten Freunden dann die erste Etappe hinter uns: die Fahrt mit Toyota Pickup ins Dorf, wo sein Kamel ist. Also besser gesagt, das Kamel war vor ein paar Tagen noch da. Am nächsten Morgen machte er sich auf die Suche nach dem an den Vorderbeinen zusammengebundenen Kamel. Er fand es im Nachbardorf und kam kurz vor dem Eindämmern zurück. Also eine erneute Übernachtung in seinem Haus. Und nun, für unser Verständnis am dritten Tag, ging es los. Zwei Tage reisen heisst zweimal unterwegs übernachten. So kamen wir am 5. Tag in Soburu an. Und wir erfuhren dann auch, dass man traditionell drei Tage in Soburu ist. Entsprechend waren wir dann froh, als wir am Morgen nach der dritten Übernachtung, also am 8. Tag, nach Hause aufbrechen konnten, wo wir am 10. Tag ankamen.
Gemütliches Wandern mit regelmässigen Trinkpäuschen:
Am ersten Marschtag gingen wir zweieinhalb Stunden nonstop durch den heissen Wüstensand, ohne Wasser zu trinken. Gott sei Dank setzte sich dann eines unserer Kamele einfach mal hin und machte keinen Wank mehr. Nach einem grossen Schluck (alle tranken aus dem gleichen Wasserkessel) ging es uns dann wieder besser und wir waren bereit für die nächsten eineinhalb Stunden. In einer Nacht träumte ich, dass ich kaum mehr sprechen konnte, weil ich so einen trockenen Mund hatte. Ich hatte einfach nicht genug „nachgegossen” als wir am Übernachtungsort ankamen.
Rücksichtnahme auf die untrainierte Wandergruppe:
Es stellte sich heraus, dass die Kamele den Rhythmus angeben. Wenn sie mit ihren Lederlippen von einer dornigen Akazie ein paar Zweige fressen wollen, ist sonst nichts zu wollen. Wenn wir nicht mehr gehen wollen, ist auch nichts zu wollen. Die Kamele bestimmen auch das Marschtempo: Je nach dem, ob der Untergrund Sand oder Geröll, steil oder flach ist, der Pfad aufwärts oder abwärts führt, geht’s mit geschätzten zügigen 7 km/h oder nur mit 3 km/h vorwärts.
Für frisches sauberes Wasser sorgt der Veranstalter:
Am zweiten Tag drückte einer der Guides mir, Simon, einen 5-Liter-Kanister in die Hand und erklomm strammen Schrittes die nächste Anhöhe. Ich hatte gewusst, dass wir unser Trinkwasser aus einem Guelta (permanentes Wasserloch in Schluchten) holen würden. Doch dass wir dafür eine Stunde über die steinige Ebene vorauseilen, in die Schlucht steigen und dann mit dem Wasser eine halbe Stunde den Kamelen nachhasten würden, hatte ich nicht gewusst.
Wir hatten geplant, das Wasser mit einem T-Shirt zu filtern. Jedes Mal, wenn das Wasser im „Filter“ knapp wurde, fingen die Würmchen darin an, in Todesangst herumzuhaspeln. Den Rest sollten die UV-Strahlen erledigen: Wir liessen das Wasser dann 5 Stunden in Pet-Flaschen in der Sonne liegen – und anschliessend abkühlen …

Kinderfreundlicher Panorama-Kamelritt:
Als wir die Sättel erstmals sahen, wurde es Anja Angst und Bange. Doch als dann alles Gepäck daran befestigt und sämtliche Decken und Teppiche (Camping-Mätteli der Tubus) darübergelegt waren, sah das Ganze sehr bequem aus. Anja musste sich zuerst mit Anlauf auf das Kamel schwingen, dann gut festhalten wenn das Kamel aufstand und schliesslich Junia fangen, die ich ihr hochwarf. Dann ging ich ein paar Schritte voraus, bis unser Guide fand, dass die kostbare Ladung hält und im Lot sei. Junia schlief in der Tat meist bald ein, doch Anja musste immer wieder weiter nach links sitzen, damit die Ladung nicht verrutschte. Nach einer Weile erreichte sie dann die Schnur, mit der die Ganze Ladung festgezurrt war. Während sie sich den Hintern wund rutschte, verteilte ich für die Moral immer wieder mal ein Bonbon, das dann jedermann rund lutschte.

Junia hielt sich wirklich tapfer und schaute keck umher, doch nach gut vier Stunden hatte sie im Gegensatz zu den Guides genug und es war Abwechslung gefragt. Meist wechselte sie vom vier- aufs zweibeinige Kamel. Wenn es dann eine Pause gab, war sie dafür als Einzige topfit und stolperte munter im kleinen Schatten der Akazie zwischen den Dornen umher, während alle anderen darniederlagen.
Jederzeit Schnappschüsse machen oder die sagenhafte Gegend festhalten:
Fotos zu machen hatte seinen Preis, wenn es überhaupt möglich war. Für Anja, auf dem schaukelnden Kamel die schlafende Junia haltend, bestand eine gewisse Verwacklungsgefahr, sofern sie überhaupt zum Fotoapparat kam ohne die Ladung und sich selbst zu gefährden. Ich hingegen konnte mir so viel Zeit nehmen wie ich wollte. Doch ich wollte nicht zu lange, denn es ist deutlich anstrengender, die Karawane aufzuholen als mitzuhalten. Daher blieb ich gern schön im Rhythmus hinter den Kamelen. Auch wenn sie im Gehen kacken und wir in ihrer Kacke gehen. Also geniesst die Fotos.
Für uns ist aber klar: Diese Expedition war landschaftlich unglaublich eindrücklich und ein grossartiges Erlebnis, für das sich alle Anstrengungen gelohnt haben. Geysire und warme Quellen, Mittagsrast im Schatten der steilen Wände einer Schlucht, Abendessen und Übernachtungen unter dem Sternenhimmel in einem Wadi … Wir konnten reisen wie es die Tubus wahrscheinlich schon seit Hunderten von Jahren machen – nicht besonders touristisch, aber tief beeindruckend und auf eine eigene Art sehr schön.