Kafi Oase – das interaktive Café für alle

Seit zwei Wochen hat uns die Schweiz wieder und es ist schön hier zu sein. Tschapdate geht weiter und an dieser Stelle sagen wir ein grosses Dankeschön an alle treuen Lesenden und Kommentierenden!

Wir freuen uns, viele von euch auch live zu sehen. Zum Beispiel in einem Café, das man als Familie oder als Einzelperson, als Senior oder Junior, als „An-allem-Interessierter“ oder als „Am-Sonntag-will-ich-einfach-nur-hängen-Mensch“ besuchen kann. Jawohl, so etwas gibt’s! Im „Kafi Oase“, dem interaktiven Café für alle (Sinne).

Kafi Oase

Der Gaumen darf sich auf traditionelle Wüstennahrung freuen, bei der man auch Hand anlegen kann. Wer lieber tschadisches Spielzeug bastelt oder sich im Turban binden übt, ist auch an der richtigen Adresse. Und für Leute die ganz nach Tubu-Art nachmittags einfach ein bisschen rumhängen wollen, gibt es jede Menge interessante Artikel zu lesen und schöne Fotos zu sehen, beides in analoger und digitaler Form. Oder man kann auch einfach saharanischer Musik lauschen und ein wenig vor sich hindösen.

Willkommen im „Kafi Oase“!

Programm:

  • ab 14h       Hereinspaziert, informiert, diskutiert und amüsiert bei Tee und Gebäck
  • punkt 18h  „Tîbi brousse“ – der traditionelle Nudeleintopf für Wüstenreisende
  • ab 20h       Der Anfang vom Ende

Essen und Getränke werden zu Unkostenpreisen verkauft.

Wichtig:

  • Bringt euer Tablet, Smartphone oder Laptop mit, um den Zugang zur ganzen Fülle der Informationen zu haben.
  • Kafi Oase findet nur bei gutem Wetter statt – Information hier auf dem Blog

Wann und wo:

  • 14. August       @ Fam. Neuhaus, Schulstrasse 2, 8565 Hugelshofen
  • 11. September @ Fam. Höneisen, Steinackerstrasse 4, 9214 Kradolf
  • 25. September @ breadbirdhouse, Kreuzlingerstrasse 88, 8580 Amriswil

Ein Garten mit Häuschen

Wir können nicht aufs Häuschen gehen. Grund dafür ist nicht eine Verstopfung, denn das Gegenteil ist wortwörtlich häufiger der Fall. Aber aufs Häuschen können wir nicht, weil unser „Hüsli“, das im “Garten” draussen steht, kein Dach hat. Dass das für euch als Leser vielleicht verwunderlich ist, verwundert unsere Freunde hier. Denn wer will schon diesen Gestank einschliessen. So bleibt uns nur zu hoffen, dass Google Street View nie eine Foto macht in einem dummen Moment.

häuschen gartenEin Garten mit Häuschen

Doch der Gefahren sind noch nicht genug. Als Anja heute den Deckel des dampfenden Lochs wegkickte, erstarrte ein sich darunter auf dem Rand des Lochs befindender Skorpion. Behende behändigte sie einen Stein und donnerte ihn auf das ausserordentlich grosse Exemplar. Doch anstatt auf der Stelle zu verenden, fiel er entweder in den Stuhl-Pfuhl, oder konnte sich an den Innenrand des Lochs retten. Mittlerweile war der Ehemann zur Hilfe gerufen und mit einer Stirnlampe suchte ich den Innenrand ab. Keine Spur. Aber auch im Abgrund war er nicht auszumachen. Ein Fall für Insektenspray, auf den auch Skorpione gut ansprechen. Grosszügig sprühte ich ins Loch und verschloss es mit dem Deckel. Mit einem Stein in der Hand überwachte ich das Loch. Doch an Stelle des Skorpions krochen taumelnd aus allen möglichen Löchern und Ritzen, die ich noch nie gesehen hatte, Kakerlaken. Ein Heer von Kakerlaken umkrabbelte mich bald und die, die es nicht bis an die Wand des Häuschens schafften, versuchten an mir hochzukrabbeln. Ich wusste mir nicht anders zu helfen, als mit den mittlerweile von Anja gebrachten Turnschuhen (Ersatz für die Non-SUVA-Konformen Flipflops) auf der Stelle zu treten.

häuschen garten2 thumb_IMG_4647_1024Das eingetrocknete Schlachtfeld – bereit zum Wischen

Während es unter meinen Füssen immer schöner schmatzte, musste ich nur noch die auf mich geflogenen Kakerlaken abwimmeln, während ich immer noch mit dem Stein in der Hand dem eigentlich erwarteten Ungeziefer harrte. Nach einer gefühlten halben Stunde gab ich die Übung auf und ging endlich Brot kaufen. Wieder zu Hause angekommen, zog ich mein Jallabiya-Oberteil aus und musste tatsächlich noch eine letzte Kakerlake von meiner Hose entfernen. Da blieb nur noch die Maus in der Falle zu entsorgen – natürlich auch im WC-Loch. Als wir dann schliesslich alle beim Frühstück sassen, war ich froh, aus dem Häuschen zu sein.

Bald nicht mehr normal

Seit gut neun Monaten leben wir nun auf dieser Oase im Tschad. Mittlerweile ist es normal geworden, mitten in der Sahara zu wohnen. Doch vieles wird bald nicht mehr normal sein, denn in drei Wochen kommen wir wieder für eine Weile in die Schweiz.

Bald ist es nicht mehr normal, dass wir morgens schauen, ob es heute auch oder nach mehreren Tagen endlich wieder Handynetz hat. Es wird auch nicht mehr normal sein, dass wir fürs Frühstück ein schattiges Eck im Innenhof suchen und morgens mit der Sonnenbrille und abends mit der Stirnlampe die Zähne putzen. Bald ist es nicht mehr normal, dass wir immer nur eine Hand aufs Mal waschen können, da die andere das Wasserkrüglein hält.

Bald ist es weder normal, dass wir immer mit kaltem Wasser (Zimmertemperatur, alias
30 bis 40 Grad) abwaschen und nur alle zwei Tage für ein paar Stunden Wasser aus dem Hahn kommt, noch, dass wir von Hand die Wäsche waschen und sie nicht nach 40, 60 und 90 Grad sortieren, sondern einfach mehr oder weniger intensiv mit Handseife bearbeiten. Bald ist es nicht mehr normal, dass eine Horde Kakerlaken das Weite sucht, wenn wir den „Deckel“ unseres WC-Lochs (auch als Dampfkochtopf bezeichnet) heben. Auch darf unsere Tochter bald nicht mehr in den Innenhof kacken und pinkeln, weil der Sand wie Katzenstreu wirkt. Wir werden uns abgewöhnen müssen, den Inhalt des Schüfelis einfach über die Mauer zu werfen, dafür freut sich unser grünes Herz, wenn wir unseren Abfall nicht mehr im Garten verbrennen und dann die Asche, Dosen und Flaschen im Wadi vergraben müssen.

Bald ist es nicht mehr normal, dass wir bevor wir das Haus verlassen uns mit 4 m Stoff einwickeln (Turban auf den Kopf oder „Laffaye“ um den Körper) und vier Vorhängeschlösser brauchen, um Zimmer und Innenhof zu schliessen. Es wird auch eine Umstellung sein, wenn nicht mehr jeder auf der Strasse unserer Tochter mit Namen nachruft. Es wird nicht mehr normal sein, dass eine Begrüssung gefühlte 5 Minuten dauert und man trotz allen Fragen nach sämtlichen potentiellen Neuigkeiten und nach allen Verwandten nichts erfährt. Wir werden es nicht vermissen, täglich erklären zu müssen, dass nicht alles Geld in der Schweiz gedruckt wird, aber wahrscheinlich auch ihr Präsident bei uns ein Konto hat. Dafür werden sich die Leute wieder verabschieden am Telefon oder bevor sie für mehrere Monate verreisen.

Bald ist es nicht mehr normal, dass wir täglich auf den Markt gehen um zu sehen, ob neue Gemüse oder Früchte gekommen sind, dass der Reis nie anbrennt, weil wir ihn im Sonnenofen kochen und dass wir statt Butter Öl und statt Rahm einen Haufen Milchpulver verwenden. Wir werden schnell Nescafé nicht mehr den besten Kaffee finden, aber vielleicht auch in der Schweiz mal zum Essen auf einer Matte sitzen und gemeinsam aus einem Tablett löffeln.

Bald ist es nicht mehr normal, dass wir uns nur zu Fuss bewegen, meistens getrennt unterwegs sind und nie als Familie zu Besuch gehen. Es wird kaum mehr vorkommen, dass wir als Besucher zwar gut bedient, aber dann einfach allein gelassen werden, weil der Gastgeber gerade noch etwas erledigen muss. Bald ist es nicht mehr normal, dass Simon an alle Hochzeitsessen des Wohnorts geht, doch dafür muss Anja nicht mehr bei allen den ganzen Vormittag kochen helfen. Es wird auch nicht mehr normal sein, dass es bei jedem Anlass für die Frauen einen separaten Ort braucht, weil sie in Anwesenheit von Männern nicht mal eine Cola trinken dürfen und dass die meisten Männer während Wochen bis Jahren irgendwo unterwegs sind, um Gold zu suchen oder Handel zu treiben.

Bald ist es nicht mehr normal, dass wir uns nicht abzutrocknen brauchen nach dem Duschen und Wäsche in einer Stunde trocken ist. Wir werden auch in der Schweiz noch eine Weile nachts keinen Schritt ohne Lampe machen wegen Skorpionen und uns freuen, dass Generatorenlärm nicht mehr unser Gutnachtlied ist. Es wird nicht mehr normal sein, dass das Zirpen der Grillen im Haus manchmal lauter ist als draussen und unsere Tochter allen Geckos im Haus „Gute Nacht“ sagt, bevor sie schlafen geht. Und wir werden es vermissen, jeden Abend zu Hause zu sein, eine leere Agenda zu haben und unter einem sagenhaften Sternenhimmel einzuschlafen.