2. Dezember

Festputz

Für die alljährlichen Feste (Ramadan-Ende und Opferfest) putzen sich nicht nur die Menschen heraus. Die Menschen (genauer gesagt: die Frauen) putzen auch ihre Häuser heraus. Matten, Decken, Wandbehänge (die die kahlen Zementsteine oder die brösmelnde Lehmwand verdecken), Teppiche – alles wird gewaschen. Und das geht so:

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Was veranlasst euch zum Putzen? Und wann habt ihr das letze Mal die Teppiche aus dem Wohnzimmer gerissen und sie so richtig durchgestampft? Tschapdate freut sich wie immer auf eure Kommentare.

1. Dezember

Die Vorzüge des Oasenlebens

Bei allen Annehmlichkeiten des schweizerischen Lebens gibt es da auch Einiges vom Oasenleben, das wir vermissen. Zum Beispiel die tiefe Luftfeuchtigkeit.

Zum Beispiel heute, wo wir so in der Wohnung sitzen. Vom Sofa aus eröffnet sich uns der Blick auf unsere zwei Wäscheständer (gut dass es nicht doppelt so viele sind und dass die Waschamaschine gut schleudert, sonst hätten wir darunter einen Vierwaschständersee.) Das geht, auch wenn wir ein bisschen Angst vor Schimmelbildung haben. Aber wenn dann Besuch kommt, müssen die Wäscheständer im Schlafzimmer verschwinden, womit dieses unpassierbar wird.

Da ist es schon gäbiger im Wüstenklima: Die Kleider trocknen über Mittag in zwei Stunden. Wenn man nicht will, dass der Gummizug der Unterhosen spröde wird, geht es auch nachts. Keine Angst, sie wird schon nicht verregnet und sie gefriert auch nicht.

Besser zum Wäsche trocknen ist es nur noch in der Oase Faya. Dort weht ständig der Wind, weil Faya in der offenen Sandwüste liegt, nicht wie Bardai im Schutz eines Gebirges. Wenn ich an Faya denke, dann bekommt die schweizerische Bezeichnung für warmen Wind eine buchstäblichere Bedeutung: Föhn.

Rentierersatz

Nun ja, jetzt sind wir also wider Erwarten da in der schönen Schweiz. Bei dieser Gelegenheit freuen wir uns natürlich auf Weihnachten mit der Familie.
Anstatt Rentiere in den Garten zu stellen, halten wir es wieder mit dem Tschapventskalender um die Dezembertage zu begehen. Viel Vergnügen!

Recht sicher

Recht sicher waren wir uns, dass wir am 18. November wieder in den Tschad reisen würden. Recht sicher waren wir, dass wir mit der kleinen Fluggesellschaft am 22. November in die Oase fliegen würden. Doch es trügt, wenn man meint, recht sicher zu sein, wenn man es mit einem Land zu tun hat, das nicht so rechtssicher ist.

Wir haben nämlich einmal mehr nicht mit dem Tschad gerechnet. Aber der Tschad rechnet. Vor allem mit Erdöl. Sogar die Weltbank unterstützte den Tschad, erklärte 2000 dessen Ölförderung zum Modellprojekt für Armutsbekämpfung in Afrika. Nicht ganz, wie sich immer mehr herausstellt.

Seit 2003 sprudelt das Erdöl und nach einigen Jahren gab es auch merkliche Verbesserungen der Infrastruktur. Mittlerweile macht das Erdölgeschäft zwei Drittel des BIP aus. Andere Industriearten gibt es aber nicht.

Doch jetzt, mit dem anhaltend tiefen Ölpreis, geht die all zu einfache Rechnung mit dem schwarzen Gold nicht mehr auf. Da hilft auch das andere Erd-Produkt nicht viel: Weil keine Veredelung stattfindet, sind auch die 800’000 Tonnen Erdnüsse, die der Tschad exportiert, für das Staatsbudget leider nur Peanuts.

Die leere Staatskasse wird je länger je mehr bemerkbar: Das staatliche Megaprojekt „cité internationale des affaires“ für stolze 366 Millionen € sollte für das Gipfeltreffen der Afrikanischen Union in N’Djamena im Juni 2015 fertig werden. Die Vorschau auf Youtube sah gelinde gesagt schon zuvielversprechend aus.

cité internationale des affaires

Gedemütigt musste der Tschad das Gipfeltreffen absagen, und als wir im September 2015 in der Hauptstadt waren, sahen wir die verlassene Baustelle, die dem Bild oben kaum ähnelt. Doch das war erst der Anfang. Unterdessen leiden auch die Staatsangestellten unter der Lage des Staatshaushalts: Lehrer haben schon lange nichts mehr gesehen und es ist zumindest fraglich, ob das Schuljahr 2016/2017 überhaupt stattfinden wird. In den öffentlichen Spitälern ist die Lage ähnlich: Nur noch Notfallstationen sind halbwegs offen. Und weil der Staat der grösste Arbeitgeber ist, ist die ganze Bevölkerung von dieser Krise direkt oder indirekt betroffen. Und wir leiden auch mit. Nicht nur emotional.

Denn jetzt rechnet der Tschad mit internationalen Firmen und NGOs, oder besser gesagt: die Steuerbehörden wollen mit diesen abrechnen. So geht des beispielsweise der Öl-Firma Exxon Mobile, die eine Steuerforderung von 74 Milliarden Dollar am Hals hat. Dass das etwas hoch gegriffen ist, zeigt der Umstand, dass es das Siebenfache des tschadischen Bruttoinlandsprodukt ist (BIP 2015: knapp 10.88 Milliarden Dollar).

Auch unsere Fluggesellschaft ist mit einer haltlosen Steuerforderung konfrontiert. Unser Flug am 22. November ist deswegen abgesagt. So wie im Moment alle anderen. Wann eine Lösung gefunden wird, ist ungewiss. Das kann Tage oder Monate dauern. Wir hätten über Land nach Bardai reisen können, doch spätestens für die Rückkehr nach N’Djamena hätten wir fliegen müssen. Aus einem erfreulichen Grund: Die Schwangerschaft ist dann schon weit fortgeschritten.

Für uns heisst das, dass wir bis nach der Geburt in der Schweiz bleiben und weiterhin von hier aus arbeiten. Gut, dass sich noch keine Untermieter gemeldet haben…

Halbnomaden suchen Untermieter

Am 18. November gehen wir wieder in den Tschad. Nur ganz kurz, für Tubu-Verhältnisse nur “für einen Besuch”. Während dieser knapp 3 Monate lassen wir unser Zelt in der Schweiz stehen…

Schnuckelige 3-Zi Altbauwohnung (möbliert) im Weinfelden zum Untervermieten
Vom 18. November 2016 bis Anfangs Februar 2017 vermieten wir unsere 3-Zimmer Parterre-Wohnung an der Schlossgasse 1 in Weinfelden gerne weiter. Die Wohnung liegt zentral, 5min zu Fuss vom Bahnhof. Das grosszügige Wohnzimmer, das Schlafzimmer und ein kleines Kinderzimmer sind möbliert, die Küche vollständig ausgestattet. Dazu gehört ein Sitzplatz mit Zugang zum gemeinsam genutzten Rasen und zum Velo-Häuschen.
Preis verhandelbar.
Interessenten melden sich unter tschapdate@gmail.com

Tubus in der Schweiz? Tubus in der Schweiz!

Vor einer Woche habe ich tatsächlich Tubus in der Schweiz getroffen. (Also wir mussten schon abmachen, damit wir uns am richtigen Bahnhof zur richtigen Zeit trafen.) Es war natürlich sehr cool, meine Tudaga-Kenntnisse hervorzukramen und ein paar Minuten Begrüssungsformeln auszutauschen;)
Es gibt also wirklich Tubus in der Schweiz, eine Handvoll, wie ich erfahren habe. Zu cool!

Einer der beiden Tubus die ich traf, war aus Libyen gekommen für eine Konferenz des UNO Menschenrechtsrates in Genf, der andere wohnt hier im Wallis mit seiner Familie. Beide setzen sich für die Rechte der Tubus in Libyen ein, wo sie diskriminiert werden.

Da ich noch nie in jener Stadt war, hat der „einheimische“ Tubu vorgeschlagen, dass er mir, dem Schweizer, die Region zeigt und wir ein bisschen in die Höhe fahren. Doch nach 20 Minuten bergauf versagte der Motor, einfach so, ohne lang zu stottern. Es reichte nur noch gerade um an den Rand zu fahren (was man auf einer tschadischen Strasse grundsätzlich nicht machen würde, weil man entweder weit und breit der einzige ist auf der Sandpiste – oder auf der Teerstrasse einfach so tut als wäre dem so). Von da an war der Motor nicht mehr zu starten.

Ich erwartete natürlich, dass die beiden Tubus nun die Haube öffnen und das Vehikel auf der Stelle wieder flott machen würden (oder einfach im Leergang wieder runter fahren würden, wie ich das vielleicht gemacht hätte). Nichts dergleichen! Der „Einheimische“ zog seine TCS-Karte hervor und bestellte den Pannendienst. Wie ein richtiger Schweizer.

Abschleppdienst

Tschadisch wurde mir erst wieder zumute, als wir zu dritt auf dem Doppelbeifahrersitz des Abschleppwagens sassen.

Auf dem Beifahrersitz des Abschleppwagens

In der Wohnung angekommen, zogen alle die Schuhe und Socken aus und wir machten es uns auf den Sofas gemütlich, bis das Essen gebracht würde. Hier lernte ich die beiden herzigen Jungs (beide im Schulalter) kennen und auch die Frau kam kurz zur Begrüssung ins Wohnzimmer. Als es soweit war, hiess es Salontisch weg und Tischtuch auf den Teppich – gegessen wurde stilecht am Boden.

Anschliessend machten wir uns an die Arbeit. Unter anderem konnte ich die Aufnahmen machen für ein Video, in dem das Tudaga-Alphabet erklärt wird. Anja hatte das im Voraus vorbereitet – es fehlte nur noch die „Vertonung“. Erst da fand ich heraus, dass der Tubu aus Libyen bereits selber mal ein Erklärungs-Video zum Alphabets gemacht hatte – also DER Mann für ein solches Unternehmen: engagiert und versiert. Es ist eine Freude, so zusammenzuarbeiten!

Mehrmals sagte mir der „einheimische“ Tubu, es sei gar nicht schön von mir, dass ich meine Familie nicht mitgenommen habe. Mit dem Versprechen, dies beim nächsten Mal besser zu machen verabschiedete ich mich. Schön war’s!

Kafi Oase zum letzten Mal

In 24 Stunden eröffnet das Kafi Oase zum letzten Mal in diesem Jahr die Tore, bzw. das Gartentörli:  an der Kreuzlingerstrasse 88 in Oberaach/Amriswil, gleich bei der Pizzeria Vesuvio. (Dort, wo wir einst mit unseren Freunden, Familie Lam, wohnten und wo Kafi Dihai stattfand.)

Wir freuen uns auf euch – und an dem einmal mehr unglaublich “Wüsten” Wetter.

Soweit so kurz, es wird Zeit dass sich die Kafi Oase Karawane auf den Weg macht!

Kafi Oase Karawane

 

Bis bald!

Simanja