Tagesausflüge von Soburu aus

Variante 1:
Vormittagsprogramm mit nachhaltigem Nutzen
Man suche die Fussspuren eines in der Gegend vermuteten Freundes und folge ihnen, bis man ihn aufgespürt hat. Das tat unser Guide am ersten Tag. Und er kam mit einem Huhn und einem Gockel zurück. Er seinerseits hatte seinem Freund einen Sack Datteln mitgebracht, den er später für ihn am vereinbarten Ort deponierte. Ab jenem Ausflug wussten wir immer wann der Morgen graute, denn das Federvieh begleitete uns bis nach Bardai. Und ab jetzt wird unser Guide zu Hause zum Frühstück Eier essen.
Variante 2:
Schnell die Kamele tränken
Es sei nur eine halbe Stunde bis zum Tränkplatz, versicherte uns unser Guide, wir sollen doch mitkommen. Nach fast 1 Stunde durchs Geröll steigen mit Junia auf den Schultern wollte es dunkel werden, und wir Weichen äh Weissen kehrten um. Eineinhalb Stunden später tauchten dann auch unsere Kameltränker aus der Dunkelheit auf.
Das Kamel heisst Ogerdimmi
Variante 3:
Besuch bei den Ziegenhirten im Vulkankrater Tarso Voon – kein Familienausflug
Ohne Frau und Kind würde ich diesen Ausflug wohl schaffen, meinte unser Guide, und nahm mich freundlicherweise mit. Er selbst ist Kettenraucher (obwohl er Zigaretten raucht), doch das hielt ihn nicht davon ab, den steinigen Aufstieg fast im Laufschritt zu machen. Auf der Krete eröffnete sich uns der Blick auf einen alten Krater mit ca. 15 km Durchmesser. Durchs Geröll führte der Abstieg an den Grund des Kraters, wo unter anderem „Edesuru“ (artemisia judaica) wächst, ein Kraut, das im ganzen Tschad als Heilmittel gegen Malaria bekannt ist. Es wächst nur auf den Hochebenen des Tibesti. Davon und von Schaf- und Ziegenzucht leben denn auch die Menschen, deren Steinhäuser nach 3 Stunden Marsch am Rand des Kraters auszumachen waren. Mein Freund, offenbar ein häufiger Gast (mehrmals im Jahr), wurde freundlich empfangen und ich wurde einfach miteingeschlossen. Er übergab unserer Gastwirtin sein einziges Gepäckstück: Ein Kleid, für dessen Kauf er Monate zuvor das Geld erhalten hatte. Die Bewirtung war üppig: Eingeweide und ein Glas vergorene Ziegenmilch, Datteln, Dattelpulver (getrocknet und gestampft), Dattelmus, dann wieder Ziegenfleisch und Reis, und dazwischen, davor und danach wie immer süssen, starken Grüntee.
Anfangs richteten die jungen Männern skeptische Blicke auf mich. Wie sich herausstellte, stammen sie aus dem Ort, wo vor knapp 10 Jahren ein befreundeter Amerikaner als Geisel genommen worden war und die Leute immer noch stolz sind, dass man sich nicht so richtig in ihr Dorf traut. Doch nach einer Weile zusammensitzen kamen erste Fragen, die Skepsis wich der Neugier und schliesslich sagten sie beim Abschied, sie würden mich besuchen, wenn sie nach Bardai kommen. Wie alle im Steinhäuschen, war auch ich ein bisschen eingedöst. Doch nach gefühlten zwei Minuten Schlaf beschloss mein Freund, dass wir aufbrechen. Das war auch gut, denn noch so waren wir erst kurz vor dem Eindunkeln zu Hause.
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