16. Dezember

Viktor Frankl oder “Die letzte Freiheit”

Eine Person, die unserer Meinung nach etwas zum Zusammenhang von Zufriedenheit und Wohlbefinden bzw. Zufriedenheit und Leid zu sagen hat, ist Viktor Frankl. Von wegen Leid sagt er unter anderem sogar Folgendes:

„Anscheinend verträgt der Mensch auf Dauer die absolute Unbeschwertheit im psychologischen Sinne ebenso wenig wie die absolute Schwerelosigkeit im physikalischen Sinne. Und anscheinend kann er im sinnlosen Raum ebenso wenig wie im luftleeren Raum existieren.“

Der österreichische Psychiater und Neurologe kam mit seiner ganzen Familie während des zweiten Weltkrieges ins Konzentrationslager und überlebt als einziger. Nach seiner Befreiung schrieb er ein Buch:

 …trotzdem ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager 
(Der englische Titel ist auch vielsagend: Man’s Search For Ultimate Meaning)

Er machte sich viele Gedanken zum Thema Leid und Sinnhaftigkeit. Hier einige “Zitate” und Sätze, die seine Erkenntnisse zusammenfassen1:

Die wichtigste Praxis in der stoischen Philosophie unterscheidet zwischen dem, was man ändern kann und was unveränderbar ist, was man beeinflussen kann und was nicht. Das Wetter beispielsweise kann man nicht kontrollieren, aber die eigene Reaktion darauf sehr wohl.

„Einer der letzten menschlichen Freiheit ist, seine Einstellung unter welchen Umständen auch immer frei wählen zu können und einen eigenen Weg wählen zu können.“

Wenn wir uns darauf konzentrieren können, klar zu machen, welche Teile unseres Tages in unserer Kontrolle stehen und welche Teile es nicht sind, werden wir nicht nur glücklicher, wir werden einen deutlichen Vorteil gegenüber anderen Menschen haben, die nicht erkennen, dass sie eine Schlacht kämpfen, die sie nicht gewinnen können.

Neben dem Handeln kann der Mensch noch viele andere Dinge in seinem Leben kontrollieren. Dem Menschen steht es frei seine Emotionen, Einstellungen und Entscheidungen selbst zu bestimmen und zu beschließen wie er dazu steht und wie es ihn in seinem Schicksal beeinflusst. Die Fokussierung auf das, was in unserer Macht ist, vergrößert und verstärkt unsere Macht. Aber jede Energie, die auf Dinge gerichtet ist, die wir nicht beeinflussen können, ist verschwendet. Um ein Hindernis als Herausforderung zu sehen, um das Beste daraus zu machen, müssen wir nur verstehen, dass wir eine Wahl haben – eine Wahl, die allein an uns liegt.

„Die Spielregeln des Lebens verlangen von uns nicht, dass wir um jeden Preis siegen, wohl aber, dass wir den Kampf niemals aufgeben.“

Ehrlich gesagt, empfinde ich diese Worte im ersten Augenblick als ein bisschen einfach gesagt. Doch im Anbetracht der Biographie dieses Mannes, lohnt es sich, genauer darüber nachzudenken. Er hat erlebt, dass ihm alles genommen wurde, er scheinbar keine Freiheit mehr hatte. Doch er hat Gebrauch gemacht von seiner “letzten Freiheit”: Die Entscheidung über seine Reaktion darauf.

1 Quelle: https://www.landsiedel.com/at/wissen/viktor-frankl.html

15. Dezember

Die Küche

Für uns ist die Küche wichtig. Man verbringt viel Zeit darin und wenn sie ein bisschen funktional eingerichtet ist und alle Geräte funktionieren, können darin echt leckere Sachen entstehen. Was ist aber, wenn man keine so perfekte Küche hat?


Nichts. Tatsächlich nichts. Es entstehen genau so leckere Dinge, einfach ein wenig anders. Ist das nicht wunderbar?

Links die Küche von aussen
Es geht auch komplett ohne Küchenkombination
Salat rüsten (und gleichzeitiges Beckenbodentraining 😉
Und dann die Mahlzeit anrichten.
Denn auch hier wollen Hochzeitsgesellschaften sich gediegen verköstigen lassen.

14. Dezember

Noam und Leanna im Tschad

Wir haben auch für Noam und für Leanna ein Video gemacht. So sieht ihr Leben im Tschad aus!

Es gibt Überschneidungen in den Videos, aber sie sind halt Geschwister 😬. Da müsst ihr einfach ein bisschen vorspulen…

Leanna im Tschad
Noam in Bardai

13. Dezember

Spielen

Immer wieder bin ich einfach völlig überwältigt von der Art, wie die Kinder im Tschad spielen, wie sie sich beschäftigen, wie sie “schaffen”. Es ist fröhlich, frei, verspielt . Und zugleich fleissig und ernst. So “schaffen” sie, was ihnen in den Sinn kommt mit dem was ihnen vor die Hände kommt. “Eso macht s’Schaffe no Froid!” (Zitat: ©Marcocello 😉

Wie dem auch sei. Mich lässt der Gedanke nicht los, dass unser ganzes Spielzeug hier auf ein Minimum reduziert werden könnte. Und es würde uns doch an nichts fehlen. Es hätte sogar Vorteile: Es gäbe viel weniger aufzuräumen, auch weniger Diskussionen übers Aufräumen, es gäbe weniger Neid und Vergleichen mit anderen Spielzeugbesitzenden, der Haushalt wäre einiges nachhaltiger und man würde auch nicht nachts barfuss auf einen Legostein drauftreten. Ausserdem käme die Inspiration direkt von der Natur, bzw. von der Realität, von dem, was uns umgibt. Wäre also irgendwie natürlicher, oder?

Aber wir müssen auch realistisch sein. Ich bin ja schon froh, dass es gerade in der aktuellen Jahreszeit LEGO und Co. gibt. Denn irgendwie passen diese Lehmklumpen schon nicht so richtig in unsere mit Spannteppich belegten Zimmer rein.


Oh, da fällt mir gerade ein, ich muss den Kindern dringend sagen, dass sie ihre Lego noch wegräumen, bevor sie ins Bett gehen…

Unsere Hausbäckerei
Wer braucht schon ein Trampolin…

12. Dezember

Überraschende Erkenntnisse zum Thema “Glücklich sein”

Wer von all den Menschen in all den verschiedenen Umständen auf der Welt, kann (oder muss?) glücklich sein? Diese Frage beschäftigt mich regelmässig. Kürzlich stiess ich auf einen Ted Talk, der mir durchaus interessante Gedanken mit auf den Weg gab (https://www.ted.com/talks/dan_gilbert_the_surprising_science_of_happiness?referrer=playlist-the_most_popular_talks_of_all&autoplay=true). Es geht um wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema Glücklich sein oder Zufriedenheit. 

Hier sehr vereinfacht ein paar Punkte, die mich wirklich stutzig machten:

  • Wir stellen uns das Resultat davon, dass in der Zukunft entweder etwas Gewünschtes oder etwas Ungewünschtes eintrifft, viel unterschiedlicher vor, als es dann in Realität sein wird. D.h.: Das Ergebnis von erhofftem Erfolg (wir sehr und wie lange wir glücklich darüber sein werden) bzw. von Misserfolg (wie sehr und wie lange wir deswegen unglücklich sein werden) ist nicht so ausgeprägt wie wir es uns vorstellen.
    Kurz: Es wird entweder nicht so schlimm sein wie befürchtet oder nicht so beglückend wie erhofft, wenn wir z.B. eine Prüfung bestehen oder nicht, wir einen Job bekommen oder nicht, wir eine Krankheit haben oder nicht …
  • Es gibt in unserer Vorstellung zwei Arten von Zufriedenheit:
    1. Die natürliche Zufriedenheit: Sie wird “gefunden”, wenn wir kriegen was wir wollten.
    2. Die künstliche Zufriedenheit: Was wir machen, wenn wir nicht kriegen was wir wollten. Wenn wir uns mit den Umständen in denen wir uns befinden anfreunden und sie akzeptieren.
  • Wir tendieren dazu, die ‘natürliche Zufriedenheit’ zu bevorzugen. Doch ‘künstliche Zufriedenheit’ ist gemäss diesen Studien genau so gut und dauerhaft, wie ‘natürliche Zufriedenheit’. Ausserdem ist sie viel einfacher zu erreichen, da sie ja nicht zuerst irgendwo gefunden werden muss. Das Resultat beider Arten von Zufriedenheit ist nämlich genau dasselbe: Zufriedenheit.
  • Wir wünschen uns Wahlfreiheit. Sie ermöglicht uns, ‘natürliche Zufriedenheit’ zu erlangen. Wir glauben, dass es uns glücklich machen wird, wenn wir das wählen können, was wir am meisten mögen. Beispiele: Wir wollen einen besseren oder höheren Schulabschluss, weil wir dann aus mehr Berufen wählen können. Wir wollen eine grosse Auswahl an Joghurts (und das Geld uns das Gewünschte zu leisten) , weil wir glauben, dass wir dann zufriedener sein werden, als wenn wir in einem Laden einfach nur die eine Sorte Joghurt kaufen können, die es hat.
  • Es zeigt sich allerdings, dass es schwieriger ist, wirkliche Zufriedenheit zu finden, wenn wir stets die Wahl haben und unsere Meinung ändern können. Es ist einfacher, Zufriedenheit in den gegebenen Umständen zu erfahren. Wir werden zufriedener, wenn wir aus einer gegebenen Situation das Beste machen, als wenn wir die Wahlfreiheit haben, die Situation, die wir uns wünschen, zu erlangen.
    Allerdings ist uns das meistens nicht bewusst. 
  • Ja, gewisse Situationen sind erfreulicher (Städtereise nach Paris) als andere (Nierenstein-Operation). ABER: Unsere Vorstellung davon, wie gut das Gewünschte und wie schlimm das Befürchtete sein wird, ist in der Regel übertrieben. Daher sollten wir unser Streben nach dem Erfreulicheren und unsere Angst vor dem Befürchteten mässigen. Denn übermässiges (rücksichtsloses) Streben nach dem Gewünschten oder Vermeiden des Befürchteten (Stichwort “über Leichen gehen”) bereuen wir danach.

Ich behaupte nicht, dass diese Erkenntnisse die letzte Wahrheit sind. Bei Weitem nicht. Aber ich weiss aus eigener Erfahrung, dass mir Einkaufen im Tschad viel mehr Spass macht, als hier in der Schweiz. Und das obwohl die Auswahl hier um ein x‑faches grösser ist. 

Und Leo Tolstoi würde ganz einfach sagen:

Willst du glücklich sein im Leben, dann sei es.

11. Dezember

Ein Hoch auf die Tubu-Mütter

Unser Freund in Libyen hat ein Gedicht über die Tubu-Mütter geschrieben. Er sieht einen grossen Wert in den Frauen, das ist schön und gar nicht mal so selbstverständlich.

10. Dezember

Unschöne Vergänglichkeit und Ohnmacht

Die neu auf dem Markt gekauften Sandalen haben sich nach wenigen Stunden (und unter anderem einem Sturz bei der Töfftaxifahrt durch ein knietiefes Schlammloch) wortwörtlich aufgelöst.

Eigentlich hätte ich es wissen müssen: Die lausigen Schuhe vom Markt muss man immer gleich «verstärken» lassen. Bei der nächsten Gelegenheit finde ich einen ambulanten Schuhputzer und -flicker auf meiner Strasse. Von ihm will ich die Sandalen reparieren lassen, während ich selbst in die Stadt gehe. Wir werden uns einig über den Preis – doch wo soll er die Sandalen deponieren? Ich schlage den Verkäufer vom «TanteEmma-Lädeli meines Vertrauens» vor. Als ich das Ganze dem aus dem «muslimischen Norden» stammenden Verkäufer erklärte, sagte er, dass dieser (offensichtlich aus dem «christlichen Süden» stammende) Flicker nicht gut sei, er besorge einen anderen. Doch ich bestehe darauf, ich hätte diesem schon mein Wort gegeben und den Preis verhandelt. Das muss er als «richtig» akzeptieren, wenn auch missmutig. Andrerseits wagt sich der einfache Schuhputzer nur mit viel gutem Zureden meinerseits überhaupt in den Laden des wohlhabenden Verkäufers. Ich freue mich, dass ich die beiden Ungleichen einander irgendwie auf Augenhöhe vorstellen kann. Doch wie geht es weiter, wenn ich gegangen bin? Die Ohnmacht angesichts dieser täglich gleichzeitig auseinander klaffenden und aufeinanderprallenden Welten, ist kein schönes Gefühl. 
Dankbar hole ich die Sandalen später ab. «Gute Arbeit hat er gemacht», sage ich. Der Verkäufer nickt. Immerhin ein bisschen Anerkennung.