Das Leben in einem zur Hälfte muslimischen Land und einem fast ganz muslimischen Stadtteil funktioniert anders. Alltag und Religion fliessen unzertrennbar ineinander hinein.
Es beginnt mit dem Gebetsruf morgens um 4.30 Uhr, der für viele der Wecker ist. Der Tag beginnt. Die Männer gehen in die nächstgelegene Moschee, welche hier in der Stadt wirklich sehr nahe ist, egal wo man wohnt. Anschliessend trinken die Männer ihren ersten Tee. Währenddessen beten die Frauen meist zu Hause und beginnen dann ihre Hausarbeit mit Innenhof wischen und Frühstück kochen. (Ich wurde gefragt, was es denn im Sand zu wischen gäbe. Aber da der Sand als Abfalleimer und Kompostchübeli dient, gibt es eben doch täglich viel zu wischen…)
Wer eine Arbeit hat, erledigt die bis zum nächsten Gebetsruf, der um 13.30 Uhr durch die batteriemüden Lautsprecher gesungen wird. (Ausser man ist Verkäufer auf dem Markt. Das ist eigentlich ein fulltime Job, aber auch hier gönnt man sich über den Mittag ein Schläfchen und während des Gebets muss irgendjemand auf die Waren aufpassen, er kann dann später beten.) Anschliessend wird gegessen und dann, während der heissesten Stunden ist nicht mehr viel zu wollen bis zum dem nächsten Gebet um 15.30 Uhr, für das die Leute dann wieder aus den etwas kühleren Häusern kommen. Jetzt bleibt Zeit für weitere Einkäufe und Besuche. Wenn man während einer Gebetszeit bei jemandem auf Besuch ist, dann findet diese natürlich trotzdem statt. Männer gehen raus, Frauen breiten einfach ihren Teppich aus und lassen sich durch meine Anwesenheit kein bisschen beirren.
Bei jedem auch noch so kleinen Gespräch – beim Einkaufen auf dem Markt, bei Begegnungen mit Bekannten und Unbekannten auf der Strasse – wird Gott gelobt, sein Wille akzeptiert, einander Segen und Frieden gewünscht. Ins Taxi steigen, die Zündung drehen und was man sonst noch so macht, alles wird mit den Worten „im Namen Gottes“ begonnen.
Die Frauen schauen, dass sie vor dem Sonnenuntergang um ca. 18.20 Uhr wieder zu Hause sind. Denn mit ihm erklingt der nächste Gebetsruf. Einmal mehr versammeln sich alle Männer in Reih und Glied mit dem Blick nach Mekka und beten dem Vorbeter nach.
Abendessen wird gekocht und den Männern, die häufig noch vor den Häusern sitzen, serviert. Um 19.30 Uhr erklingt ein letztes Mal der Gebetsruf und die Leute waschen sich zum fünften Mal an diesem Tag ihre Füsse, Hände bis zu den Ellbogen, das Gesicht, netzen die Haare, spülen die Ohren und den Mund.
Anschliessend gibt es nicht mehr viel zu tun, und wegen oft fehlendem Licht auch keinen Grund mehr um noch lange wach zu bleiben. Tschadische Männer haben sehr mobile Betten und breiten ihre Matte häufig dort aus, wo sie zur Schlafenszeit dann sind. Wenn man spät Abends durch die Strassen geht, trifft man auf einige in Teppich eingerollte schlafende Gestalten.
Die Bezeichnungen der Tageszeiten wie bei uns Morgen, Nachmittag, Abend, usw. sind hier den Gebetszeiten angepasst. Wir passen uns diesem Lebensrhythmus ein bisschen an: Das Mittagsschläfchen bemühen wir uns strikte einzuhalten und um der allgegenwärtigen „Bestäubung“ entgegenzuwirken waschen wir uns auch mehrmals täglich. Aber wie oft sind wir schon zur Haustüre raus, weil wir was kleines zum Essen besorgen wollten oder dringend Handykredit brauchten, und gerade dann kommt wieder ein Gebetsruf. Da kann man nur umdrehen und es in 20 Minuten noch einmal versuchen.



















