Welche Schweizer Frau hat sich nicht auch schon gefragt, wie die Araberinnen und Inderinnen die schönen Hennaverzierungen auf der Haut schwarz hinbekommen? Denn wenn wir uns in den Teenagerjahren Henna kauften, mit viel Geduld und Vorsicht irgendwelche Schnörkeleien aufmalten und stundenlang bewegungslos dasassen, kam es trotzdem nur hellorange raus. Und wie geht das eigentlich mit diesem „Halawa“ mit dem man sich die Haare entfernen kann und das man anscheinend selber herstellen kann? Das wäre ja eigentlich die ökologischere Variante zum Epiliergerät, aber weiss denn jemand, wie das wirklich geht?
Liebe Frauen, hiermit darf ich euch mitteilen, dass ich meine Kenntnisse in diesen Fragen erweitert (noch nicht vervollständigt…) habe und ich dieses Wissen natürlich gerne mit euch teile.
Henna
Damit werden vor allem die Fusssohlen und Zehenspitzen schwarz gefärbt. Verziehrungen gibt es eigentlich nur für Feste. Dafür gibt es zwei Varianten, eine schnelle und eine sehr langsame.
Die schnelle heisst hier „Zipha“ (auf der Packung steht „Tancho Hair Dye“). Eine aus Indonesien stammende Haarfärbung, die hier aber eben auf die Haut aufgetragen wird (die Haare sind ja schon schwarz). Das geht ziemlich einfach, innerhalb einer Stunde ist alles schwarz, was von dieser Farbe berührt wurde. Das bleibt ca. 7 Tage schön, bevor es langsam verblasst. Diese Methode ist sicher und man kann damit auch sehr feine Muster zeichnen, was mit Henna fast nicht möglich ist. Allerdings gibt es immer wieder Leute, die allergisch darauf reagieren, doch zu denen gehöre ich nicht und kann euch deshalb leider nichts genaueres über die Ausschläge sagen.
Die langsame Variante ist echtes Henna. Damit das Henna wirklich schwarz wird, muss man es sicher zweimal während 2-3 Stunden auf die Fusssohlen auftragen (und die Füsse dann in Plastiksäcken schwitzen lassen), wobei man die zu färbenden Stellen zuvor mit einem Öl bestreicht, das hier „Mahalbiya“ genannt wird (auf dem Gläschen steht irgendwas Arabisches). Wenn das Resultat bereits schön dunkelorange ist, kann man nun „Henne Schaadr“ (irgendein salzähnliches, sehr stark riechendes Pulver) auftragen, welches die orangen Stellen nun innerhalb von 45min. schwarz werden lässt. Da jetzt die Zehennägel, die schlussendlich hennarot sein sollten, ebenfalls schwarz sind, nimmt man eine Rasierklinge und schabt die oberste Schicht von den Nägeln ab. Somit sind die Nägel wieder „weiss“ und man trägt noch einmal Henna auf, damit sie schön dunkelorange werden. (Das muss man übrigens auch, wenn man sich die Füsse mit Zipha färbt…)
Wie ihr seht, eine extrem lange Prozedur, die relativ häufig wiederholt werden muss, wenn man die schönen schwarzen Füsse über längere Zeit behalten will. Womit ich die meiste Mühe habe, ist die Tatsache, dass es gerade die Fusssohlen sein müssen! Das schränkt die Bewegungsfreiheit für viele Stunden extrem ein.
Halawa
Auch Haare entfernen ist eine zeitintensive Angelegenheit. Man koche ca. 1 Glas Zucker mit dem Saft von ca. 5 Limetten und ein bisschen Wasser während ca. 30min., bis sich die Farbe in caramel verwandelt, das meiste Wasser verdampft ist und eine zähflüssige klebrige Masse übrigbleibt. Jetzt lasse man das Ganze abkühlen, damit man sich nicht daran verbrennt (abkühlen bei 40° Celsius dauert auch ein ganzes Weilchen). Und dann kann es losgehen. Es funktioniert gut, braucht allerdings einige Durchgänge, bis man alles erwischt. Da viele tschadische Frauen täglich am Feuer kauern um zu kochen, haben sie sowieso nur noch ganz wenige Haare zum entfernen, weshalb das für sie kein Problem darstellt. Ganz im Gegensatz zu mir, einer wohlbehaarten, aus dem kalten Norden stammenden, auf-dem-Gas-Kocherin…

Weitere Erkenntnisse im Bereich „Schönheit“
Am Anfang hat es mich sehr gestört, dass bei den Turbanen und den Laffays (den grossen Stoffen zum Einwickeln für die Frauen) die Enden nicht abgenäht sind. So hat man ständig das Problem mit ausgefransten Fäden, es sieht einfach nicht schön aus. Das scheint hier aber ausser mir niemanden zu stören. Mittlerweile habe ich aber gelernt, dass hier, anders als bei der Henna-Pozedur, die Funktionalität der Schönheit übergeordnet ist. Denn stellt euch mal vor, man braucht ganz plötzlich ein Nastuch, da halt das Baby die Technik mit dem „ein Nasenloch zuhalten und den Schnuder zum andern rausprusten“ noch nicht beherrscht. Da kann man sich locker einen 10cm breiten Streifen von seinem Laffay abreissen und schon hat man mehr als nur ein kleines Nastuch.
Dasselbe macht man auch, wenn man sich irgendwo verletzt und ein Pflaster oder einen Verband braucht.
Es kann aber auch vorkommen, dass man sich auf einer Reise in der Wüste befindet, im Automotor irgendwas wackelt und man dringend einen Faden bräuchte, um dem ganzen Stabilität zu verleihen. Voilà, auch in dieser Situation wäre es wirklich schade, wenn man den sorgfältig dreifach gesäumten Saum extra dafür auftrennen müsste.











