Viel wissen wir noch nicht, aber herausgefunden haben wir, dass sie ziemlich anders ist als unsere Sprache, dieses Tedaga. Auf gut Hochdeutsch müsste man ja davon reden, wie eine Sprache klingt, aber wir erklären euch wie sie tönt, denn es ist eine Tonsprache. Und da gibt es auch einige merkwürdige Formulierungen, die wir uns trotzdem nicht immer merken können. Zum Beispiel: „Gib mir vielleicht Kraft“ (Deutsch: ‚Bitte hilf mir‘.) Und nach einer vollen Woche im Zentrum sagt unser Mitarbeiter am Samstag Abend beim Abschied: „Morgen schlafen wir.“ Auf Deutsch: ‚Morgen haben wir frei‘.
Kombiniert mit der tonabhängigen Bedeutung einzelner Wöerter kann das dann die folgenden Ausmasse annehmen:
„Geh zum Haus dessen Brust grün ist nach der Art des Grases und dessen Mund grün ist nach der Art des Wassers. Geh durch den Mund. Im Bauch des Hauses legeine Trommel/Hund/Wolke/Bett auf das Trommel/Hund/Wolke/Bett und bringmehrere Arbeitskleider/Satteldecken.“
Was hättest du gemacht? Gemeint war jedenfalls: ‚Geh zum Haus mit der grünen Fassade und der blauen Tür. Geh hinein. Im Zimmer leg eine Trommel auf das Bett und bringe die Arbeitskleider.‘
Anderes ist dafür sehr präzise: Es gibt ein Verb dafür etwas vomgrössereninskleinereleeren und ein Verb dafür etwas vomkleinereninsgrössereleeren : „Leerevomkleinereninsgrössere das Wasser/Regen aus dem Krug ins Fass“ (Deutsch: ‚Leere das Wasser aus dem Krug ins Fass‘.)
Und es gibt auch komplett verschiedene Verben dafür ein oder mehrere Dinge zu kaufen, nehmen, hinlegen, tragen. Somit ist das Einkaufen nicht so einfach. Zudem ist das Wort für kaufen und verkaufen das gleiche, so dass man es sicherheitshalber so sagt, wenn man eine Banane will: „Ich handleeine nehmeeine Banane“. Und wenn ich mehr Hunger habe muss ich erst zwei komplett andere Verben hervorkramen um zu sagen: „Ich handlemehrere nehmemehrere Bananen“.
Und mit einer falschen Intonation oder falschen Nuance in der Aussprache kann man die angefangene Warentransaktion unabsichtlich gleich wieder abbrechen: „Banan daaru/daarú/taarú“ . (‚ich will eine Banane‘/‘ich will keine Banane‘/‘ich habe keine Banane‘)
Das Verbalsystem hat noch mehr zu bieten, Konjugieren hat Hochkonjunktur. Ein Verb allein kann einiges an Information enthalten: „ Sônduga-ã ha tobusan togor“ heisst wörtlich „Kiste-die auf setzteichmichals zerbrachsie“, was wir ja mit ‚Als ich mich auf die Kiste setzte, zerbrach sie‘ wiedergeben würden.
Wie immer, und das zur Freude des Ethnologen unter uns, lässt sich aus der Sprache auch einiges über die Kultur erfahren: Familienbeziehungen und Abstammung sind sehr wichtig. Entsprechend wird grossen Wert darauf gelegt, genau zu wissen, wie man mit wem verwandt ist. Wo wir ganz salopp sagen würden „diese zwei Jungs sind meine Cousins“, heisst das auf Tedaga: ‚Das ist derSohnderSchwestermeinerMutter und das ist derSohndesBrudersmeinesVaters‘.
Und zum Schluss noch dies: Feuer, Strom und Hitze sind dasselbe Wort. Was ist denn jetzt die Feuerschnur? Oder der Feuerstein? Ideen bitte als Kommentar schreiben, die Gewinner – wie immer – werden gewinnen J. Was, wissen wir noch nicht, aber bis im März fällt uns sicher noch was ein…






