Tag 4
Der Flughafen von unserer Oase.

ein Leben als Halbnomaden
Tag 3
Tedaga Sprichwort:
Mal schauen, wie sich unsere Reiseberichte unterscheiden werden…
Tag 2
Zitat aus Ryszard Kapuscinski “Afrikanisches Fieber”
“Wenn wir auf diesen Strassen reisen, kommen wir in einigen Abständen immer wieder zu einem Schlagbaum (es kann auch nur ein einfaches Stück Draht oder eine Schnur sein) mit einem Polizei- oder Militärposten. Das Verhalten der Menschen dort informiert uns über die aktuelle Lage im Land, sogar wenn wir weit von der Hauptstadt entfernt sind und kein Radio hören (…). Wenn die Soldaten oder Polizisten, kaum dass wir angehalten haben, zu brüllen beginnen und Schläge austeilen, ohne lange Fragen zu stellen, dann bedeutet das, dass im Land eine Diktatur herrscht oder dass Krieg geführt wird, wenn sie aber auf uns zukommen, lächeln, uns die Hand reichen und höflich sagen: „Ihnen ist sicherlich bekannt, dass wir sehr wenig verdienen“, dann heisst das, dass wir durch ein politisch stabiles, demokratisches Land reisen, in dem freie Wahlen stattfinden und die Menschenrechte geachtet werden.“
Hier sind die Soldaten und Polizisten relativ freundlich.
Liebe Blogleser und Blogleserinnen
In letzter Zeit haben wir den Blog ein bisschen vernachlässigt. Das hat mit einer gewissen Schreibunlustigkeit und gleichzeitig vielen Verbindungsproblemen zu tun. Um diesen Rückstand aufzuholen, versuchen wir uns wieder mit einem Adventsblogender. Mit täglich kurzen Eintägen (an dieser Stelle ein grosses Dankeschön an unsere Webmasterin – jaja, so professionell sind wir schon!) wollen wir euch die Kultur der Tubus und die Art des Lebens hier ein bisschen zeigen. Das ganze wird so wenig weihnächtlich, wie es hier halt ist.
Trotzdem wüschen wir euch viel Lesespass und freuen uns immer über Reaktionen in Form von Kommentaren und natürlich auch über persöliche Mails oder gar Telefonate.
Simanja
Tag 1
Tedaga Sprichwort:
Jawohl. Da wird die Braut auch nicht gross gefragt, sondern eben, es wird einfach geheiratet. Mittlerweile dürfen aber die meisten Bräute im vorneherein mit ihrem zukünftigen Mann via Telefon sprechen. Sie kennen ihn also.
Wenn die männlichen Verwandten des Bräutigams mit der Familie der Braut sich über den Brautpreis einig sind, dann beginnen sozusagen die Hochzeitsvorbereitungen. Ganz handfest: Mit dem Geld besorgt die Brautmutter alles, was ihre Tocher für einen eigenen Haushalt braucht. Währenddessen baut der Bräutigam ein Haus, wenn es geht, nahe bei seinen Schwiegereltern. (So kann die junge Braut von ihrer Mutter lernen, was sie noch wissen muss. Die Mutter wird ihr auch helfen, das erste Kind zur Welt zu bringen. Zwei Jahre muss sich der Bräutigam bewähren, bevor er mit seiner Frau deren Familie verlassen darf. ) Sobald das Haus fertig und der Haushalt besorgt ist, kann die Hochzeit beginnen.
So eine Hochzeit dauert 7 Tage. Wobei das Fest hauptsächlich für die Gäste ist, das Paar selbst hat ziemlich wenig davon. Am ersten Tag ist die nahe Familie des Bräutigams für die Verköstigung der Gäste zuständig. Es kommen daher auch die Leute, die von der Familie des Mannes eingeladen wurden. Am zweiten Tag kommt die Familie der Braut dran. Im aktuellen Fall ist sie aus unserem Dorf und das ganze Dorf trudelt an diesem Tag zum Mittagessen ein.
Das Geköche dafür hat mich schwer beeindruckt. Es scheint nichts organisiert zu sein, aber fast alle Frauen des Dorfes helfen mit und am Schluss liegt ein Festessen auf der riesigen Servierplatten, deren Durchmesser zu gross ist, um duch die Türöffnungen getragen werden zu können. (Gut gibt es noch das Tor für‘s Auto.) Morgens um vier Uhr kommen die jungen Mädchen ins Haus, um Brot zu backen. Sie gehen anschliessend in die Schule. Ein Kamel wird geschlachtet, welches dann in stundenlanger Arbeit zerstückelt und zubereitet wird. Ein riesiger Haufen Fleisch. So eine Kamelkeule kann von zwei Personen nur unter grosser Anstrengung getragen werden und die Kamelleber hat gut und gerne 60cm Durchmesser. Dann trifft eine Frau nach der anderen ein, und jede installiert sich in einer Ecke des Innenhofs und beginnt zu arbeiten. An einem Ort werden sowas wie Omeletten gebacken, an einem anderen werden Teigbällchen frittiet, wieder irgendwo anders wird Tee gekocht, Knoblauch gerüstet, Fleisch zerschnitten und durch den Fleischwolf gedreht, die Sauce gekocht, der Reis gekocht, Kartoffeln frittiert, usw. Es scheinen alle zu wissen, was gemacht werden muss und jede packt mit an. (Ausser die Weisse, die zum ersten Mal bei sowas dabei ist und sich total als Fremde in der Fremde fühlt. Sie steht vor der Wahl entweder nichts zu tun und einfach ein bisschen rumzu sitzen und zu schwatzen oder sich mit einem stupfen Messer und ohne Schneidbrett mit einem unguten Gefühl im Bauch ans Zerstückeln der Leber zu machen, was sie noch nie gemacht hat und wobei sie sich definitiv als sehr ungeschickt outen würde…) Das Gute ist, dass wenn eine Frau eine Feuerstelle braucht um ihren Topf zu wärmen, holt sie sich einfach drei Steine und legt sie dort hin, wo es ihr gerade passt. Feuer anzünden, Topf drauf und schon kann es los gehen. Auch abgewaschen wird dort, wo man gerade etwas abwaschen muss. Der Sand schluckt das Abwasser. Das alles wäre in einer modernen Grossküche gar nicht möglich.
Am Abend dieses Tages wird die Braut, welche bis jetzt noch kein Gast zu Gesicht bekommen hat, in ihr neues zu Hause gebracht. Dies führt nun zur Hochzeitsnacht. Am anderen Morgen früh wird an die Tür geklopft und den Bräutigam gefragt, ob sie noch Jungfrau war. Falls dieser bejaht, wird vor Freude in die Luft geschossen und es erschallen laute „yuyuyuyuyu-Rufe“ der Frauen. An diesem Tag bekommt die Braut (als Belohnung) viel goldenen Schmuck. Auch die Brautmutter geht nicht leer aus. Und es wird natürlich gratuliert. Die Braut darf jetzt aber sieben Tage lang das Haus nicht verlassen, sondern sitzt mit verschleiertem Gesicht in ihrem Zimmer. Sie darf auch noch nicht kochen. Der Bräutigam kann sich zwar draussen sehen lassen, er wird aber nicht zu Fuss, sondern nur mit dem Auto unterwegs sein. Bei uns hiesse das Flitterwoche. Diese sieben Tage sind für die jungen (unverheirateten) Männer und Frauen der Anlass, an den Abenden jeweils mit grossem Gekreische auf den Autos wie wildgeworden im Dorf herumzukurven, im Sand zu schleudern und sich anschliessend zum Tanz zu treffen. Am siebten Tag werden nocheinmal zwei Ziegen geschlachtet für die Gäste, die Braut wird komplett geschmückt und mit Henna bemalt. Von diesem Tag an übernimmt sie ihren Zuständigkeitsbereich, den des Hauses. Sein Zuständigkeitsbreich ist das Beschaffen des Geldes. Sie sind nun verheiratet und wir wünschen ihnen viele Kinder.
Am Mini-Berliner frittieren
Frauen am Leber zerstueckeln
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*** Wenn man von den in einem anderen Artikel bereits erwähnten lauten Eselslauten absieht. Gegen diese ist ein durchschnittliches Gehör jedoch nach zwei Monaten immun.
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****** Der nächste Flugplatz ist nur 7km entfernt. Zugehörigkeit und/oder gute Beziehungen zum Tschadischen Militär unabdingbar.
******* Setzt gute Tedagakenntnisse voraus, sowie Vertrautheit mit den hier gängigen Verhandlungstaktiken.
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* Nahe an: dem Grünen, einem strategisch interessanten Bahnknotenpunkt, per Tandem erreichbaren Einkaufsmöglichkeiten, allen die wir hier vermissen
** Unsere Wünsche: Adresse und Briefkasten, Wasserhähne mit warmem und kaltem Wasser im Haus drin (kein: eau potable = eau portable), Lavabos (damit einem beim Händewaschen nicht die Füsse mit nassem Sand vollgespritzt werden), Parkett-, Linol-, Spannteppich-, Plättli-, Kork-, oder Laminatboden (einfach keinen Sand), Waschmaschine (wir teilen sie auch gerne mit anderen), Steckdosen, Lichtschalter und Lampenfassungen, Telefon- und Internetanschluss, Isolation und Heizung, Scheiben in den Fensteröffnungen, Türschlösser- und fallen, Küchenschränke, mehr als eine Herdplatte, Kühlschrank, Dampfabzug, WC (keingeducktes) mit Schüssel, Brille und Spülkasten, Duschbrause und eine Klingel.
Wir wissen, dass unsere Ansprüche hoch sind, aber wenn es sogar noch eine Abwaschmaschine hätte, wäre wirklich alles perfekt!
Jaja, die Ameisen. Ein fleissiges Volk. Sie durchkämmen Tag und Nacht unser Gehöft. Wenn sie esswas gefunden haben, markieren sie das auf dem Rückweg ins Nest. Und innert kürzester Zeit sieht man ihresgleichen zu Tausenden auf der mit Sekret markierten Strasse rasen um die gefundene Nahrung abzugrasen. Faszinierend. Kein Hindernis ist für sie zu gross: sie bilden sogar Knäuel, um sich gemeinsam über das Wasser treiben zu lassen. Total spannend. Doch die Faszination lässt augenblicklich nach, wenn sie beim Mund ausspülen zwischen den frisch geputzten Zähnen hängen bleiben.
Ein weiteres Hauptlebewesen in der Wüste ist die gemeine Stubenfliege. Anfangs fragten wir uns, wie die Leute hier nur mit zugedecktem Gesicht schlafen können. Mittlerweile können wir es auch, denn wir schlafen nach 5.00 Uhr (erste Flugstunden) jeweils gerne noch ein wenig weiter.
Welches Kind hat nicht schon von Wüstenspringmäusen geträumt. Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir in allen unseren Räumen einige haben. Ohne dass wir sie füttern oder in einem teuren Terrarium eisperren, bleiben sie treu bei uns. Auch ihren Lebensabend verbringen sie gerne bei uns. Und dann fallen sie einfach von der Decke und liegen am Morgen tot am Boden. Oder noch lieber verziehen sie sich in unerreichbare Ritzen, da ihr letzter Wille zu sein scheint, unsere Küche zu verstinken bis sie verfault sind. Die wilden Katzen, die bei uns umherstreunen, haben leider noch nicht herausgefunden, was in diesem Kontext ihre Aufgabe wäre. Klar ist, dass wir unseren Kindern nie die Haltung von Wüstenspringmäusen genehmigen werden. Auch werden wir uns hüten, mit ihnen einst in einem Zoo all zu fasziniert bei den Riesenspinnen und Skorpionen stehen zu bleiben. Die Faszination endet auch hier schnell. Nämlich sobald einen keine Glasscheibe mehr trennt. Dann sucht man nur noch nach einem Stein angemessener Grösse. Und beim Behandeln eines vom Skorpiongift bewusstlosen Patienten erlischt auch noch der letzte Funken Mitleid für diese Tierchen.
Unsere Tierliebe wir auch auf die Probe gestelllt, wenn wir auf die Toilette gehen. Die vielen Kakerlaken in der Kacke-Lache am Grund des Plumpsklos tummeln sich nachts auch zu unseren Füssen, so dass man nicht weiss, ob man die Stirnlampe ausmachen sollte, um sie sich nicht ansehen zu müssen.
Weder grausig noch furchterregend sind hingegen die Todos. Diese schwarzen Käfer ansehnlicher Grösse tauchen überall auf, sobald die Sonne untergegangen ist. Die Tubus vergleichen sie mit Kindern, da sie durch nichts davon abgehalten werden können, munter herumzukrabbeln. Sie sind zahllos, aber nicht zahnlos. Sie gehören zur Gattung der Gartenraubtiere und berauben uns unseres wachsenden Vitaminventars. Wenn dann trotzdem ein Pflänzchen die kritische Phase überstanden hat und sogar Blüten hat, geschieht das Unergründliche: Trozt mehr als genügend Insekten (und noch mehr als genügend Staub) gelingt nur in wenigen Fällen die Bestäubung.
Wir selbst sind zwar nicht InSekten, können uns aber von allen Mitbewohnern, die hier unTermiten, am ehesten mit den Gottesanbeterinnen identifizieren.