Do it yourshelf

Unsere Hauptbeschäftigung in den ersten zwei Wochen war der Bau von Gestellen. Grundsätzlich gibt es hier abgesehen von Matten und Teppichen keine Möbel, denn das Leben findet direkt auf dem Boden statt. Für etwas mehr Komfort gibt es als weitere Einrichtungsgenstände noch Kissen und Matratzen. Doch unterdessen haben wir an diversen Stellen in unserem Haus einen vertikalen Upgrade gemacht: Einen Tisch für die Küche – den haben wir schon 2012 von der Hauptstadt mitgebracht. Und dann geht’s los mit Gestellen. Nummer 1: Ebenfalls vom letzten Mal sind noch fünf Bretter da. Zusammen mit leeren Milchpulverdosen, alten Benzinkanistern und anderem Altmetall lässt sich daraus ein tip top Gestell bauen. Somit durften unsere Kleider aus dem Koffer und ins Regal. Das war das einfachste Gestell.

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Doch das war nicht genug für unsere „Shelfishness“, und so folgte Nummer 2: Inspiriert von einem Fund bei uns im Hinterhof – einem Stapel Tablare (wer ein hochdeutscheres Wort hierfür weiss, darf sich gerne per Kommentar melden). Passenderweise genau so lang wie der Abstand zwischen den Dachbalken in unserer Küche. Mit Schweisstropfen kühlten wir die Handsäge, mit der wir dann Dachlatten zuschnitten, die vom Boden bis zur Decke reichen und an denen nun die Tablare zu einem Gestell befestigt sind. Nach einigen Gängen auf den Markt ist dieses Gestell auch schön voll. Die einzige Sorge sind nun die Mäuse, die wir aber dank Mäusefallen weitgehend dezimiert haben.

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Mittlerweile haben wir auch einen Schatten spendenden Unterstand im Innenhof. Eine bauliche Veränderung, die hierzulande in gut einem halben Tag erledigt ist. Wir waren beeindruckt.

Somit ist unser Haus, das dank Solarstrom sogar Licht hat, ziemlich fertig eingerichtet und ab der zweiten Woche gingen wir öfters ins Zentrum um ein Gefühl dafür zu erhalten, wie es dort so läuft. Dass auf unserem Flug hierher auch ein paar Bücher mitflogen, war Anlass genug, die Bibliothek neu zu organisieren. In den gut drei Jahren, die das Zentrum schon existiert, ist das anfangs eingebaute Büchergestell gerammelt voll geworden. Ganz im Sinn der Entwicklungshilfedebatte war unsere erste Arbeit im Zentrum „shelf sustainable“: Gestell zum Dritten.

Die Baumittel sind beschränkt hier. Es gibt ein Format „Holz“, 4m x 6cm x 6cm Latten und ein Format „Brett“, 2m x 1.5m dünnes Sperrholz. Die Latten sind teilweise unheimlich krumm und der unebene Boden tat das seine dazu, so dass wir beim ersten Hinstellen der Regale dachten, dass der Turm in Pisa gar nicht so schief steht. Dank einigen „Unter(ge)stellungen“ sehen die vier sogar noch weiss angemalten Gestelle jetzt zu unser aller Erstaunen so aus, als ständen sie gerade auf einer Linie.

Alle Bücher sind nun eingeräumt und wir hoffen, dass die „gestellten Shelfies“ durch die Leitung passen.Selfie3

Unsere Sandburg

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Dies ist der Tag des Einzugs. Links ist die Türe zu unseren zwei Zimmern (in denen man auch des Tags eine Taschenlampe braucht) und rechts die Türe zur Küche (wo man auch beinahe eine Taschenlampe braucht) …

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Simi baut unser Bett zusammen. Es ist von der Marke „Banane”, das Modell „Mulde”. Schwierigkeit: Es soll nicht knarren bei jedem Mal Kopfdrehen.

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Unser Badezimmer – dort in der Ecke …

Wasser kommt grundsätzlich etwa alle zwei Tage irgendwann am Abend. Diesen Moment dürfen wir auf keinen Fall verpassen!

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Unser stilles Örtchen.

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Das neue „Aussenzimmer“ – hier verbringen wir 95 Prozent unseres Tages.

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Nach diversen Versuchen mit verschiedenen Unterlagen, schlafen wir mittlerweile ziemlich gut auf zwei flachen Benzinfässern. Warum wir überhaupt ab Boden schlafen? Wegen den Skorpionen …

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Unser Bad beinhaltet mittlerweile einen Spiegel und eine gefundene Kiste, in der wir unsere Necessaires aufbewahren. Ansonsten gehört zur Einrichtung hauptsächlich das Loch, aus welchem das Wasser rausfliessen kann.

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Unsere Küche.

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Und hier unsere getrockneten Vitamine, möglichst unanknabberbar aufbewahrt.

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Unsere Eingangstüre wurde von der Vermieterin von aussen so verschlossen, weil sie genervt war vom Wind, der die Türe immer auf- und zu schlug.

Wie ich – Junia – den Tschad so finde

Ich hatte ja nichts zu melden, als es darum ging, ob wir in den Tschad gehen oder nicht. So finde ich es schön, dass ich immerhin jetzt mal meine Meinung sagen darf.

Also, als wir hier angekommen sind, ist mir zuerst die Hitze und dann der Staub aufgefallen. Da ich eh nicht besonders effizient kriechen kann, beschloss ich gerade am ersten Tag schon, dass ich von nun an aufrecht gehe. Auf dem flachen Zementboden konnte ich es schon ziemlich bald, aber auf dem Sand und diesen unebenen Matten brauch ich schon noch ein bisschen Übung. Jedes Mal wenn ich hinfalle tu ich so, wie wenn ich dort sowieso gerade etwas vom Boden aufheben wollte. Hier im Tschad muss man nämlich alles mit Würde machen.thumb_IMG_1265_1024

Heute hab ich auch herausgefunden, dass dort wo es hell ist, der Sand sehr heiss ist. Ich check nur nicht so ganz, dass diese Regel meistens stimmt, aber irgendwie doch nicht immer. Das muss ich noch ein bisschen rausfinden. Aber im Moment bleibe ich am besten dort, wo der Sand dunkel ist, da ich sowieso immer barfuss bin.

Ich trage nicht nur keine Schuhe, ich muss auch sonst sozusagen nichts anziehen. Das find ich super! Ausser für die Nacht. Da zieht mir Mami sogar ein langärmliges Oberteil an, obwohl es noch voll warm ist, wenn ich ins Bett gehe. Doch mitten in der Nacht bin ich eigentlich froh drum, es wird dann schon ziemlich kühl. Vor allem, da wir einfach so unter dem Sternenhimmel schlafen.

In der Nacht schlafe ich gerne. Aber durch den Tag, da ist es schwierig. Eigentlich wäre ich schon müde, aber irgendwie geht es einfach nicht so gut …

Dafür gehe ich sehr gerne mit Mami vor unser Haus. Da laufen nämlich einfach Schafe und Hühner mit Küken rum. Mega cool! Denen könnte ich stundenlang zusehen. Ich würde so gerne mal eines berühren, aber diese Viecher sind einfach zu schnell für mich. Ich muss unbedingt trainieren, um im Sand besser vorwärts zu kommen!
Cool finde ich auch, dass ich nicht mehr im Kindersitzli sitzen muss zum Essen. Sondern irgendwie sitzen wir alle auf dem Tisch. Und ich kann während dem Essen einfach aufstehen und irgendwo hinlaufen, um schnell was zu erledigen. Also ich finde das super praktisch. Aber irgendwie haben meine Alten etwas dagegen. Naja, manchmal steh ich dummerweise in den Teller rein oder kicke den Becher um. Ich kann halt noch nicht so gut mein Ziel fixieren und gleichzeitig auf den Boden schauen.

Ein bisschen seltsam sehen die Leute hier schon aus. Vor allem die Grossen. Die müssen gar nicht meinen, dass sie mich halten können! Da krall ich mich jedes Mal an meiner Mami fest und wende den Kopf ab. Also ja, irgendwie wundert es mich dann halt schon was die wollen und dann schau ich wieder hervor und lächle sie doch freundlich an. So lassen sie mich schnell in Ruhe. Mit den Kindern muss ich mich am Anfang ein bisschen überwinden, aber dann ist es eigentlich immer sehr cool! Auf jeden Fall viel spannender als einfach mit meinen Eltern rumzuhängen. Wenn mir langweilig ist, dann schnappe ich mir einfach einen Rockzipfel meiner Mutter. Ich glaube sie mag das nicht, weil sie sich dann nicht mehr bewegen kann. Aber das ist ja genau das was ich will. Darum mach ich das halt ziemlich oft. Sie hört sonst nicht auf mein Rufen …

Und duschen muss ich plötzlich jeden Tag! Weiss auch nicht, was das soll. Aber alle meine Widerstände werden einfach übersehen!

Dafür trinke ich jetzt ganz viel Wasser aus dem Becher. Ich mache das wie ein Kamel, sagen meine Zuschauer immer. Leider hab ich noch nie eines gesehen. Aber ich schliesse daraus, dass Kamele wahrscheinlich auch mit den Zähnen am Becherrand beissen während dem Trinken, weil das so schön klingt.

Also ihr seht, es geht mir sehr gut hier. Ich glaube, ich muss hier lernen, mich mit dem zu beschäftigen, was da halt rumliegt. Aber das ist nicht schlimm, denn es liegt allerlei rum, da meine Eltern nicht alles in die Höhe (wüsste nicht worauf) stellen können. Ich freue mich darauf, auch noch mehr Kinder kennenzulernen. Und vor allem freue ich mich auf den Tag, an dem ich es schaffe, so ein Schaf zu packen!JuniaSchaf_geflickt

Um- und Einzug

Nach einem fünfstündigen Flug (mit Zwischenstopp zum wieder Volltanken) in einem munzigkleinen Flugzeug sind wir in der Oase angekommen. Die Hitze hat uns fast erschlagen, wir hatten total vergessen, wie heiss es sein kann. Als wir beim Zwischenstopp schnell aus dem Flugzeug stiegen, wurden wir von einem heissen Wind überrascht, der unaufhörlich blies, wie ein riesiger Haarfön.

Aber nicht nur das Gewöhnen an die Hitze braucht noch etwas Zeit, sondern vor allem das „Sich-Einrichten“, um hier irgendwie leben zu können. Wir haben drei leere, dunkle Zimmer, ein Lochklo und ein Wändli, hinter dem man sich Duschen kann.  Wo fängt man da bloss an?

Genau.

Ziel für den Rest des ersten Tages: Schlafen. Irgendwie und -wo müssen wir diese Nacht schlafen.

  1. Tag: Küche. Wir müssen eine Küche einrichten, damit wir was kochen und essen können (Restaurants und so gibt es hier keine – nur Nachbarn).
  2. Tag: Einkaufen, Waschen, zwei Räume putzen und mal die Koffer auspacken.

 

Soweit sind wir jetzt. In den nächsten Tagen brauchen wir aber dringend noch einen Schattenunterstand bzw. -untersitz und einige Wandbehänge, ausserdem müssen wir den Sand im Innenhof säubern, wieder Erfahrungen mit dem Sonnenofen machen, unser Bad einrichten und noch vieles mehr.

Wir sind noch ein Weilchen auf sehr kreative Art beschäftigt. Kreativ, da es eigentlich keine Möbel und auch fast kein Baumaterial wie zum Beispiel Holz gibt. Allerdings hat es hinter unserem Haus ein Gelände, auf dem viel Abfall, aber auch allerhand Nützliches herumliegt. Mal schauen, was wir da noch so zusammenkriegen.

 

Hoffentlich können wir in ein paar Tagen Bilder schicken.

Inshallah!

Akklimatisiert

Junia mit KindernMorgen geht’s los, wir fliegen mit einer anderen ausländischen Familie und dem einheimischen Direktor des Zentrums in die Oase.

Wie man sieht hat sich Junia gut akklimatisiert, worüber wir sehr froh sind.

 

37 Grad

Nein, 37 Grad ist nicht die Aussentemperatur, die uns in N’Djamena erwartete, sondern wohl noch eine genügend tiefe Körpertemperatur um nicht einer genaueren Untersuchung unterzogen zu werden. Dank dem vor wenigen Stunden gefallenen ausgiebigen Regen ist es um fünf Uhr morgens nur frische 22 Grad.

Nach 200 Metern Fahrt mit dem Flughafenbus wandern wir in das im Bau begriffene Flughafengebäude. Beim Eingang steht ein freundlich dreinblickender Mann mit weissem Kittel und sprayt uns etwas auf die Hände. Mit einem pistolenförmigen Gerät mit blauem Licht zielt er aus etwa 50 cm Entfernung auf unseren Kopf. Von Junia guckt nur ein Bein aus der Traghilfe. Das scheint für die Temperaturmessung auch zu genügen. Grenzsanitarische Untersuchung zum ersten. Nur keine kalten Füsse kriegen!

 

Nächste Station: Einreisekontrolle durch die Grenzpolizei. Nach aufmerksamem Studium meines Passes gibt der Beamte mir diesen zurück. Bis Anja und Junia auch kontrolliert sind, blättere ich mehr aus Langeweile durch den Pass – und finde keinen Einreisestempel. Höflich weise ich den Beamtem darauf hin, der nach erneutem Studium mir Recht und dem Pass seinen Stempel gibt.

Die vier verschiedenen Fingerabdrücke schienen bis wir dran kamen äusserst wichtig zu sein, doch von Anja reichte einer und Junia brauchte überhaupt keinen mehr zu geben. Schliesslich waren wir die letzten in der Reihe.

Grenzsanitarische Untersuchung zum Zweiten: Wieder ein Mann im weissen Kittel verlangt unsere internationalen Impfpässe und allein der Umstand, dass wir alle einen solchen besitzen, lässt das ihn strahlend ausrufen: „Ah bon, une famille bien protégée!“ Die Kontrolle entfällt.

Unsere Freude über die bestens verlaufene Reise wird auch nicht getrübt: Alle unsere zahlreichen Gepäckstücke sind eingetroffen, obwohl wir wir uns beim Umsteigen in Casablanca ganz schön beeilen mussten. Zwei junge Männer beladen emsig zwei Gepäckwägelchen. 1.5m vor dem Ausgang steht noch einmal eine Maschine zum Gepäck durchleuchten. Vier unserer Gepäckstücke werden rausgenommen. Die Kontrolle beginnt. Der erste Koffer wird geöffnet und es erscheinen zwei riesige, vakuumierte Säcke, in denen unsere Schlafsäcke und Kleider möglichst kompakt eingeschrumpft sind. Das scheint auf den ersten Blick unmöglich zu kontrollieren. So wird dieser Koffer, so wie auch die anderen, ohne genauere Inspektion wieder freigegeben.

Draussen werden wir von einem bekannten Gesicht in einer auch nach zweieinhalb Jahren noch bekannten Umgebung empfangen. Alhamdulillah!