24. Dezember

Danke

Danke euch allen, die diesen Blog lesen und sich interessieren – ob wir davon wissen oder nicht (aber es nähme uns schon schaurig wunder).

Danke allen, die Kommentare schreiben, die an unseren Quizlis mitmachen (obwohl wir, und vor allem unser Internet, so schlecht sind im Zurückkommentieren).

Danke allen, die uns mailen, eine Karte, einen Brief oder ein Paket schicken.

Danke allen, die uns anrufen und SMSlen*.

Ihr versüsst unser Leben hier und macht damit, dass wir uns nicht ganz so ab vom Schuss fühlen wie wir in Wahrheit sind 😉

 

Euch allen wünschen wir wunderschöne Weihnachten und macht’s gut im 2016!

Eure drei Tschapdater

 

PS: Wie das so ist mit Adventskalendern und wie Junia morgen erstmals schmerzlich erfahren wird: Heute ist der Tschapventskalender fertig. Es lohnt sich also nicht mehr, jeden Tag schauen zu gehen. Aber man kann Tschapate als E-Mail abonnieren: Einfach auf der Startseite oben rechts E-Mailadresse eingeben und auf „Subscribe“ klicken. Ihr erhält dann eine E-Mail mit einem Link, auf den ihr klicken müsst, um zu bestätigen, dass ihr Tschapdate als E-Mail abonnieren wollt.

Abmelden geht genau so einfach: E-Mailadresse eingeben und auf „Unsubscribe“ klicken.

 

* … oder mit uns wazzäppelten, bis nun mein Ajfon meinen Zeitmaschinentrick durchschaut hat (siehe Tag 4) und nun vorgibt, dass meine Nummer nicht eine tschadische Mobilfunknummer ist. Aberschosicher!

23. Dezember

Spielzeug?

Hier gibt es tonnenweise Spielzeug! Es sieht allerdings ein wenig anders aus als bei uns. Es ist gratis und oft so schnell kaputt wie hergestellt. Aber das macht nichts. Denn in kürzester Zeit hat man sein neues, individuelles und meist sehr kreatives Spielzeug gefunden oder gebastelt.

Hier ein paar Beispiele:

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Autos sind total in Mode. Von einem Stecken mit einem Flaschendeckel dran, bis zu ziemlich echt aussehenden Autos mit Lenkvorrichtung, ist alles möglich. Das wäre wahrscheinlich meine nächste Werkarbeit für eine Mittelstufenklasse 😀

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Auch eine Vorform des Autos.

 

 

 

3_21_12_15thumb_IMG_1770_1024Jasskartenpropeller

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Drachen fliegen, auf der ganzen Welt ein Thema!

 

 

 

 

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Junias Geburtstagsgeschenk – ein bisschen bereuen wir es schon. Wir sind nämlich die ganze Zeit die Deckel unserer Kanister irgendwo am Suchen … 😀

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Und so spielen die Erwachsenen.

22. Dezember

Gast

Ein Gast muss gut behandelt werden. Und damit auch die Umgebung weiss, dass frau gut behandelt worden ist, bekommt frau bei der Verabschiedung eine grosse Flasche Parfüm-Öl in die Hand gedrückt und muss sich GROSSZÜGIG einölen. Geht frau anschliessend auf die Strasse, wird frau von jedermann und -frau gut gerochen.

 

Und hier die Auflösung von gestern:

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Das ist keine Feder. Das ist ein Wattenstäbli!

20. Dezember

Namen

Ein Kind wird eigentlich immer nach jemandem benannt. Das älteste Mädchen wird oft nach der Mutter des Vaters benannt, deren Namen die Mutter aber nicht aussprechen darf. So wird das Mädchen dann von allen „Ammabua“ (Mutter des Vaters) genannt. Oder wenn sie nach der Mutter der Mutter benannt wird, deren Namen ebenfalls nicht ausgesprochen werden darf, ist sie einfach „Mamitu“. Das heisst es gibt ziemlich viele Ammabuas und Mamitus hier. Wenn sie älter werden, ändert sich das aber und sie werden dann irgendwann doch mit ihrem eigentlichen Namen gerufen.

Aber Kinder werden auch nach Geschwistern der Eltern oder sonstigen Verwandten die man mag, benannt. So ergibt es sich, dass einige Namen extrem verbreitet sind. Wenn man den Namen von jemandem nicht weiss, dann gibt es für Männer und Frauen je etwa acht Namen, von denen mit 80-prozentiger Sicherheit einer passt.

Das ist ziemlich anders als bei uns, wo man versucht möglichst einen individuellen Namen zu finden. Die Tubus haben uns viele Vorschläge für einen Tubu-Namen für Junia gemacht. Natürlich haben sie fast immer einen der acht Modenamen vorgeschlagen. Für sie völlig unverständlich haben wir aber immer nach einem „speziellen“ Namen gesucht, nicht nach noch einer Eshe oder Fatime. Schlussendlich hat ein bekannter höherer Beamter ihr ihren Tubu-Namen gegeben: Wuzaiĩ (ausgesprochen: Wosae).

Ein uralter Tubu-Name der „die, die zur Hilfe kommt“ bedeutet.

19. Dezember

Ein paar Gedanken zum Thema Demokratie

Demokratie – ein beliebtes Wort. Vor allem bei Politikern, wenn es um Wiederwahlen geht. So auch bei Idriss Deby, dem Präsidenten des Tschads. Er ist seit 1990 an der Macht. Als ehemaliger Rebellenführer hat er die Macht ergriffen und hat unterdessen schon mindestens fünf Putschversuche überlebt. Wurde aber immer vom Volk demokratisch wiedergewählt.

Ja, wir glauben sogar, dass er wirklich gewählt wurde, so ganz ohne Wahlverfälschung. Ist es denn auch demokratisch, wenn es einfach keine Alternative gibt?

  • Der Tschad ist ein armes Land, in dem die meisten Bürger damit beschäftigt sind, jeden Tag sich und ihre Familie zu ernähren. Wer kümmert sich da schon gross um Politik?
  • Wer baut eine Oppositionspartei auf? Woher hat eine Oppositionspartei Geld um Wahlkampf zu betreiben? Mit welchen Mitteln könnte sie in diesem riesigen Land die breite Bevölkerung erreichen?
    Und wie die Nomaden?
  • Würde der Präsident eine Opposition dulden, die ihm tatsächlich gefährlich werden könnte?
  • Welche regierungsunabhängigen Informationen hat die Bevölkerung, wenn es nur den staatlichen Fernseh- und Radiosender gibt? Zeitungen gibt es keine erwähnenswerten und wenn schon, wie viele könnten die den lesen?
  • Welche Frau im Tschad könnte etwas anderes wählen als ihr Mann? Welcher Mann hier könnte etwas anderes wählen als sein Vater? Welcher Vater hier könnte etwas anderes wählen als sein Dorfchef?

Nächstes Jahr steht die Wiederwahl des Präsidenten an. Diesmal dürfen nur Leute wählen, die eine „biometrische Wahlkarte“ besitzen. Somit soll Wahlbetrug vermieden werden.  Das bedeutet, dass in den nächsten Monaten Teams von der Regierung überall im Land mit einem Computer und einer Kamera unterwegs sind, um „biometrische Wahlkarten“ zu drucken.

Man muss mit einer ID, einem (gekauften) Führerschein, einer (nachträglich hergestellten) Geburtsurkunde oder einem Heiratsschein bei einem dieser Männer anstehen, um seine Wählerkarte zu bekommen.

Das ganze klingt sehr seriös – zu seriös für ein Land, in dessen Hauptstadt Strom und Wasser noch immer keine Selbstverständlichkeit sind. Kürzlich zeigte uns dann auch unsere wohl etwa 60 jährige Nachbarin (das ist hier URalt) ihre soeben ausgestellte Geburtsurkunde, mit der sie nun unter den Palmen im Ortskern eine biometrische Wählerkarte machen lassen gehe. Wenn wir nicht schon leise Zweifel an dem ganzen Prozess gehabt hätten, dann wären diese in dem Moment aufgekommen, als wir dem Dokument entnahmen, dass ihr Vater (!) soeben ihre Geburt den Behörden gemeldet hatte. Ein Bekannter beklagte sich kürzlich, er arbeite aushilfsmässig als Sekretär beim Bürgermeisteramt und habe extrem viel zu tun. Er stellt nämlich Geburtsurkunden aus.

Weitere Bedenken kamen bei uns auf, als der hier zuständige Vertreter der Wahlkommission einen Tschader beschwichtigte, das sei doch nicht schlimm, wenn auf der Wahlkarte aus Versehen die falsche Herkunftsprovinz erfasst worden sei.

Aber: Deutschland sponsert das Papier für die Wählerkarten! Wer die ganzen Computer und Kameras bezahlte, wissen wir nicht. Aber wir nehmen nicht an, dass es die tschadische Staatskasse war.

Eigentlich hat uns da der Sultanswechsel besser gefallen, wo die anerkannten Vertreter der Clans sich zur Debatte versammelt, (wirklich ganz ohne Hilfe der EU) ihren Wahlprozess reformiert und einen neuen Durdo gewählt haben.

 

Übrigens: Wir sind sehr wohl für eine breit legitimierte Regierung.

Aber warum müssen heutzutage alle Länder eine nach westlichem Vorbild demokratisch gewählte Regierung haben?

Denn wozu Präsidentschaftswahlen ohne eine Kultur, in der sich jeder seine eigene Meinung bilden will. Und wie soll ein Meinungsbildungsprozess stattfinden bei einer Alphabetisierungsrate von ca. 47 % (wobei das der Durchschnitt vom relativ gut gebildeten Süden und extrem schlecht gebildeten Norden ist), ohne unabhängige oder wenigstens verschiedene Medien, ohne öffentliche Diskussion?

Demokratie nach dem westlichen Modell ist wohl eine Staatsform, die gar nicht für alle sinnvoll umsetzbar ist. Aber wenn Länder wie der Tschad so tun als ob, bekommen sie viel Geld, das man jedoch deutlich sinnvoller einsetzen könnte, als für die chicen Wahlkarten.