Seit über einem halben Jahr übt die Geigenklasse von Rahel Zellweger der Musikschule Arbon für dieses Konzert. Das sind 20 Kinder bis Erwachsene, die mit Leidenschaft Geige üben und ihre Musik nicht nur für sich selbst machen wollen. Alle von ihnen haben selber ein kleines Projekt lanciert, um Geld für das Projekt “Schulbildung in der Muttersprache – Förderung von indigenen Sprachen in der Sahara” zu sammeln. Und der Höhepunkt kommt nächsten Sonntag: Dieses Konzert, wo sie zusammen mit einer Band von Profimusikern auftreten und für dich und für dieses Projekt spielen und ihr Bestes geben.
Das Projekt, für das sie sammeln, ist nichts anderes als “unser” Projekt! Wir sind nämlich dran, in einigen Schulen muttersprachlichen Unterricht einzuführen. Warum wir das absolut grossartig finden, erzählen wir euch an diesem Konzert!
PS: Kommt doch auch – alle Beteiligten sind hochmotiviert – ein Ohren- und Augenschmaus sind garantiert
PPS: KAFI OASE – Kommt bereits um 16h – es gibt tschadisches Gebäck und Tee, viele Attraktionen für gross und klein und hoffentlich gutes Wetter und noch bessere Stimmung
Es waren nicht unzählige Journalisten da wie in einem anderen Jahr, facebook-Livestream gab es auch nicht und der Saal war nicht bis zum Bersten voll wie letztes Jahr. Dafür war die diesjährige “Grande cérémonie” solide. Simon auf dem Podium war zwar wie immer am Schwitzen und Schwimmen, denn sogar auf dem Plan dauerte das vielseitige und dichte Programm zwei Stunden. Würden sich die Würdenträger (Generäle, Minister und Parlamentarier) bei der Stange halten lassen? Doch einige Dutzend “Rotkäppchen” und andere Souvenirs aus der Schweiz gaben der Cérémonie eine besondere Note und die spontane Ansprache des Vertreters des Kanembu-Sultan machte klar: Auch die dritte Sprachgruppe ist jetzt voll und ganz dabei beim “Concours toubou”. Der Schreibkurs-Event ist zu einer Ethnien-übergreifenden Sprachförderungs-Bewegung geworden.
Wartesaal droht zu platzen
Über 20 Tubu und Kanembu-“Promis” waren eingetroffen und wurden im “VIP-Wartesaal” bei Tee und Erdnüssen bei Laune gehalten, bis der höchste Ehrengast eintraf. Der musste eben mindestens die erste Halbzeit des Fussballspiels Tibesti gegen Bahr-al-Ghazal (zwei tschadische Regionen, in beiden werden die Sprachen des Concours gesprochen!) beehren. Als er eintraf, marschierten die edlen Damen und Herren in den Saal und nahmen in den vordersten Reihen Platz. Nach der feierlichen Einführungsrede durch ein Komitee-Mitglied, untermalt von Impressionen aus den 5 Wochen Programm am Beamer, übernahm der dynamische, einheimische Moderator. Er war offensichtlich im Element.
Ehrengäste in der vordersten Reihe
Eine knappe Stunde vor Beginn hatte der Direktor des DEZA noch gefragt, wie viele Gewinner es denn gäbe. Offenbar hat er aufgrund meiner Auskunft sein Souvenir-Lager geplündert. Er übergab mir Taschenmesser, Regenschirme, Seifen, Wasserflaschen, und etwa 50 rote Mützen mit Schweizerkreuz. Diese verliehen der Feier eine besondere Couleur, denn kurz nach Anfang erhielten die diesjährigen “Jungautoren” nicht nur ein Exemplar des Buches sondern auch so eine Mütze. Der Ehrengast, der diese übergab (er selbst auch Buchautor) setzte sie allen gleich auf – ungeachtet ihres Turbans oder Kopftuchs.
Auch wenn diese Bilder etwas amüsant anmuten, wir sind sehr stolz auf unsere Jungautoren. In nur 4 Wochen haben sie je einen oder mehrere Texte in ihrer Sprache geschrieben und “abtöggelet”, die nun in einem Buch publiziert sind. Zum ersten Mal sind nun auch Texte in Kanembu dabei. Nach 3 Jahren gründlicher Erprobung im Concours – und der intensiven Arbeit eines pensionierten Linguisten zwischen den alljährlichen Concours – hat das Kanembu-Alphabet nun eine leser- und schreiberfreundliche Form.
Zurück zur “Grande Cérémonie”. Warum wir sie als “solide” bezeichnen hat eben damit zu tun, dass die Kanembu-Sprache etabliert dabei ist. Letztes Jahr gab es ein Büchlein in Kanembu, dieses Jahr sind es fünf Büchlein. Und sie gingen weg wie warme Semmeln auf dem Büchertisch nach der Cérémonie. Auch die Kanembu-Teilnehmer, deren Verhalten letztes Jahr noch Verhalten war, betraten dieses Jahr die Bühne erhobenen Hauptes. Die Krönung war dann aber die spontane Ansprache des Vertreters des Kanembu-Sultans. Eigentlich hätte er nur den ersten Preis übergeben sollen. Doch er verlangte das Mikrofon und sagte in seiner Muttersprache: “Ich ermutige euch, dieses Alphabet weiter zu entwicklen. Möge Gott euch beistehen!”
Rechts: Sultans-Vetreter der Kanembu Links: Sieger der Kanembuklasse mit Diplom – und edlem Schweizer Sackmesser
Nach der Preisverleihung wurden alle Sieger-Aufsätze von dem jeweiligen Klassenlehrer vorgelesen. Der Höhepunkt derer Feier war dann die Verlosung von 4 Enzyklopädien (Larousse Illustré). Zuerst unter den einzelnen Klassen und dann unter allen Teilnehmern.
Ziehung durch unparteiisches Mädchen… …symbolträchtige Vereinung……die Spannung steigt… Übergabe an den stolzen Sieger durch den DEZA-Direktor
Ende gut, alles gut. Fehlt nur noch das traditionelle “photo de famille” mit allen Teilnehmern. Félicitations!
Die Stärke von der NGO Cup of Color ist es, Leute in einen kreativen Prozess hineinzunehmen und sie dabei strahlen zu lassen. Deshalb sind wir wahnsinnig dankbar, dass Cup of Color dieses Jahr wieder mit uns im Tschad war und sie unter anderem das neue Kulturzentrum gemeinsam mit den Tubus gestaltet haben. Wir hatten mehrere Nachmittage, wo richtige “Mal-Feste” im Kulturzentrum stattgefunden haben. Die Menschen haben auf der Wand Dinge aufgemalt oder geschrieben, die sie an ihrer Kultur lieben. Durch diese gemeinsame Gestaltung sind sie “Teil des Kulturzentrum geworden”.
Impressionen von diesem Prozess seht ihm im folgenden Kurzvideo und der Galerie unten. Alle Fotos sowie der Kurzvideo sind von Cup of Color.
Ein langer Wunsch von unseren Concours Komitee-Mitgliedern ist es, ein Kulturzentrum in der Hauptstadt zu eröffnen. Damit die Aktivitäten nicht nur während zwei Monaten vollgas laufen, sondern dass auch unter dem Jahr Kurse und Veranstaltungen stattfinden können. Ein weiteres Bedürfnis war es, einen Verkaufspunkt für die wachsende Literatur zu haben. Diesem Zentrumswunsch konnten wir dieses Jahr nachkommen und haben angefangen, ein “normales” tschadisches Wohnhaus in ein Kulturzentrum umzubauen. Beim Umbau haben Freunde aus der Schweiz, aus Amerika, aus Deutschland und natürlich auch aus dem Tschad mitgewirkt. Es ist noch nicht alles ganz fertig, aber dass das eine tolle Sache wird, darüber sind sich alle einig! Hier ein kleines Video zu einem Teil der Arbeiten, gemacht von Cup of Color:
Leider war unser Blog nicht tschap to date, während unserer Zeit in N’Djamena. Hat damit zu tun, dass wir diesmal zwei Projekte auf einmal vorhatten. Rückblickend lief Gott sei Dank alles wie am Schnürchen, aber oft hat es nicht danach ausgesehen.
Nun sind wir wieder in der Schweiz und als erstes digitales Lebenszeichen auf diesem Kanal posten wir mal das Video von der “Grande Cérémonie” des einen Projekts: Der 5. Schreibwettbewerb in N’Djamena.
Es ist bald so weit: Wir fliegen 4. Januar ab. Und eine ganze Karawane macht sich auf den Weg: Mit dabei ist wieder – olé olé – Familie Lam von Cup of Color. Und ein pensionierter Zimmermann kommt mit, um beim Umbau des geplanten Kulturzentrums zu helfen.
Den Werbe-Video für den Concours toubou haben wir bereits vorausgeschickt. Sieht so aus:
…und am diesjährigen Kulturfestival DARY in N’Djaména hat das Komitee das Concours-Toubou-Banner bei den Ständen aller Regionen aufhängen dürfen, in denen Tudaga, Dazaga oder Kanembu gesprochen wird. Wir freuen uns auf hoffentlich viele Teilnehmer aus diesen Regionen.
Büchertisch für alle Sprachen beim Stand der Region TIBESTI
Weihnachten. Heilig Abend. Das «Chrischtchindli» in der Krippe. Jöh.
Weil unsere Kinder es auch nicht so lustig fänden, wenn wir sie an jedem Geburtstag wie Neugeborene behandeln würden, hier anlässlich von Jesus Wiegen- bzw. Krippenfest ein paar Zitate aus seiner bekanntesten Rede.
Apropos Geburtstag: Jesus beginnt seine Rede mit Gratulationen. Er gratuliert zur Glückseligkeit. Ein wenig geläufiges Wort, aber es bezeichnet das, was uns im Grunde jede Reklame verkaufen will. Allerdings gibt es Glückseligkeit nach Jesus nicht mit Sonderrabatt am Black Friday und auch sonst “glitzert” es nicht besonders.
Gratulation! Glückselig zu nennen sind diejenigen, die Leid tragen. Gratulation an die Friedfertigen und Friedenstiftenden. Glückselig zu nennen sind diejenigen, die sich über das Leid erbarmen und aktiv werden. Gratulation an alle, die sich ohne Gewalt, aber getrieben von Hunger und Durst nach Gerechtigkeit einsetzen. Glückselig zu nennen sind diejenigen, die Verfolgung erleiden, weil sie für Gerechtigkeit einstehen.
Gratulation an alle, die als Bedürftige vor Gott kommen.
Denn sie werden getröstet werden, sie werden Erbarmen erfahren, ihr Verlangen nach Gerechtigkeit wird gestillt werden. Und man wird sie “Gottes Kinder” nennen.
Nach Matthäus Kapitel 5
Was Jesus hier als Glückseligkeit beschreibt, klingt nicht nach Lametta und üppigem Genuss. Es ist eine völlig andere Art, Glückseligkeit zu finden als das, was ein Discounter mit dem Satz “Luxus für alle” bewirbt. Es ist ein Weg zur Glückseligkeit, der allen offen steht. Gratis, aber nicht billig. Ein Weg, der sehr viel Hoffnung in sich trägt. Der paradox klingt, rätselhaft. Ein Geheimnis, das man wahrscheinlich nicht verstehen kann, sondern erfahren muss.
Frohe Weihnachten!
Ein Lied, das diese “Gratulationen” verarbeitet, hat uns in diesem Jahr begleitet. Common Hymnals: «The Kingdom is yours»
(Deutsche Übersetzung unten)
VERSE 1 Blessed are the ones who do not bury All the broken pieces of their heart Blessed are the tears of all the weary Pouring like a sky of falling stars
VERSE 2 Blessed are the wounded ones in mourning Brave enough to show the Lord their scars Blessed are the hurts that are not hidden Open to the healing touch of God
CHORUS The kingdom is yours, the kingdom is yours Hold on a little more, this is not the end Hope is in the Lord, keep your eyes on him
VERSE 3 Blessed are the ones who walk in kindness Even in the face of great abuse Blessed are the deeds that go unnoticed Serving with unguarded gratitude
VERSE 4 Blessed are the ones who fight for justice Longing for the coming day of peace Blessed is the soul that thirsts for righteousness Welcoming the last, the lost, the least
VERSE 5 Blessed are the ones who suffer violence And still have strength to love their enemies Blessed is the faith of those who persevere Though they fall, they’ll never know defeat
DEUTSCH:
Strophe 1 Gesegnet sind diejenigen, die nicht begraben All die zerbrochenen Stücke ihres Herzens Gesegnet sind die Tränen aller Müden Die fliessen wie ein Himmel aus fallenden Sternen
Strophe 2 Gesegnet sind die Verwundeten in ihrer Trauer Mutig genug, um Gott ihre Narben zu zeigen Gesegnet sind die Verletzungen, die nicht verborgen sind Offen für die heilende Berührung Gottes
Refrain Das Königreich gehört dir, das Königreich gehört dir Halte noch ein wenig durch, dies ist nicht das Ende. Die Hoffnung liegt im Herrn, richte deinen Blick auf ihn
Strophe 3 Gesegnet sind diejenigen, die in Güte wandeln Auch angesichts von grossen Missständen Gesegnet sind die Taten, die unbemerkt bleiben, Das Dienen in ungeschützter Dankbarkeit
Strophe 4 Gesegnet sind diejenigen, die für Gerechtigkeit kämpfen Sehnsucht nach dem kommenden Tag des Friedens Gesegnet ist die Seele, die nach Gerechtigkeit dürstet, Die die Letzten, die Verlorenen, die Geringsten willkommen heisst
Strophe 5 Gesegnet sind diejenigen, die Gewalt erleiden Und immer noch die Kraft haben, ihre Feinde zu lieben Gesegnet ist der Glaube derer, die ausharren Obwohl sie fallen, werden sie niemals eine Niederlage erfahren