Reise ins Tibesti-Gebirge – quantitative und qualitative Analyse

Quantitative Analyse

Dauer total in Tagen: 27

Davon im/auf dem Fahrzeug: 12/27

Davon Zwischenhalte: 5/27

Davon Aufenthalt in Bardaï: 10/27

Distanz Hinweg: ca. 2000km

Distanz Rückweg: ca. 1700km

Höchster Punkt: ca. 2500 m.ü.M. (beim phantastischen „trou de natron“ links)

Anzahl Plattfüsse: 6

Anzahl Motorpannen: 1 kaputte Kupplung (kurz vor N’Djamena), ein paar müde Zündkerzen

Dieselverbrauch: gross (wir waren stets mit zwei 200l-Fässern unterwegs)

Anzahl warme Mahlzeiten während der Tage unterwegs: ca. 15

Anzahl warme Mahlzeiten während des Aufenthaltes in Bardaï: 28

Zusammensetzung bei 90% aller warmen Mahlzeiten: Nudeln/Reis, Öl, Salz, Tomatenpüree, Zwiebeln, Fleisch/Thon/Sardinen.

Anzahl Tiere, die dafür ihren Hals hinhalten mussten: 4 Ziegen, 1 Schafsbock, 1 Gazelle.

Deren Kosten für uns: 0.- (Das Zitat zu dieser tierisch grossen Gastfreundschaft: „il faut supporter la gentillesse“)

Restliche 10% der warmen Mahlzeiten: Im ehemaligen Benzinfass gebackenes Fladenbrot mit Konfitüre, Reissalat mit frischen(!) Tomaten, Milchreis, Milchnudeln, Boule mit Fleischsauce.

Andere Nährstoffe: Datteln in jeder Form (auch als Dattelsüssigkeitsextrakt im Tee), Erdnüsse, ½ Apfel (Herkunft: Südtirol!), 4 Orangen, 1 Banane.

Anzahl Tage ohne Kleiderwechsel: durchschnittlich 3

Waschwasser pro Reisetag: < 0,5l

Anzahl angetroffene Fliegen: 1’374’243

Anzahl getroffene Fliegen: 27

Anzahl japanische Touristen in Bardaï: 12

 

Qualitative Analyse

Tschapdate (Td): Was habt ihm beim ersten Anblick der zwei Fahrzeuge gedacht, die euch und acht weitere Leute nach Bardaï bringen sollten?

Simon: Tim & Struppi im Kongo.

Td: Wie war der Reise-Rhythmus?

Anja: Der Chauffeur bestimmt, wann ich auf die Toilette muss, wann ich Hunger habe und auch wann ich Lust habe, einfach mal schnell meine Beine zu vertreten (und Tschader scheinen irgendwie weder Hunger noch den Drang auf die Toilette zu müssen zu verspüren).

Simon: Hinten auf dem Gepäck bestimmte die Sitzunterlage und deren schüttelrüttelbedingte Verschiebung die Dauer bis zum nächsten Lagerungswechsel. Für die Bekleidung war „Schichtbetrieb“ angesagt: morgens und abends Handschuhe und Regenhosen gegen den kühlen bis frostigen Fahrtwind, tagsüber möglichst überall nur eine dünne Schicht oder Sonnencrème – so ist der Winter in der Sahara.

Td: Simon, du als lic. phil. Linguist und Ethnologe, wie sieht die ethno-linguistische Zusammensetzung der Bevölkerung im Tibesti aus?

Simon: Nun gut. Das Tibestigebirge ist das Kern-Territorium der „Teda“. Von Aussen werden sie „Toubous“ (‚Leute der Berge’) genannt. Sie leben nicht nur im Tschad, sondern auch in den angrenzenden Gebieten in Libyen und im Niger. Weithin unbekannt und unterschätzt, spielen sie wohl in der Sahara eine gleichwichtige Rolle wie die Tuareg. Ihre Sprache, „Tedaga“, ist eine (Nilo?-)Saharanische Sprache, deren zahlreiche Besonderheiten das Herz eines jeden Linguisten höher schlagen und die Schweissporen eines jeden Sprachlernenden schneller arbeiten lassen.

Td: Wie war das Reisen in der Wüste für dich als Frau, Anja?

Anja: Ganztägiges Kopftuch-Tragen, getrenntes Essen, teilweise getrenntes Schlafen, immer mit Abstand hinter den Männern spazieren (auch wenn man besser weiss, wo der Weg durchgeht!) – eigentlich einfach möglichst unsichtbar sein. Und überall wo ich mich „ladies first“ gewohnt bin, ist das Gegenteil angebracht. Am Anfang war es schwierig zu akzeptieren, aber nachdem ich mich entschieden hatte, mich nicht innerlich die ganze Zeit dagegen zu sträuben, war es nicht mehr schlimm.

Td: Ihr konntet auf dieser Reise auch der Inthronisation des „Derdé“, des Sultans der Toubous, beiwohnen. Wie war das?

Simon: Die Inthronisation selbst war zuerst geprägt von stundenlangem Warten und dann einer Zeremonie, von der wir wegen der zahllosen (Hobby-)Fotografen und der diese wegtreibenden Ordnungskräften nicht viel mitkriegten.  Richtig cool war aber, am Morgen darauf beim Besuch mit unserem Team den Sultan persönlich zu beglückwünschen und mit ihm und seiner Entourage einen Tee zu trinken.

Anja: Die Inthronisation habe ich wie Simon erlebt und den persönlichen Besuch durfte ich vom Auto aus beobachten J.

Td: Und wie sieht das nun mit dem Projekt für das Zentrum aus?

Simon: Es bleibt spannend.

Anja: Total spannend.

Td: Was möchtet ihr sonst noch sagen?

Simon: Was unterscheidet ein Pferd von einem Kamel? Das erste ist ein Sattelschlepper, das zweite ein Dattelschlepper.

Anja: ça y est.



Eine Antwort auf „Reise ins Tibesti-Gebirge – quantitative und qualitative Analyse“

  1. Manoman, schon sehr eindrücklich euren Bericht zu lesen und die Fotos zu bestaunen. Das Wüstenklima scheint euch aber gut zu tun, wie man auf den Fotos sehen kann:-)) Wir drücken euch fest

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