Schon seit vielen Jahren bin ich auf der Suche nach einem ABC-Lied für die Kinder. Fürs Lehrmittel konnte ich mich immerhin für ein Gedicht entscheiden, mithilfe dessen die Kinder sich besser an die Buchstaben erinnern können sollen.
Als ich dieses Jahr in der Ausbildung das Gedicht anschauen wollte, sagte mir eine Lehrerin, dass sie das immer mit den Kindern singe. Wow, was für eine Überraschung! Meine Suche hat völlig überraschend ein richtig tolles Ende gefunden!
Wir arbeiten seit über 10 Jahren mit diesen Sprachen. Seit 6 Jahren auch in der Hauptstadt, das dritte Jahr in einer öffentlichen Schule. Wir können tatsächlich beobachten, wie sich die Einstellung gegenüber der eigenen Sprache kontinuierlich verändert. Lange war es nur bei einzelnen Personen, aber es werden mehr und mehr und es geschieht ein Paradigmenwechsel. Menschen schauen die Welt mit neuen Augen an: Wir können mit unserer Sprache alles machen, was man bisher glaubte nur auf französisch oder arabisch machen zu können.
Wir haben auch sehr gute Resultate von den Schülerinnen und Schülern der Dazaga-Schulen. Das ist alles erfreulich. Jedoch ist mir diesen Herbst bei der Abschlussfeier der 3. Lehrerausbildung neu aufgefallen, wie die Frauen mittlerweile stolz sind, Lehrerin in dazaga sein zu dürfen. Sie wollen dabei sein. Sie tragen Gedichte oder Geschichten mit Selbstbewusstsein auch vor einer grossen Menge Männern vor.
Sie fühlen sich wohl, “wie Kamele im Sand”, wenn sie über ein Thema in ihrer Sprache diskutieren können. Und sie sehen, wie sie den Kinder ihrer Oase wirklich etwas beibringen und weitergeben können.
Die Männer, mit denen wir gemeinsam die Lehrmittel entwickeln oder das ganze Projekt planen, schienen sich zuvor anstrengen zu müssen, die anderen zu überzeugen. Doch unterdessen stehen sie “siegessicher” vor das Publikum. Ja, sie können von sehr guten schulischen Resultaten berichten. Doch wir glauben es ist mehr. Es sind sie selbst, die mit und in ihrer Sprache eine Veränderung bewirken. Und das spornt sie an, sich noch mehr dafür einzusetzen. Das moderne Wort dafür wäre wahrscheinlich EMPOWERMENT.
Wie sich das bei den Kindern auswirkt, könnt ihr am 22. Dezember lesen.
Überraschend einfach ist es geworden, das Tudaga- oder das Dazaga-Alphabet zu lernen. Endlich konnten wir eine Leselern-App machen! Mit diesem Anliegen haben wir uns bereits seit 10 Jahren an verschiedene Organisationen und Leute gewendet. Allerdings ist nie was daraus geworden, bis jetzt kürzlich eine neue “App-Vorlage” von SIL rausgekommen ist. Innert kurzer Zeit nahmen wir Buchstaben, Silben und Wörter auf, sandten diese an SIL ein und erhielten die fertigen Apps.
Doch dann kam völlig überraschend Gegenwind von zwei engen Tubu-Freunden aus Libyen. Sie kritisierten auf merkwürdige Weise den pädagogischen Ansatz der App und baten uns, die App wieder zu löschen. Wir waren ratlos und verärgert. Es brauchte einige Tage und Telefonate um schlussendlich rauszufinden, was das eigentliche Problem war: Die Farben gelb und blau im App-Logo. Diese beiden Farben erinnern an einen bereits lange andauernden Streit über eine mögliche Tubu-Flagge. Kurz, es wurde uns unterstellt, dass wir mit der Farbwahl dieses Logos uns für die eine Flagge positionieren.
Aber da drauf konnten wir reagieren. Denn das Logo ist vorgegeben, unveränderbar und für alle Sprachen der Welt dasselbe.
Nachdem wir also den Kern des Problems entdeckt hatten und darauf reagieren konnten, hat sich die App überraschend schnell verbreitet – auch in Libyen. Wer traut sich die Apps runterzuladen und ein paar Wörter Tedaga oder Dazaga zu lernen? Überrascht uns mit eurem neuen Können!
Download direkt auf den Homepages der beiden Sprachen – allerdings nur für Android:
Im Frühling haben wir als Zentrum die Anfrage erhalten, in Tudaga, Dazaga und Kanembu je 600 (!) Minuten Sprachaufnahmen zu machen und dann zu transkribieren. Eine Technologie-Firma will für hunderte Lokalsprachen Spracherkennung programmieren. Wow – das ist eine willkommene Förderung dieser Sprachen. Aber es war eine Mammutaufgabe. Jeden Tag war ein Dutzend Leute da, jedes Tablet und jeder vorhandene Computer waren in Betrieb. Insgesamt mussten über 2400 kleine Dateien auf knapp 20 verschiedenen Geräten erstellt, überprüft und richtig abgespeichert werden.
Genaues Hinhören beim TranskribierenVollbetriebLetzte Revisionen – heute ist Abgabetermin
Ganz stillschweigend beobachteten wir dabei eine weitere Entwicklung: Das Kanembu-Team ist jetzt auch dabei in der Teepause, wo jeden Morgen in heiterer Stimmung zusammen geplaudert, diskutiert oder UNO gespielt wird. Bis vor ein paar Monaten nahmen sie zwar Tee an, blieben aber an ihrem Tisch und arbeiteten weiter. Heute gehören sie richtig dazu. Ein feiner Duft von Versöhnung, Gräben überwinden – eine gute neue Ausgangslage für die weitere Zusammenarbeit! Und ein Mitglied der Kanembu-Teams sagte kürzlich zu Anja: “Weisst du, warum ich jeden Tag hierherkomme und so viel rede? Weil ich hier so viel lernen kann!”
Für Erwachsene scheint es sehr schwierig, eine tiefe Freundschaft über die grossen kulturellen Unterschiede hinweg zu entwickeln. Schön zu sehen ist, dass es bei den Kindern überraschend gut funktioniert! Mit den Kindern unserer nächsten Nachbarn, der Familie des Wächters, sind sie dicke Freunde geworden.
Was darf’s sein? Verchoiferlis mal etwas anders. Blattstilbändeli knüpfenTschadtauglich: Instant-Kunstschnee, lauwarm 😅 Geburtstagsfest bei unsGeburtstagsfest bei NachbarsBacken macht Freu(n)de
Ziemlich kurzfristig bekamen wir im Zentrum für eine Woche einen “Praktikanten”. Frisch aus Europa, leitete er einen kleinen PowerPoint-Workshop in unserem Zentrum für unsere Mitarbeitender und andere Interessierte.
Am Ende der Woche präsentierten alle ihre Präsentationen, die überraschend gut daherkamen!
Einer der jungen Teilnehmer sprach über die Traditionen in seiner Kultur. Er sprach übers Essen, Tierhaltung, Tänze und auch übers Thema “Heiraten”. Seine Ausführung dazu war ungefähr folgendermassen: “Bei uns gibt es zwei Arten, wie du heiraten kannst. Entweder du wirst vermittelt und bezahlst den Brautpreis oder du entführst die Frau einfach.” Könnt ihr euch den überraschten Blick unseres Praktikanten vorstellen?