Seit gut neun Monaten leben wir nun auf dieser Oase im Tschad. Mittlerweile ist es normal geworden, mitten in der Sahara zu wohnen. Doch vieles wird bald nicht mehr normal sein, denn in drei Wochen kommen wir wieder für eine Weile in die Schweiz.
Bald ist es nicht mehr normal, dass wir morgens schauen, ob es heute auch oder nach mehreren Tagen endlich wieder Handynetz hat. Es wird auch nicht mehr normal sein, dass wir fürs Frühstück ein schattiges Eck im Innenhof suchen und morgens mit der Sonnenbrille und abends mit der Stirnlampe die Zähne putzen. Bald ist es nicht mehr normal, dass wir immer nur eine Hand aufs Mal waschen können, da die andere das Wasserkrüglein hält.
Bald ist es weder normal, dass wir immer mit kaltem Wasser (Zimmertemperatur, alias
30 bis 40 Grad) abwaschen und nur alle zwei Tage für ein paar Stunden Wasser aus dem Hahn kommt, noch, dass wir von Hand die Wäsche waschen und sie nicht nach 40, 60 und 90 Grad sortieren, sondern einfach mehr oder weniger intensiv mit Handseife bearbeiten. Bald ist es nicht mehr normal, dass eine Horde Kakerlaken das Weite sucht, wenn wir den „Deckel“ unseres WC-Lochs (auch als Dampfkochtopf bezeichnet) heben. Auch darf unsere Tochter bald nicht mehr in den Innenhof kacken und pinkeln, weil der Sand wie Katzenstreu wirkt. Wir werden uns abgewöhnen müssen, den Inhalt des Schüfelis einfach über die Mauer zu werfen, dafür freut sich unser grünes Herz, wenn wir unseren Abfall nicht mehr im Garten verbrennen und dann die Asche, Dosen und Flaschen im Wadi vergraben müssen.
Bald ist es nicht mehr normal, dass wir bevor wir das Haus verlassen uns mit 4 m Stoff einwickeln (Turban auf den Kopf oder „Laffaye“ um den Körper) und vier Vorhängeschlösser brauchen, um Zimmer und Innenhof zu schliessen. Es wird auch eine Umstellung sein, wenn nicht mehr jeder auf der Strasse unserer Tochter mit Namen nachruft. Es wird nicht mehr normal sein, dass eine Begrüssung gefühlte 5 Minuten dauert und man trotz allen Fragen nach sämtlichen potentiellen Neuigkeiten und nach allen Verwandten nichts erfährt. Wir werden es nicht vermissen, täglich erklären zu müssen, dass nicht alles Geld in der Schweiz gedruckt wird, aber wahrscheinlich auch ihr Präsident bei uns ein Konto hat. Dafür werden sich die Leute wieder verabschieden am Telefon oder bevor sie für mehrere Monate verreisen.
Bald ist es nicht mehr normal, dass wir täglich auf den Markt gehen um zu sehen, ob neue Gemüse oder Früchte gekommen sind, dass der Reis nie anbrennt, weil wir ihn im Sonnenofen kochen und dass wir statt Butter Öl und statt Rahm einen Haufen Milchpulver verwenden. Wir werden schnell Nescafé nicht mehr den besten Kaffee finden, aber vielleicht auch in der Schweiz mal zum Essen auf einer Matte sitzen und gemeinsam aus einem Tablett löffeln.
Bald ist es nicht mehr normal, dass wir uns nur zu Fuss bewegen, meistens getrennt unterwegs sind und nie als Familie zu Besuch gehen. Es wird kaum mehr vorkommen, dass wir als Besucher zwar gut bedient, aber dann einfach allein gelassen werden, weil der Gastgeber gerade noch etwas erledigen muss. Bald ist es nicht mehr normal, dass Simon an alle Hochzeitsessen des Wohnorts geht, doch dafür muss Anja nicht mehr bei allen den ganzen Vormittag kochen helfen. Es wird auch nicht mehr normal sein, dass es bei jedem Anlass für die Frauen einen separaten Ort braucht, weil sie in Anwesenheit von Männern nicht mal eine Cola trinken dürfen und dass die meisten Männer während Wochen bis Jahren irgendwo unterwegs sind, um Gold zu suchen oder Handel zu treiben.
Bald ist es nicht mehr normal, dass wir uns nicht abzutrocknen brauchen nach dem Duschen und Wäsche in einer Stunde trocken ist. Wir werden auch in der Schweiz noch eine Weile nachts keinen Schritt ohne Lampe machen wegen Skorpionen und uns freuen, dass Generatorenlärm nicht mehr unser Gutnachtlied ist. Es wird nicht mehr normal sein, dass das Zirpen der Grillen im Haus manchmal lauter ist als draussen und unsere Tochter allen Geckos im Haus „Gute Nacht“ sagt, bevor sie schlafen geht. Und wir werden es vermissen, jeden Abend zu Hause zu sein, eine leere Agenda zu haben und unter einem sagenhaften Sternenhimmel einzuschlafen.

So fescht wie mer eu ‘dete’ vermisse wird, so fescht freut mer sich ‘da’ uf eu. Do wo isch jetzt wo? Wo isch dihei? Willkomme dihei! 😉
Ist einfach wieder der Hammer, immer wieder bin ich am “gügsle” ob wohl eine neue Nachricht gekommen ist. Wir freuen uns auf all die anstehenden Veränderungen, die auch mit uns etwas zu tun haben.
Bis bald! MaRa