Guguus

Hallo, ich bin’s, Junia a.k.a. Wuzaĩ. Mit einem dieser Namen wird mir hier nachgerufen, wenn Papa oder Mama mich durch die Oase tragen. Papa schauten die einen anfangs zwar komisch an, wenn er mit mir unterwegs ist. Doch wenn ich winke, weichen die kritischen Blicke oder die Frage „wo ist denn ihre Mutter?“ mindestens einem Lächeln. Die meisten können es sich nicht verkneifen, zurückwinken. Wo Mama ist? Denks im Zentrum und das ist es auch, was mich motiviert, die letzten Schritte bis zum Zentrum noch selbst zu gehen (Eigentlich könnte ich schon den ganzen Weg gehen, aber meistens habe ich keine Lust und geniesse die Aussicht. Mal sehn, wie lange die Eltern mich noch ertragen.) Die Leute im Zentrum kenne ich langsam, die sind ganz nett. Aber das coolste ist, dass es dort unendlich viele Bücher gibt, die mir Papa oder Mama erzählen, wenn ich sie ihnen bringe. Ganz gerne habe ich Bücher über Tiere.

2.2_8.Feb_16thumb_P2012180_1024Viel lieber aber sehe ich die Tiere live. Die Schafe meines Tubugrosis sind nur zwei Türschwellen und eine Minute geradeaus stolpern von zu Hause entfernt. Wenn’s mir zuhause zu bunt oder zu eintönig oder zu sonstwas wird, ist ausser Schafwandeln nichts mehr von mir zu „Wollen“. Die Schafe kennen mich mittlerweile. Nicht zuletzt, weil ich ihnen oft den Rüstrest und so bringe. Sonst gibt’s für sie zähe Palmwedel, Trester von der Hirsebierproduktion im Quartier nebenan oder Datteln. Und Schafe können ja Zellulose verwerten, gell, weiss jedes Kind, oder sicher jedes Coop-Kind. Aber auf die Idee, ihnen deshalb Karton zum Fressen zu geben, wäre ich nicht gekommen. Kürzlich habe ich doch tatsächlich das Tubugrosi auf dem Markt Kartonkisten sammeln sehen.

2_3.2._16Schafe fressen Karton
 Schaf isst Karton

Jeden Morgen darf ich also mit Mama oder Papa raus zu den Schafen, wo auch das Tubugrosi sitzt und sich in der Sonne aufwärmt. Sie hat mir auch das schöne Auto gebaut, mit dem ich den Schafen das Futter bringen konnte – bis es vor kurzem ebenfalls gegessen wurde. Dazu treffe ich da auch die Nachbarskinder und wir spielen mit allerlei Kostbarkeiten, die nette Leute grosszügig auf dem Boden verteilt haben.

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 Junia mit Schaffütterungsauto

Von den Schafen habe ich ein wichtiges Wort gelernt: wenn ich noch nicht genug gegessen habe, sage ich einfach „mäh“. Ich freue mich nämlich unbändig über jede Mahlzeit und kann es jeweils kaum erwarten bis es losgeht. Und in den ersten Wochen hier habe ich auch gemerkt, dass es nicht darauf ankommt, ob ich ausesse: Es ist eigentlich immer schönes Wetter. Und dazu kommt, dass ich sowieso meistens ausesse und dann noch alles aufpicke was so um mich herum liegt. Keine Ahnung, wer das jeweils verstreut. Wenn dann wirklich alles vertilgt ist, gebe ich den Löffel noch lange nicht ab, denn er wird dann direkt zum „Sändeligschirr“.

Ansonsten halte ich meine Eltern busy mit Gaggi, denn nicht alle Exkremente landen im sicheren Hafen um dort einen Pipicacasee zu bilden. Einige enden auch im Kacker-Laken (während die Eltern im Klo auf die Kakerlaken kacken). Wir amüsieren uns aber auch mit Spielen.

Ganz gern habe ich zum Beispiel „Dadaismus und anderä Gugus“. Während ich bei diesem Spiel das Phänomen der Objektpermanenz entdeckt habe, beginnen meine Eltern daran zu zweifeln, weil sie ihre Sachen nicht mehr dort finden, wo sie sie hingelegt haben. Merkwürdig.

Andere Spiele die ich gerne mache sind „hin und her rennen und auf die Kissen in der Stube gumpen“, Tanzen, Basilikum pflücken und kauen (das einzige Gewächs, was ich im Garten behelligen darf), Tschutten, Ausflüge machen und herumklettern, Abfallsammelnundwiederverwerterlis, Trockenübung für den Schneeengel (nach dem Baden frisch eingesalbt mich im Sand wälzen), Deckel Aufschrauberlis und so heiter weiter.

3_3.2._16junia am klettern Klettern

Ein weiteres Hobby von mir ist auf den Markt zu gehen. Was man da nicht alles für Süssigkeiten erhält! Ich habe den Verdacht, dass meine Eltern mir die einfach vorenthalten würden, wenn sie mir die netten Händlerinnen nicht direkt in die Hände gäben. Deshalb halte ich sie auch mit aller Kraft fest oder mache mir so lange am Papierli zu schaffen, bis mein Goifer irgendwo durchdringt und ein süsser Saft zurückfliesst. Und wenn Mama zu Besuch geht, gibt es mittlerweile ein paar Häuser wo ich die Kinder kenne und mich freue, sie zu sehen.

Kurz: Es gefällt mir richtig gut hier!

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Meine Freundin

Ja, und jetzt nimmt es mich halt wunder, was meine Altersgenossen in der Schweiz und anderswo treiben. Schreibt mir doch einen Kommentar, damit ich weiss was bei euch läuft! Oder noch besser: schreibt mir einen Brief, denn wie ihr seht freut mich nichts so sehr wie Post.

Tschühüüss!
Junia

2 Antworten auf „Guguus“

  1. Hallo Junia

    Es freut mich zu hören, dass es dir so gut geht.
    Bei mir ist gerade alles drunter und drüber. Ich beginne langsam zu laufen, aber so ganz ohne Sicherheit traue ich mich noch nicht.
    Dafür wissen meine Oma und mein Grossvater am Abend, warum sie müde sind?. Ich wohne nämlich zurzeit bei ihnen, da meine Mama im Spital ist, weil meine Schwester Malea zur Welt gekommen ist. Ich konnte sie leider noch nicht besuchen, da sie auf der Neonatologie ist.
    Aber bei meinen Grosseltern auf dem Bauernhof habe ich viel Spass. Ich liebe die Kühe und das Traktorfahren.?
    Mein Papa kommt mich auch jeden Tag besuchen, das ist immer eine grosse Freude.

    Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und viel Freude beim Entdecken. Gott segne dich und deine Familie.
    Liebe Grüsse
    Luana Scherrer

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