Abschiedsessen, Abschiedsgeschenk, Abschiedsfest…Abschied wird gross zelebriert. Zumindest in unserer Kultur. Man zählt die Tage bis zur Abreise, macht noch ein letztes Treffen ab, bevor man sich nicht mehr sieht, zelebriert in jedem Rahmen das letzte gemeinsame Essen, sogar die drittletzte Kaffee-Pause im Büro etc.
Ganz anders hier bei den Tubus: Abschied findet so gut wie nicht statt. Um diesen zu zelebrieren gibt meist auch keine Zeit. Denn die Abreise kommt in der Regel plötzlich. Der oder die Abreisende weiss in der Regel selbst auch nicht lange im Voraus wann das sein wird, und abgesehen vom allernächsten Umfeld (Eltern, Ehepartner, allenfalls Geschwister) erfährt “man” erst davon, wenn sich der Staub des abgefahrenen Pick-ups längst wieder gelegt hat.
Die Absicht, zu reisen kann plötzlich entstehen (wegen eines Todesfalls eines Verwandten in einer anderen Ortschaft oder wenn jemand wegen Unfall oder Krankheit nach Libyen in ein Spital muss.) Oder ein Junge muss innert Stunden bereit sein, weil sein Verwandter irgendwo hinfährt und einen Helfer braucht. Auch wenn jemand seit Tagen oder gar Wochen plant irgendwo hinzugehen, kommt doch das «wann» der Abreise abrupt, sobald sich eine Mitfahrgelegenheit ergibt. Und dann muss man sofort bereit sein. So gehört dann auch zu dieser Kultur, dass man mit sehr wenigen Gegenständen auskommt. Für eine Reise, auch wenn man für Monate verreist, braucht es nur einen Teppich, in den man seine Decke und vielleicht ein paar Kleider einrollt und dann so zusammenschnürt, dass nicht zu viel Staub eindringt. Damit man dann in der Wüste das ganze ausrollen und übernachten kann.
Genau das Gegenteil ist bei der Ankunft. Weil dann hat man ja auch die Zeit dafür. Wenn also jemand nach einer längeren Zeit wieder auf der Oase ankommt, dann bleibt er erst mal ein paar Tage zuhause um die zu empfangen, die ihn grüssen kommen. Man bringt den Neuankömmlingen Geschenke (z.B. einen Karton Coca Cola…das er dann seinen Gästen anbieten kann). Geht der Neuankömmling dann auf den Markt wird er allerseits freundlich begrüsst. Und wer ihn noch nicht Zuhause begrüsst hat entschuldigt sich “Hey, seit wann bis du da? Niemand hat mir gesagt, dass du da bist!”
Für uns war es schwierig, im Oktober 2018 innert weniger als 24 Stunden ohne jeglichen Abschied von der Oase evakuiert zu werden. Dafür ist es schön, wie wir hier nun wieder begrüsst wurden und immer noch werden!
