“Der Kampf gegen Vielfalt ist ein Kampf gegen Gott, der diese Vielfalt geschaffen hat.”
Allahuza Wordugu
Dieser Satz stammt aus dem Manuskript einer Kurzgeschichte, die ein Tubu am Schreiben ist unter diesem Pseudonym. Seine Schilderungen aus den libyschen Bürgerkriegen sind dramatisch, schrecklich, traumatisierend. Die Wohngebiete der Tubu-Minderheit wurden phasenweise systematisch bombardiert und Sniper lauerten über ihren Quartieren. “Im Namen Gottes” wurden Tubu-Muslime von Arabischen Muslimen getötet.
Er zitiert hier seinen Bruder, der für gleiche Rechte für die Tubu in Libyen kämpfte und dabei ums Leben kam. Er selbst beschreibt, wie er als Kind wegen seines Tubu-Namen ausgelacht wurde. Ein Name, der nicht einmal offiziell registriert worden war: Mit sechs Jahren musste er feststellen, dass in seiner Geburtsurkunde ein arabischer Namen steht. Denn in Ghaddafis Libyen waren nur islamische – das heisst arabische – Namen in offiziellen Dokumenten erlaubt. Auf Papier durfte ganz allgemein keine andere Sprache verwendet werden.
Offiziell ist das Gesetz Nr. 24 aus 2001, das dies verlangte, nicht mehr gültig. Doch als kürzlich ein anderer Freund die Geburt seines Sohnes – auch mit Tubu-Namen – registrieren wollte, wurde er von Amt zu Amt geschick(anier)t. Erst als ihm ein höherer Beamte ein Schreiben ausstellte, das bestätigte, dass der Name nicht gegen die Religion verstösst, wurde die Registrierung vorgenommen. Sein Sohn heisst “Allači”. Bedeutung: Von Gott geliebt.
