“Rendez-vous um 10:32 heisst nicht dass dann jemand da ist. Auch nicht, dass das Treffen am Bahnhof ist.”
Erfahrungswert 😉
Tubu-Treffen Teil 1 von 1
Der Kontext ist international, bzw. multikulturell: Anfangs 2020 habe ich einen Tubu aus Libyen in der tschadischen Hauptstadt kennengelernt. Wir schreiben uns ab und zu per WhatsApp und Messenger. Immer mal wieder bin ich überrascht, wo er gerade ist. Anfang Herbst 2020 erfahre ich nämlich, dass er seit Februar in Frankreich ist. Und ein Jahr später schrieb er mir – aus der Schweiz. Er habe jetzt sein Studium fertig und sei seit wenigen Tagen für ein Praktikum in der Romandie. «Trifft sich sehr gut», schreibe ich, «dieses Wochenende komme ich in die Region für ein anderes Treffen.» Und so verabreden wir uns am Freitagabend für jenen Samstag, 10 Uhr 32 am Bahnhof. Jedenfalls ich meinerseits hatte mich mit ihm so verabredet. Als ich ankam war keine Spur von ihm. Auf WhatsApp ist er nicht online. Schliesslich erreiche ich ihn auf seiner französischen Nummer. «Ah, du bist schon da? … Am Bahnhof? … Ja, ich bin erst seit 10 Tagen hier, mit dem Auto gekommen und sonst mit dem Velo unterwegs, keine Ahnung wo der Bahnhof ist. … Kennst du den Marktplatz dieser Stadt?»
Wenige Minuten später habe ich mit SBB-App und Bus den Platz erreicht. Und frage mich, wie er schon wieder ausgesehen hat, als ich ihn das letzte Mal sah… Im Tschad wäre es schwieriger gewesen, aber in dieser Stadt ist es tatsächlich der Erste, bei dem ich denke, das könnte ein Tubu sein. Gleich geht’s in seine WG, es gibt Tee und wir unterhalten uns auf Tedaga, Englisch und Französisch. Als ich ihm dann sage, dass ich danach an ein «Tschad-Heimweh-Treffen» (für Schweizer die mal dort waren) gehe, sagte er prompt, er komme doch auch mit. Äh ja, wieso nicht. Und so kommt es, dass ich mit einem Tubu zusammen beim Schweizer-Treffen eintrudle. Ein paar Tschader sind auch da und haben sogar traditionelle Hirse-Boule und Sauce gekocht. Schöne Begegnungen allerseits, die gegen jede Art von Heimweh helfen!
“Nomaden sind auch in Europa Nomaden. Die spontane Aufbruchsbereitschaft ist beeindruckend.”
Erfahrungswert 😉
