Es wird geheiratet

Jawohl. Da wird die Braut auch nicht gross gefragt, sondern eben, es wird einfach geheiratet. Mittlerweile dürfen aber die meisten Bräute im vorneherein mit ihrem zukünftigen Mann via Telefon sprechen. Sie kennen ihn also.

Wenn die männlichen Verwandten des Bräutigams mit der Familie der Braut sich über den Brautpreis einig sind, dann beginnen sozusagen die Hochzeitsvorbereitungen. Ganz handfest: Mit dem Geld besorgt die Brautmutter alles, was ihre Tocher für einen eigenen Haushalt braucht. Währenddessen baut der Bräutigam ein Haus, wenn es geht, nahe bei seinen Schwiegereltern. (So kann die junge Braut von ihrer Mutter lernen, was sie noch wissen muss. Die Mutter wird ihr auch helfen, das erste Kind zur Welt zu bringen. Zwei Jahre muss sich der Bräutigam bewähren, bevor er mit seiner Frau deren Familie verlassen darf. ) Sobald das Haus fertig und der Haushalt besorgt ist, kann die Hochzeit beginnen.

So eine Hochzeit dauert 7 Tage. Wobei das Fest hauptsächlich für die Gäste ist, das Paar selbst hat ziemlich wenig davon. Am ersten Tag ist die nahe Familie des Bräutigams für die Verköstigung der Gäste zuständig. Es kommen daher auch die Leute, die von der Familie des Mannes eingeladen wurden. Am zweiten Tag kommt die Familie der Braut dran. Im aktuellen Fall ist sie aus unserem Dorf und das ganze Dorf trudelt an diesem Tag zum Mittagessen ein.

Das Geköche dafür hat mich schwer beeindruckt. Es scheint nichts organisiert zu sein, aber fast alle Frauen des Dorfes helfen mit und am Schluss liegt ein Festessen auf der riesigen Servierplatten, deren Durchmesser zu gross ist, um duch die Türöffnungen getragen werden zu können. (Gut gibt es noch das Tor für‘s Auto.) Morgens um vier Uhr kommen die jungen Mädchen ins Haus, um Brot zu backen. Sie gehen anschliessend in die Schule. Ein Kamel wird geschlachtet, welches dann in stundenlanger Arbeit zerstückelt und zubereitet wird. Ein riesiger Haufen Fleisch. So eine Kamelkeule kann von zwei Personen nur unter grosser Anstrengung getragen werden und die Kamelleber hat gut und gerne 60cm Durchmesser. Dann trifft eine Frau nach der anderen ein, und jede installiert sich in einer Ecke des Innenhofs und beginnt zu arbeiten. An einem Ort werden sowas wie Omeletten gebacken, an einem anderen werden Teigbällchen frittiet, wieder irgendwo anders wird Tee gekocht, Knoblauch gerüstet, Fleisch zerschnitten und durch den Fleischwolf gedreht, die Sauce gekocht, der Reis gekocht, Kartoffeln frittiert, usw. Es scheinen alle zu wissen, was gemacht werden muss und jede packt mit an. (Ausser die Weisse, die zum ersten Mal bei sowas dabei ist und sich total als Fremde in der Fremde fühlt. Sie steht vor der Wahl entweder nichts zu tun und einfach ein bisschen rumzu sitzen und zu schwatzen oder sich mit einem stupfen Messer und ohne Schneidbrett mit einem unguten Gefühl im Bauch ans Zerstückeln der Leber zu machen, was sie noch nie gemacht hat und wobei sie sich definitiv als sehr ungeschickt outen würde…) Das Gute ist, dass wenn eine Frau eine Feuerstelle braucht um ihren Topf zu wärmen, holt sie sich einfach drei Steine und legt sie dort hin, wo es ihr gerade passt. Feuer anzünden, Topf drauf und schon kann es los gehen. Auch abgewaschen wird dort, wo man gerade etwas abwaschen muss. Der Sand schluckt das Abwasser. Das alles wäre in einer modernen Grossküche gar nicht möglich.

Am Abend dieses Tages wird die Braut, welche bis jetzt noch kein Gast zu Gesicht bekommen hat, in ihr neues zu Hause gebracht. Dies führt nun zur Hochzeitsnacht. Am anderen Morgen früh wird an die Tür geklopft und den Bräutigam gefragt, ob sie noch Jungfrau war. Falls dieser bejaht, wird vor Freude in die Luft geschossen und es erschallen laute „yuyuyuyuyu-Rufe“ der Frauen. An diesem Tag bekommt die Braut (als Belohnung) viel goldenen Schmuck. Auch die Brautmutter geht nicht leer aus. Und es wird natürlich gratuliert. Die Braut darf jetzt aber sieben Tage lang das Haus nicht verlassen, sondern sitzt mit verschleiertem Gesicht in ihrem Zimmer. Sie darf auch noch nicht kochen. Der Bräutigam kann sich zwar draussen sehen lassen, er wird aber nicht zu Fuss, sondern nur mit dem Auto unterwegs sein. Bei uns hiesse das Flitterwoche. Diese sieben Tage sind für die jungen (unverheirateten) Männer und Frauen der Anlass, an den Abenden jeweils mit grossem Gekreische auf den Autos wie wildgeworden im Dorf herumzukurven, im Sand zu schleudern und sich anschliessend zum Tanz zu treffen. Am siebten Tag werden nocheinmal zwei Ziegen geschlachtet für die Gäste, die Braut wird komplett geschmückt und mit Henna bemalt. Von diesem Tag an übernimmt sie ihren Zuständigkeitsbereich, den des Hauses. Sein Zuständigkeitsbreich ist das Beschaffen des Geldes. Sie sind nun verheiratet und wir wünschen ihnen viele Kinder.

Am Mini-Berliner frittieren

Frauen am Leber zerstueckeln

3 Antworten auf „Es wird geheiratet“

  1. eifach wundervoll, die Beschriibig vom “Geköche” im grossen Hof,
    i jedem Egge e Füürstell!
    Und e wiissi Frau zmitts drin, wo meint das sei es Chaos
    und trotzdem chunnt es wunderfeins Fäschtässe zstand!
    Das weckt i mir Erinnerige………..
    gueti Erinnerige, wehmüetegi Erinnerige… Danke Eu und vill Muet witterhin!!!
    En liebe Gruess vo de Helene

Antworte auf den Kommentar von Benj - the Central Asian Antwort abbrechen

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