Unsere kleine Farm
Die Leute unter euch, die uns besser kennen, werden folgende Zeilen kaum glauben können. Wir selbst können es manchmal kaum fassen.
Wir haben eine Katze!
Wollen tun wir sie eigentlich nicht, aber haben tun wir sie definitiv. Sie heisst Hubi, (mit englischem Akzent ausgesprochen) und ist ca. 4 Wochen alt. Ihre Mutter hat sie verlassen, dummerweise in unserem Innenhof. Da lag der kleine Fratz am 1. Dezember 2011, schreiend und sich verwirrt im Kreise drehend. Was sollten wir bloss tun? Unsere anfängliche Hoffnung, dass die Mutter ihn uns nur kurz ausgeliehen hat, löste sich nach der ersten durchmiauten Nacht in Luft auf. Na gut. Ein bisschen Milch könnten wir ihm ja hinstellen. Leider kann er auf diese Art noch nicht trinken und den Plastiksack mit Löchlein in der Ecke findet er widerlich. Was machen wir bloss? Langsam nervt das herzzerreissende Gemiaue wirklich.
Unser Nachbar schlägt vor, es zu töten. Wir wollen ihm noch eine letzte Chance geben, wir kennen nämlich jemanden der eine Katze mit Jungen hat. Vielleicht adoptiert sie es ja? So nehmen wir das schreiende Kätzchen in einem Kartönchen mit und machen uns auf den Weg, auf dem wir nach viermaligem Erklären der Situation und angepinkelt werden im Taxi, das Kätzchen seiner Steifmutter ausliefern. Nach einer zweistündigen Versuchsphase bittet uns dann aber die Katzenbesitzerin, das Kleine wieder mitzunehmen, gibt uns aber noch eine Spritze mit, mit der wir weitere Fütterversuche unternehmen können. Langsam aber sicher erschöpft, verhielt sich das Kätzchen glücklicherweise ruhig auf dem Nachhauseweg.
Zu Hause angekommen, machten wir uns an die undankbare Aufgabe, ein Kätzchen zum Trinken zu zwingen…
Ob man so ein Kätzchen wirklich durchfüttern will, muss man sich doch gut überlegen. Wir beide wollten nie eine Katze besitzen, und wenn überhaupt, dann sicher einer Schöne (und das ist unser Hubi leider nicht besonders J). Aber wenn wir ihn füttern, dann wird er wahrscheinlich bei uns bleiben. Müssen wir dann Katzenfutter kaufen? In einem Land, in dem Kinder an Unterernährung sterben? Wir, die wir aus einem Land stammen, in dem Kinder abgetrieben werden? Wer bringt ihm denn das Jagen bei? Müssen wir auch in der Nacht aufstehen, um ihn zu füttern? Aber können wir ihn denn einfach sterben lassen? Oder sind wir hier mit dem Auftrag konfrontiert, die Schöpfung zu pflegen und zu erhalten? Und wenn schon nicht durchfüttern, dann nicht einfach verhungern lassen, da müsste ihn schon jemand töten. Wer ist denn der „jemand“? Und was machen wir denn mit einer toten Katze? Also das ist beinahe so kompliziert wie Fragen zum Thema Familienplanung!
Als er dann am Samstagmorgen immer noch lebte, sogar ein bisschen was trank und soweit zu Kräften gekommen zu sein schien, dass er sich in Simons blaue FlipFlops verliebte, ist die Entscheidung irgendwie von selbst gefallen.
So haben sich Simi und ich dank Hubi wieder mit der Tierwelt angefreundet und als mir meine Mutter am Telefon sagte: „Also wennd en scho füätterisch, mueschem au s’Büüchli massiärä. Das ghört däzue!“, führte ich den Auftrag ohne Widerrede aus.
Heute (5.12.11) morgen sah Simi Hubis Mutter ihn wegtragen und wir atmeten auf. Sie hat ihn nun doch als säugenswürdiges Kind anerkannt. Doch gegen Abend lag der unbeholfene Knäuel wieder in unserem Innenhof. All die Hoffnung für d’Chatz. So haben wir definitiv beschlossen, ihn zu adoptieren.
Ach ja. Der Titel heisst ja „Unsere kleine Farm“. Es wäre ja keine Farm, mit einem einzigen kleinen Kätzchen. Wir haben auch eine Kröte.
Heute, am 8. Dezember 11 mussten wir den kleinen Fratz leider einschläfern. Wir haben es nicht geschafft, ihm am Leben zu erhalten. Mich hat das einige Tränen gekostet, obwohl ich ihn ja eigentlich nicht wollte, habe ich ihn doch lieb gewonnen. Und es stimmt, er war ein schönes Kätzchen.
