5. Dezember

Härdöpflgratää

Hier eine kleine Anekdote zum Thema Missverständnis, Kommunikation oder Erwartungen. So geschehen am 28. November 2011 in N’Djaména.

Schweizerisch, wie ich halt immer noch bin, nahm ich heute morgen früh das Rezeptbuch zum Solarofen zur Hand und suchte ein Rezept heraus, das uns unsere Haushaltshilfe kochen könnte. Sie kommt drei Mal in der Woche, nimmt uns Arbeit ab und bekocht unsere WG. Heute war es zum ersten Mal meine Aufgabe, ihre Arbeit zu definieren und mit ihr zu besprechen. Da wollte ich doch schon mal gut vorbereitet sein.

Als ich sah, dass es ein Kartoffelgratinrezept für den Solarofen gibt, waren Simi und ich uns einig, was wir gerne als Mittagessen hätten. Einem Kartoffelgratin sind wir nämlich hier im Tschad noch nie begegnet.

Als sie kam, zeigte ich ihr das Rezept, wir schrieben die Einkaufsliste und sie machte die Besorgungen auf dem Markt. Als sie zurück war, machte sie sich ans Rüsten und ich ans Vorbereiten für die Schule. Als ich kurz darauf in die Küche ging, um mir was zu holen, fragte sie mich, ob sie das im Kuchenblech machen solle. Ich meinte, das Blech sei zu nieder für einen Gratin, sie solle ihn in einem Topf machen (wir besitzen natürlich keine Gratinform). Ausserdem wusste sie nicht was „girofle“ sind, so zeigte ich ihr das Gefäss mit „Nägeli“. Ach ja, wo das Backpulver sei, wollte sie ebenfalls noch wissen. Ich gab es ihr. Schliesslich habe ich sie ja gebeten, anschliessend noch einen „Guetzliteig“ zu machen. Eine halbe Stunde später war der Topf im Sonnenofen, wo er für die nächsten  zwei Stunden bleiben sollte. In der Zwischenzeit erledigte sie die anderen Aufträge und machte auch den Guetzliteig, wobei sie mich noch einmal um Backpulver fragte.

Kurz nach 12.00 Uhr verabschiedete sie sich und wir begannen den Tisch – äh den Boden zu decken. Ich holte den Gratin aus dem Ofen, legte das Schöpfbesteck bereit und schon wollten wir loslegen. Deckel weg und – ups? Ist das wirklich Kartoffelgratin? Sieht eher aus wie ein Katoffel- und Zwiebelbrot! Da muss wohl oder übel ein Messer her, damit sich jeder eine Scheibe abschneiden konnte. Leider war das ganze ziemlich teigig und wegen der vielen ganzen Nägeli nicht so einfach geniessbar.

Mit jedem Biss Kartoffelgratinbrot wurde mir klarer, weshalb sie schon bei der Zubereitung des Gratins nach Backpulver fragte und woher sie das leere Gewürzgefäss hatte um etwa den frisch gemörserten Ingwer zu verstauen. Und warum sie wegen des Blechs fragte, wurde mir klar, als ich mich erinnerte, dass sie vor einer Woche von meiner Mitbewohnerin gelernt hatte, eine „Böllätüllä“ zu machen – und da das aus dem selben Rezeptbuch stammte, musste es ja fast ein Teig sein.

Das nächste Mal, als sie zur Arbeit kam, fragte sie dann auch, ob das Brot gut gewesen sei.

Kartoffelgratinbrot

Aber ich habe einiges gelernt:

  1. Wenn jemand weder gewisse Zutaten (siehe Nägeli) noch das Endprodukt (siehe Gratin) kennt, muss man sich ausgiebig Zeit zum Erklären nehmen, wenn man nicht Menue Surprise erwartet. Sonst fällt das Resultat zwischen Stühle und Bänke bzw. Kissen und Matten.
  2. Wenn für beide alles klar ist, heisst das nicht, dass sie das selbe „alles“ meinen.

4 Antworten auf „5. Dezember“

  1. Das Kartoffelgratinbrot könnte man auf dem Bild auch als Omelette interpretieren…. und es sieht eigentlich auch ganz gut aus, aber man schmeckt auf dem Bild ja auch die Nägeli nicht ;-)……
    also….
    3. Wenn man meint auf dem Bild etwas Bestimmtes zu sehen, heisst es nicht, dass es das auch ist und man es essen kann 🙂

    1. 4. Wenn man etwas anschaut und es nicht essen will, heisst das nicht, dass es nicht gut ist. Siehe gestern, als uns ein Häufchen Heuschrecken geschenkt wurde. Einen geschenkten Gaul nimmt man nicht ins Maul, der wie war das noch mal? Habe mich gegen das Sprichwort entscheiden und nach zwei Stück – die sind gar nicht übel – auch noch überprüft, ob unsere Nachbarn das Sprichwort kennen oder befolgen: Negativ. Danke!

  2. Hallo Ihr Zwei

    Bei uns gibt s heute Härdöpfelgratää, und wir haben dabei mit einem Schmunzeln an euch gedacht.

    seid lieb umärmelt

    Luki&Rahel

  3. Hab letzte Woche mit ihr zusammen einen Härdöpflgratää gemacht, und es war tatsächlich der beste, den wir hier im Tschad gegessen haben!
    Wir umärmeln euch auch.

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