Mit tschadischer Puenktlichkeit…

Da irgendwo im www verloren, halt erst jetzt.

Weihnachten pur

„Leider schon zum zweiten mal keine richtigen Weihnachten…“ – ein Gedanke, der mir im letzten Monat oft gekommen ist. Ich vermisse die Adventsmärkte, den Glühwein, die richtig dicken Mailänderli mit echter Butter, das Gschenkli kaufen, die Kerzen und Sterne, mein Weihnachtslieblingsessen und noch anderes. (Das neonblau leuchtende Rentier samt Samichlaus und Päckli gehört allerdings nicht auf die Vermissensliste, genauso wie ich auch gut auf die Einkaufshektik im Migros am 24. und das ungute Gefühl im Bauch nach dem Schlemmen verzichten kann.)

Aber da sagte mir jemand: „Ihr habt halt Weihnachten pur.“ Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr musste ich ihr Recht geben.

Wo sonst auf der Welt ist das Leben dem Leben vor 2000 Jahren noch so ähnlich? Sobald die Sonne untergegangen ist, wird es affenkalt. Wir sitzen im Dunkeln unter der Wolldecke und lesen oder plaudern ein bisschen bis es genug spät ist, um uns ins Bett verlegen zu können. Das Wasser ist so kalt, dass man keine Lust hat sich damit zu waschen, wenn man nicht wirklich dreckig ist und die nächtliche Ruhe wird durch Eselsgewieher, giggerige Ziegenboecke und Schafgebloeke gestört. Die Füesse sind mehrmals täglich zum Waschen staubig und wegen der trockenen Luft ganz zerfurcht und pflegebedürftig.

Jeden Morgen wird am Brunnen gezankt und geschrien, Leuten anderer Ethnien mit extremer Hochnäsigkeit begegnet und Familien mit vielen Kindern warten darauf, dass ihre Väter nach vielen Monaten endlich wieder von ihrer Reise zurueckkehren. Jeder geht ganz normal seinen Beschäftigungen nach, dem Versorgen seiner eigenen Familie. Gerade sind wieder neue Soldaten angekommen und das ganze Dorf ist voll mit grünen Uniformen. Sie schlafen draussen in der Kälte, genauso wie auch die Bauarbeiter, die aus dem Süden hierher gebracht wurden für die diversen Baustellen.

Aber wir könnten uns ja immerhin ein bisschen auf Weihnachten vorbereiten. Doch auch das ist nicht einfach. Geschenke gibt es keine, alles was man auf dem Markt kaufen könnte, sind Dinge die man sowieso hat oder braucht oder nicht will. Kerzen oder Öllampen wurden längst durch Taschenlampen und hauptsächlich Handybildschirmgeleuchte ersetzt und Material für eine Dekoration gibt es auch nicht.

Auf der ganzen Oase deutet wirklich nichts, aber auch gar nichts darauf hin, dass Weihnachten kurz vor der Tür steht. Aber vielleicht war es damals vor 2000 Jahren genauso…? Niemand war darauf vorbereitet, doch trotzdem ist etwas Wunderbares geschehen. Weihnachten pur.

Adventsblog

Tag 24

Ein Bild entstanden an einem unserer sonntäglichen Spaziergänge. Da wir sonst umgeben sind von Bergen, eine richtige Horizonterweiterung!

Adventsblog

Tag 23

Ein Zentrumsbesucher (15 J.) nachdem wir den ersten Film gezeigt hatten: „Sie haben mich einen Lügner geschimpft, als ich im Dorf erzählte, wir hätten auf einem Turban einen Film geschaut“.

Adventsblog

Tag 22

Die Datteln müssen ja irgendwie von der Palme runter… Sozusagen ein Kletterparadies!

Adventsblog

Tag 21

Tedaga Sprichwort:

Dêbi numa du šidenu čûo, yîhiru kelenu!

(Wenn du Fliegen im Turban hast, zieh ihn ganz aus aus und wickle ihn neu. D.h.: Gehe auch (noch) kleine Probleme an.)

4-5 Meter Stoff ohne ihn zu arg zu bestäuben irgendwo zu entbinden und mich nochmal frisch zu wickeln bleibt allerdings immer noch eine Herausforderung. Doch mittlerweile bin ich oft froh um seine wärmende Funktion. Im Sommer hingegen ist er nicht so erfrischend, wie wenn ich mir einen Weg durch die Thur bahn‘.

Adventsblog

Tag 20

Was macht man denn eigentlich mit dem Abfall hier in der Wüste? Grundsätzlich wird er hier verbrannt. Also natürlich macht das jeder selber. Das Problem das sich hier aber präsentiert, sind die Konserven-  und Getränkedosen. Materialien die mit normalem Feuer nicht verbrennbar sind und mehrere Generationen sehen (und von ihnen gesehen werden), bevor sie zerfallen. Aber damit diese Dosen nicht einfach im ganzen Dorf herumliegen, hat die Gemeinde nun beschlossen, dass man sie im „Wadi“ entsorgen muss. Das ist der Ort, der sich beim nächsten Regen in einen Fluss verwandeln und somit gleichzeitig das Problem aus der Welt – zumindest aus dieser – schaffen wird.

Adventsblog

Tag 19

So voll ist der Markt genau zwei Mal im Jahr, nämlich am Tag vor den grossen Festen.