3. Dezember
Das überraschende Logo das Kamelrestaurants von nebenan. Bon App!


ein Leben als Halbnomaden
Um an die abgelegenen Oasen zu gelangen, fliegen wir immer wieder mit der Fluggesellschaft MAF. Angesichts der Sicherheitslage und immensen Distanzen sind wir extrem froh um diese Möglichkeit.
Einmal wurde uns von MAF ein Flug gesponsort, weil “unser Pilot” einer von drei MAF-Piloten war, die in einer niederländische TV-Serie portraitiert wurden. Neben Papua-Neuguinea und Surinam zeigten die sechs Episoden im Nationalfernsehen auch das Pilotenleben im Tschad. Hier ein kleiner Zusammenschnitt von den Szenen zum Flug auf die Oase Gouro. Die Evaluation der Dazaga-Schulen kommt leider nicht vor, die Lehrerinnen wollten nicht im Fernsehen sein. Dafür seht ihr, dass der Pilot nicht nur fliegt und ihr schaut dem Arzt über die Schulter, den wir schon mehrere Male mitgenommen haben.
Das Ganze ist in holländisch, was überraschend lustig und doch irgendwie verständlich ist 🙂
Auf YouTube kann man sogar automatisch generierte deutsche Untertitel zuschalten. Da sind manchmal auch überraschende Übersetzungen dabei. Alternative Intelligence heisst das, oder so.

Der Kameramann war die ganze Zeit daran, die Kinder zu filmen, die angenehm ruhig an ihren Ausmalbildern arbeiteten, bevor die Abschlussfeier des „Concours toubou“ losging. Ich ging zu ihm hin, um ihn zu begrüssen. Das Herz lag ihm auf der Zunge als er sagte: “Was ich hier sehe, gefällt mir wahnsinnig gut!” Ich fragte ihn, was denn seine Muttersprache sei. Er meinte, dass er sie eben nicht könne, da er in N’Djamena aufgewachsen sei. Aber dass man hier die Sprache und Kultur dieser Leute so wertschätze und fördere, das berühre ihn sehr. Und tatsächlich. Die beiden Journalisten blieben knapp vier Stunden da. (Normalerweise verschwinden sie nach ein paar guten Aufnahmen wieder.) In einer anschliessenden Nachricht schrieb er uns: Das ging mir direkt ins Herz.


Ein Tschapdate Blogeintrag ausserhalb des Advents!
Spass bei (Web)Seite. Für euch kommt es vielleicht nicht ganz überraschend, dass es wieder einen Tschadventskalender gibt. Aber wir dachten zuerst, dass wir nur die Adventssonttage “abdecken” würden. Doch beim Blick ins Fotoarchiv waren wir einmal mehr überrascht, dass uns auch 2025 so viele neue Erlebnisse und Eindrücke beschert hat, dass es nicht in vier Beiträgen zu verarbeiten ist. Zum Beispiel diesen Pumpbrunnen, den hatten wir schon fast vergessen.
Wir wünschen euch, dass auch ihr beim Durchstöbern des Jahresarchivs überraschend dankbar werdet und euch die Adventszeit viele schöne Momente statt nur (Be)Scherereien beschert.
Also, bonne lecture und lasst euch überraschen!
24. Dezember
Es könnte ja sein, dass du keine Zeit gehabt hast, unsere Weihnachtskarte für dich (wie vom Chef der Druckerei empfohlen) von Hand auszumalen. Aber vielleicht bist du ja im Besitz eines Farbdruckers sowie von allen dazu gehörenden Farbpatronen und hast in einem guten Moment auch Strom. Dann kannst du dir die Karte einfach ausdrucken :-)!
Falls du sie tatsächlich ausgemalt hast, würden wir uns sehr über ein Foto davon freuen. Könntest du uns eines schicken?
Ganz liebe Grüsse
Simanjunoanna

Vortrittsregeln (und auch alle anderen Verkehrsregeln) sind so eine Sache hier. Die einzige Regel, die es nach meiner bisherigen Er-Fahrung durchwegs zu beachten gilt, ist: «Rechne jederzeit mit allem.»
Die praktizierte Vortrittsregel im Kreisverkehr wirkt für uns verkehrt. Hier wird nämlich konsequent Rechtsvortritt angewandt: Alle dürfen (von rechts kommend) in den Kreisel reinfahren, niemand kann (da von links kommend) den Kreisel verlassen. Das Resultat ist Stau im Kreisel.

Aber: Per Gesetz vom 20. Oktober 2023 gilt neuerdings offiziell, dass das Fahrzeug im Kreisel Vortritt hat. Seit 18. Oktober 2024 habe ich auch mehrere diesbezügliche SMS vom Verkehrsministerium erhalten. Dies hat aber in der Praxis noch nicht zu Klarheit in den zwischenverkehrsteilnehmenden Beziehungen beigetragen. Im Gegenteil: Die Grundregel «Rechne jederzeit mit allem» gilt um so mehr. Denn jetzt können Verkehrsteilnehmende aufgrund des traditionellen Wegrechts weiterhin ungebremst in den Kreisverkehr einfahren, während andere denken Recht zu haben, wenn sie von links kommen.
Wie also kann die neue Regel auf dem sandigen, verschlaglöcherten Boden der Realität des tschadischen Verkehrs ankommen? Indem man sich sein Recht nimmt, oder indem man anderen den Vortritt lässt. Gewalt oder Liebe?
Im Rahmen eines Selbstexperiments erkunde ich diese Frage. Da wir weder Voll- noch Leerkasko-Versicherung für unser ungepanzertes Fahrzeug haben, ist ersteres («mir mein Recht nehmen») ausgeschlossen. Daher ist meine Versuchsanordnung, dass ich mir selbst Folgendes versuche anzuordnen:
Ich wende (A) das neue Gesetz insofern an, als dass ich den Fahrzeugen, die sich bereits im Kreisel befinden, den Vortritt lasse. Damit stosse ich:
Ich wende aber auch (B) das traditionelle Wegerecht an, in dem ich Fahrzeugen, die sich mit erheblicher Geschwindigkeit oder sonstigen Zeichen von Zuversicht (z.B. Gesichtsausdruck der Zufahr-Sicht) dem Kreisverkehr nähern, den Vortritt lasse. Damit stosse ich:
In dem Ganzen versuche ich, nur so weit bzw. so lange Vortritt zu gewähren, dass ich nicht zum Verkehrshindernis werde. Kurz: Ich versuche den anderen Verkehrsteilnehmenden so zu begegnen, wie ich mir wünsche, dass sie mir begegnen. Nächstenliebe. Dieser Begriff erhält bei dem sich dicht gedrängten Aneinandervorbeiwursteln sowieso eine neue, wortwörtlich naheliegende Bedeutung.
Das bringt mich ab- und den Kreis(el) schliessend zu einem kürzlich entdeckten Zitat von Napoleon, der sich zu Jesus geäussert hat, welcher sich ja auch zum Thema Nächstenliebe geäussert hat:
«Ich kenne die Menschen und ich sage euch, dass Jesus Christus kein gewöhnlicher Mensch ist. Zwischen ihm und jeder anderen Person in der Welt gibt es überhaupt keinen Vergleich. Alexander, Cäsar, Karl der Grosse und ich haben Reiche gegründet. Aber worauf beruhten die Schöpfungen unseres Genies? Auf Gewalt. Jesus Christus gründete sein Reich auf der Liebe; und zu dieser Stunde würden Millionen Menschen für ihn sterben.»
Napoleon Bonaparte. Zitiert in Frank S. Mead, The Encyclopedia of Religious Quotations, Westwood, Fleming H. Revell, Seite 56
Während ich auch heute unter gelegentlichen Stossgebeten versuche, meine Stosstangen unbeschädigt und unbeschadend durch den n’djamenäischen Verkehr zu bewegen, dürft ihr noch alles ausmalen, was auf dem Ausmalbild weiss geblieben ist.
22. Dezember
Es wurde bereits erwähnt – aber die Kontraste hier sind auch wirklich erwähnenswert. Unter anderem die klimatischen Kontraste.
Während der viermonatigen Regenzeit ist es so feucht, dass weder das Mehl noch die Kleider, die Strassen oder sonst irgendwas trocknen bleibt. Als ich letzten Juli in der Schweiz unserer Koffer auspackte, waren die im Tschad trocken eingepackten Kleider völlig feucht. Das fanden wir aber nur halb so schlimm.
Doppelt so schlimm war entsprechend dieser Berechnung dann die Ankunft im Tschad anfangs September: Was wir nach zwei Monaten Abwesenheit während der Regenzeit antrafen, war so, dass der Schlag uns traf. Schimmel im Haus und auch sonst überall, der nicht unter Kontrolle zu bringen ist.



Bis zu dem Tag, wo sich der Regen kurzentschlossen für die nächsten 8 Monate verabschiedet und man innerhalb einer halben Woche aufgerissene Fersen, strohige Haare, Nasenbluten in der Nacht und eine täglich neue Staubschicht auf jeder Ablagefläche hat.
Obwohl diese starke Trockenheit auch ihre anstrengenden Seiten hat, ist sie wahrscheinlich die einzige Rettung, damit wir hier keine längerfristigen Schäden vom Schimmel davon tragen.

Malt doch heute die Kamele aus! Sie sind zwar keine Schimmel, aber dafür kann man auf ihnen reiten.