Wie ich – Junia – den Tschad so finde

Ich hatte ja nichts zu melden, als es darum ging, ob wir in den Tschad gehen oder nicht. So finde ich es schön, dass ich immerhin jetzt mal meine Meinung sagen darf.

Also, als wir hier angekommen sind, ist mir zuerst die Hitze und dann der Staub aufgefallen. Da ich eh nicht besonders effizient kriechen kann, beschloss ich gerade am ersten Tag schon, dass ich von nun an aufrecht gehe. Auf dem flachen Zementboden konnte ich es schon ziemlich bald, aber auf dem Sand und diesen unebenen Matten brauch ich schon noch ein bisschen Übung. Jedes Mal wenn ich hinfalle tu ich so, wie wenn ich dort sowieso gerade etwas vom Boden aufheben wollte. Hier im Tschad muss man nämlich alles mit Würde machen.thumb_IMG_1265_1024

Heute hab ich auch herausgefunden, dass dort wo es hell ist, der Sand sehr heiss ist. Ich check nur nicht so ganz, dass diese Regel meistens stimmt, aber irgendwie doch nicht immer. Das muss ich noch ein bisschen rausfinden. Aber im Moment bleibe ich am besten dort, wo der Sand dunkel ist, da ich sowieso immer barfuss bin.

Ich trage nicht nur keine Schuhe, ich muss auch sonst sozusagen nichts anziehen. Das find ich super! Ausser für die Nacht. Da zieht mir Mami sogar ein langärmliges Oberteil an, obwohl es noch voll warm ist, wenn ich ins Bett gehe. Doch mitten in der Nacht bin ich eigentlich froh drum, es wird dann schon ziemlich kühl. Vor allem, da wir einfach so unter dem Sternenhimmel schlafen.

In der Nacht schlafe ich gerne. Aber durch den Tag, da ist es schwierig. Eigentlich wäre ich schon müde, aber irgendwie geht es einfach nicht so gut …

Dafür gehe ich sehr gerne mit Mami vor unser Haus. Da laufen nämlich einfach Schafe und Hühner mit Küken rum. Mega cool! Denen könnte ich stundenlang zusehen. Ich würde so gerne mal eines berühren, aber diese Viecher sind einfach zu schnell für mich. Ich muss unbedingt trainieren, um im Sand besser vorwärts zu kommen!
Cool finde ich auch, dass ich nicht mehr im Kindersitzli sitzen muss zum Essen. Sondern irgendwie sitzen wir alle auf dem Tisch. Und ich kann während dem Essen einfach aufstehen und irgendwo hinlaufen, um schnell was zu erledigen. Also ich finde das super praktisch. Aber irgendwie haben meine Alten etwas dagegen. Naja, manchmal steh ich dummerweise in den Teller rein oder kicke den Becher um. Ich kann halt noch nicht so gut mein Ziel fixieren und gleichzeitig auf den Boden schauen.

Ein bisschen seltsam sehen die Leute hier schon aus. Vor allem die Grossen. Die müssen gar nicht meinen, dass sie mich halten können! Da krall ich mich jedes Mal an meiner Mami fest und wende den Kopf ab. Also ja, irgendwie wundert es mich dann halt schon was die wollen und dann schau ich wieder hervor und lächle sie doch freundlich an. So lassen sie mich schnell in Ruhe. Mit den Kindern muss ich mich am Anfang ein bisschen überwinden, aber dann ist es eigentlich immer sehr cool! Auf jeden Fall viel spannender als einfach mit meinen Eltern rumzuhängen. Wenn mir langweilig ist, dann schnappe ich mir einfach einen Rockzipfel meiner Mutter. Ich glaube sie mag das nicht, weil sie sich dann nicht mehr bewegen kann. Aber das ist ja genau das was ich will. Darum mach ich das halt ziemlich oft. Sie hört sonst nicht auf mein Rufen …

Und duschen muss ich plötzlich jeden Tag! Weiss auch nicht, was das soll. Aber alle meine Widerstände werden einfach übersehen!

Dafür trinke ich jetzt ganz viel Wasser aus dem Becher. Ich mache das wie ein Kamel, sagen meine Zuschauer immer. Leider hab ich noch nie eines gesehen. Aber ich schliesse daraus, dass Kamele wahrscheinlich auch mit den Zähnen am Becherrand beissen während dem Trinken, weil das so schön klingt.

Also ihr seht, es geht mir sehr gut hier. Ich glaube, ich muss hier lernen, mich mit dem zu beschäftigen, was da halt rumliegt. Aber das ist nicht schlimm, denn es liegt allerlei rum, da meine Eltern nicht alles in die Höhe (wüsste nicht worauf) stellen können. Ich freue mich darauf, auch noch mehr Kinder kennenzulernen. Und vor allem freue ich mich auf den Tag, an dem ich es schaffe, so ein Schaf zu packen!JuniaSchaf_geflickt

Eine Antwort auf „Wie ich – Junia – den Tschad so finde“

  1. Liebe Junia, schön zu hören, dass es dir gut geht:-) Und bravo, dass du nun laufen kannst! Elin würde dir bestimmt sehr gerne dabei helfen ein Schaf zu fangen. Sie ist nämlich die beste Katzenfängerin;-)
    Liebe Grüsse auch an deinen Eltern, Selina.

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