Hier in der Hauptstadt sind wir in der Sahelzone. Das heisst, eigentlich regnet es ungefähr 8 Monate im Jahr nicht. Es ist plump gesagt “furztrocken”, alles ist staubig, der Erdboden hart und alles was gedeihen sollte, muss regelmässig gegossen werden. In den anderen vier Monaten hingegen, regnet es oft und vor allem sehr stark. So dass sich das Quartier in einen Sumpf aus Abfall und Matsch verwandelt, ein Mückenparadies entsteht und die Kleider vor lauter Feuchtigkeit nicht mehr trocknen. Und wenn der Schimmel mal da ist, ist er nicht mehr wegzukriegen und stellenweise kommst du ohne 4×4 Antrieb auch im Zentrum der Hauptstadt nicht überall hin, wo du gerne möchtest.
Aber dieses Jahr ist es ein bisschen anders. Es hat sehr viel geregnet, wie noch an vielen Orten auf der Welt. Der Boden ist gesättigt, der Grundwasserspiegel hoch und der Fluss weit höher als vor zwei Jahren, wo bereits der Jahrhunderthöchststand war.
Hier in der Stadt hat es vor 7 Wochen das letzte Mal geregnet und wir befinden uns bereits seit längerem in der furztrockenen Phase, wo wir uns langsam mal wieder über einen Regen freuen würden (was aber erst im nächsten Juni der Fall sein wird). Jedoch klagte unser Wächter immer wieder darüber, dass sein Haus am Stadtrand langsam überschwemmt werde. Hier bei uns ist das schwer vorstellbar
Letzte Woche haben wir ihn besucht und gesehen, was er meint.
Tatsächlich ist sein Haus noch eines der wenigen im Quartier, das (knapp) bewohnt werden kann. Es seht wie auf einer Insel, mittlerweile muss man sogar durchs Wasser waten, um da hin zu kommen. Allerdings steht das Haus unter dem Wasserspiegel, geschützt wird es durch einen kleinen Wall, den er mit seinen Jungs täglich ein bisschen erhöht. Seit einem Monat und 24 Tagen.





Der Sonnenuntergang, dieses Haus, das Wasser rundherum – so ein unglaublicher Moment. Die Kombination von purer Schönheit und gleichzeitiger Misere, alles in einer komplett friedlichen Atmosphäre liess mich vor allem grosse Dankbarkeit empfinden.
Und einmal mehr denke ich darüber nach, dass der Tschad einfach ein Land der krassen Kontraste ist, wo auch immer man hinschaut. Irgendwie muss man damit klarkommen. Aber in diesem Moment fiel es leicht. Die Kontraste waren auf wundervolle Weise vereint.

Malt doch heute den Eisvogel aus, sein Lebensraum ist in diesen Tagen ziemlich gross.
PS: Mittlerweile geht das Wasser zurück, und er konnte tatsächlich die ganze Zeit in seinem Haus bleiben!
