Unbezieferbar

Jaja, die Ameisen. Ein fleissiges Volk. Sie durchkämmen Tag und Nacht unser Gehöft. Wenn sie esswas gefunden haben, markieren sie das auf dem Rückweg ins Nest. Und innert kürzester Zeit sieht man ihresgleichen zu Tausenden auf der mit Sekret markierten Strasse rasen um die gefundene Nahrung abzugrasen. Faszinierend. Kein Hindernis ist für sie zu gross: sie bilden sogar Knäuel, um sich gemeinsam über das Wasser treiben zu lassen. Total spannend. Doch die Faszination lässt augenblicklich nach, wenn sie beim Mund ausspülen zwischen den frisch geputzten Zähnen hängen bleiben.

Ein weiteres Hauptlebewesen in der Wüste ist die gemeine Stubenfliege. Anfangs fragten wir uns, wie die Leute hier nur mit zugedecktem Gesicht schlafen können. Mittlerweile können wir es auch, denn wir schlafen nach 5.00 Uhr (erste Flugstunden) jeweils gerne noch ein wenig weiter.

Welches Kind hat nicht schon von Wüstenspringmäusen geträumt. Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir in allen unseren Räumen einige haben. Ohne dass wir sie füttern oder in einem teuren Terrarium eisperren, bleiben sie treu bei uns. Auch ihren Lebensabend verbringen sie gerne bei uns. Und dann fallen sie einfach von der Decke und liegen am Morgen tot am Boden. Oder noch lieber verziehen sie sich in unerreichbare Ritzen, da ihr letzter Wille zu sein scheint, unsere Küche zu verstinken bis sie verfault sind. Die wilden Katzen, die bei uns umherstreunen, haben leider noch nicht herausgefunden, was in diesem Kontext ihre Aufgabe wäre. Klar ist, dass wir unseren Kindern nie die Haltung von Wüstenspringmäusen genehmigen werden. Auch werden wir uns hüten, mit ihnen einst in einem Zoo all zu fasziniert bei den Riesenspinnen und Skorpionen stehen zu bleiben. Die Faszination endet auch hier schnell. Nämlich sobald einen keine Glasscheibe mehr trennt. Dann sucht man nur noch nach einem Stein angemessener Grösse. Und beim Behandeln eines vom Skorpiongift bewusstlosen Patienten erlischt auch noch der letzte Funken Mitleid für diese Tierchen.

Unsere Tierliebe wir auch auf die Probe gestelllt, wenn wir auf die Toilette gehen. Die vielen Kakerlaken in der Kacke-Lache am Grund des Plumpsklos tummeln sich nachts auch zu unseren Füssen, so dass man nicht weiss, ob man die Stirnlampe ausmachen sollte, um sie sich nicht ansehen zu müssen.

Weder grausig noch furchterregend sind hingegen die Todos. Diese schwarzen Käfer ansehnlicher Grösse tauchen überall auf, sobald die Sonne untergegangen ist. Die Tubus vergleichen sie mit Kindern, da sie durch nichts davon abgehalten werden können, munter herumzukrabbeln. Sie sind zahllos, aber nicht zahnlos. Sie gehören zur Gattung der Gartenraubtiere und berauben uns unseres wachsenden Vitaminventars. Wenn dann trotzdem ein Pflänzchen die kritische Phase überstanden hat und sogar Blüten hat, geschieht das Unergründliche: Trozt mehr als genügend Insekten (und noch mehr als genügend Staub)  gelingt nur in wenigen Fällen die Bestäubung.

Wir selbst sind zwar nicht InSekten, können uns aber von allen Mitbewohnern, die hier unTermiten, am ehesten mit den Gottesanbeterinnen identifizieren.

 

2 Antworten auf „Unbezieferbar“

  1. Bitte, bitte veröffentlicht ein Buch! Der Artikel (und es ist ja nicht der Erste dieser Art) ist ein Lesegenuss sondergleichen! 🙂 Und da ihr fleissig wie die Ameisen seid, wird das Exemplar auch eine anständige Seitenzahl aufweisen. Sind noch Fragen?

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