Mosko Hanadii-ĩ

 

Genau so heisst unser Zentrum. Wörtlich: „Ort des Wissens“, mit dem französischen Untertitel: „Centre de Culture et de Formation“. Um eure Illusionen gleich im Keim zu ersticken, dieses Zentrum entspricht weder in der Grösse noch der Ausstattung dem, was man sich in der Schweiz unter dem Wort „Zentrum“ vorstellt. Aber es ist mit grosser Wahrscheinlichkeit das grösste und best ausgestattete Zentrum in der nördlichen Hälfte des Tschad. Aufgeschnittene und plattgewalzte Benzinfässer bilden zusammen mit Schilf die Umzäunung. Erstere dienen hier in fast allen Häusern als Türen, so auch bei uns. Das Kernstück ist ein Zementgebäude, eine Rarität hier im Ort, das die Bibliothek und die elektronischen Geräte beherbergt. Zwei Drittel der knapp 500 Bücher sind französisch. Wir haben alles, von Romanen bis zu Enzyklopädien. Ein Viertel des Bestandes sind englische Bücher und die restlichen Prozente, die ihr euch selber ausrechnen müsst, bestehen aus arabischen und tedaga Büchern. Denn dieses Zentrum ist Teil des Tedaga-Sprachentwicklungsprogrammes, Idee eines aus Bardaï stammenden Mitarbeiters unserer NGO. Das ist der Grund, weshalb wir in den Informatikgrundkursen nicht nur lernen den Computer anzuschalten, mit der Pfeilspitze ein bestimmtes Kästchen zu treffen und wie herum man wo einen USB-Stick einführt, sondern auch wie man in WORD die in Tedaga verwendeten Sonderzeichen schreibt. Es hat uns auch dazu bewogen, ein Englischlehrmittel herzustellen, das ihrer Lebenswelt angepasste Illustrationen und Themen enthält und indem die Vokabularlisten und wichtigen Sätze in Tedaga übersetzt sind.

An den Vormittagen unterrichten wir die gutbesuchten Kurse (Anja Englisch, Simon Informatik) und an den Nachmittagen ist die Bibliothek zwei Stunden lang geöffnet. Da wir die einzigen sind mit EDV Ausstattung, hat uns kürzlich sogar der Gouverneur mit dem Auftrag beehrt, ihm einen Brief abzutöggelen und auszudrucken. Jeden Samstag bieten wir eine „activité culturelle“ an. Bisher haben wir einen afrikanischen Film gezeigt und Kubb-Tournier veranstaltet.

Das Unterrichten macht Spass und die Teilnehmer sind motiviert. Die Bibliotheksöffnungszeiten werden rege genutzt, allerdings zu einem grossen Teil um die im Kurs erworbenen PC-Kenntnisse zu festigen oder die offline Enzyklopädie zu konsultieren. Wir hoffen, dass die Bibliotheksbesucher mit der Zeit immer mehr auch die Bücher als Quelle von Informationen und Unterhaltung entdecken.

2 Antworten auf „Mosko Hanadii-ĩ“

  1. Hallo Ihr Beiden!
    Bin echt beeindruckt von Euern Berichten. Toll, was man von Euch zu lesen bekommt! 🙂
    Wünsche Euch ne tolle Zeit und freu mich schon auf den nächsten Bericht!
    Liebe Grüsse,
    Rahel

  2. Gratuliere zur Eröffnung! – Da fällt mir grad noch ein afrikanisches Sprichwort ein: “If you are too small to make a difference, you haven’t spent a night with a mosquito.” Herzliche Grüsse

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