aifach echli abefahre

Ihr kennt uns ja: in der Schweiz fahren wir gerne und passioniert mit öffentlichen Verkehrsmitteln. So auch hier. Und wir sind immer sehr froh, uns nicht selbst durch den Verkehr kämpfen zu müssen, der durch N’djamenas Strassen wuchert. So sind wir letzte Woche auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln aufgebrochen in Richtung Äquator, in den kühlen Süden. Ja, richtig gehört, dank früher einsetzender Regenzeit und allgemein mehr Grün ist der Süden des Tschad kühler als der sahel- bis sahara-mässige Norden.

Los ging’s mit einem um 05.30 erscheinenden Taxi. Als hätten wir abgemacht, dass es uns dann zum Busbahnhof bringen muss, damit wir pünktlich ankommen. Pünktlich? Also ja, es gibt zwei Zeiten: die Zeit um da zu sein, einen Platz zu besetzen und das Gepäck auf das Dach laden zu lassen und die Abfahrtszeit. Oder sagen wir das „Abfahrtereignis“. Denn die Zeit ist dem Ereignis untergeordnet. Das Ereignis, auf das wir warten, ist in diesem Fall, dass der Bus voll ist. Und er wird immer voll. Es schien uns, dass sogar Leute dafür bezahlt werden, mit hoffnungsvollen Gesichtern und einem vollgepackten Handwagen anzukommen bis der Bus voll ist und darüber hinaus. Und dafür, mit einer sehr echten enttäuschten Miene wieder abzuziehen, wenn der Bus wirklich voll ist. Wann der Bus wirklich voll ist (und das heisst in der Regel, dass er sehr voll ist), liegt im Busbahnhof im Ermessen des Busbahnhofchefs und unterwegs in dem des Chauffeurs.

Doch WENN er voll ist, dann ist das Warten zu Ende und die vorher scheinbar grenzenlose Geduld ist nirgends mehr. Solange man keinen Einfluss auf die Abfahrtszeit hat, lohnt es sich ja auch nicht, sich aufzuregen. (Ein vorbildlich ökonomischer Umgang mit den „Nerven“). Aber wenn er voll ist, dann will man gefälligst abfahren, ruft nach vorne, dass die Sonne heiss sei etc. Und dann müssen unterwegs Zusteigende schauen, dass sie einen Fuss aufs Trittbrett kriegen, bevor der Chauffeur wieder aufs Gaspedal tritt. Kamelmilchverkäuferinnen, die beim kurzen Stopp an der Péage jemandem schnell drei 5 Liter Bidons durchs Fenster hineinreichen, müssen die Preisverhandlung mit Überschallgeschwindigkeit führen und das passende Wechselgeld zur Hand haben, wenn sie nicht einen schlechten Handel abschliessen wollen.

Die Busabfahrtszeitregel wird durch folgende Ausnahme bestätigt: wenn man schon bezahlt hat gibt es keine Garantie, das der Bus noch da ist, wenn man beim Zwischenhalt schnell noch dort hinten schaut, ob es dem Kollegen des Cousins des Schwagers, gut geht. Oder einfach nur nach dem Hinunterschlingen des gebratenen Fleisches mit Brot noch schnell aufs WC will. Doch dank dem französischem Verkehrsabgabe-System gibt es Hoffnung für die hinterlassenen Passagiere. Es gelingt ihnen nämlich mit einem clin d’oeil (Töfftaxi) den Bus an der Péage einzuholen und wieder zuzusteigen. Nur ein kurzer Einschub zum Thema clin d’oeil: Obwohl sie oft mit zwei Passagieren beladen sind, ist das illegal und man kriegt Probleme mit der Polizei. Vielleicht aber auch nur, wenn man weiss ist. (Das weiss der Weisse halt nicht…)

Eine weitere Ausnahme zur Regel, dass ein Bus nur voll abfährt erlebten wir ebenfalls: Auf der Heimfahrt fuhr unser Bus unerwartet früh und halbvoll. Grund dafür war, dass am Vorabend ein Bus unserer Agentur im Schlamm stecken gebliebenen war. Dessen Passagiere hatten vor Ort übernachtet und erwarteten uns. Der Chauffeur hat bei der Abfahrt auch extra einige Plätze leer gelassen, damit wir jene mitnehmen können, doch leider ist beim Zählen ein kleinerer Fehler unterlaufen, welchen man dann nur noch mit dem Vergeben und Wegnehmen von halben Sitzplätzen und mit zwei Stehplätzen ausbügeln konnte.

Streng eingehalten wir die Vollzähligkeit der Mitfahrer auf dem Dach: Unterwegs fiel ein Huhn vom Dach und das bringt den Bus zum Unmut einiger es eilig habenden Passagiere (wer es eilig hat verliert hier sowieso) ein weiteres Mal zum Halten. Nach einigen erfolglosen Einfangmanövern der Besitzerin – das Huhn will nämlich nicht noch einmal lebendig aufs Dach gebunden werden – kommen ihr dann doch zwei Männer zur Hilfe. Zu dritt ist es schliesslich einfach und man kann schneller weiterfahren.

Und sonst: Wir können jetzt die Südisten besser verstehen, die hier ihre Heimat vermissen. Denn der Süden ist wunderschön, grün, wasserreich und fruchtbar.

Wie das wirklich dort ausseeht – seht ihr wenn das ADSL mal geht.

Eine Antwort auf „aifach echli abefahre“

  1. moramora… im übertragenen sinn nimms locker und stress nicht so, alles hat seine Zeit… ja, das ist schon ein anderes reisen… manchmal vermisse ich diese welt ein bisschen, in dem moment beneide ich euch gerade sehr um eure abenteuer! meine madagaskar-reise liegt nun ja auch schon über 2 jahre zurück…
    viele liebe grüsse aus dem sonnig-warmen giswil

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