Ein Rezeptbuch
Leider haben wir in unseren Kursen oftmals mehrheitlich Männer, die teilnehmen. Und insbesondere die einheimischen Mitarbeitenden und alle die irgendwie eng mit uns zusammenarbeiten, sind auch Männer. Um diesem Ungleichgewicht ein bisschen entgegen zu wirken, wollten wir auf der Oase ein Projekt ausschliesslich für Frauen machen. Nach einigem Hin- und Herüberlegen beschlossen wir den Versuch eines Rezeptbuchs zu starten.
Ob die Frauen für sowas zu gewinnen sind? Kommen so vermehrt Frauen ins Zentrum?
Wir besuchten viele unserer Freundinnen zuhause, um ihnen zu erklären, was wir gerne machen würden. Alle haben sehr positiv reagiert, was zwar motivierend ist, aber leider noch gar nichts heissen muss.
Wir haben alle zu einem „Infoanlass“ eingeladen: An einem bestimmten Nachmittag zu einer bestimmten Zeit (nach dem Nachmittagsgebet, ca. 15:00) in unser Zentrum zu kommen, damit wir ihnen die Idee noch einmal ganz genau vorstellen könnten. Ausserdem wollten wir aufteilen, wer welches Rezept übernehmen würde.
An jenem Nachmittag sind dann nach einer langen Wartezeit doch drei Frauen gekommen. Mit ihnen habe ich dann die Idee ganz genau durchbesprochen. Die Frauen sollen zuhause ihr “Menü” kochen und die einzelnen Schritte fotografieren. Anschliessend können sie die Fotos ins Zentrum bringen und wir schreiben gemeinsam die Beschreibung in ihrer Sprache.
Ja, ich war ein wenig enttäuscht darüber, dass nur drei gekommen sind.
Aber dann, 10 Minuten vor Zentrumsschluss, kamen tatsächlich noch einmal 7 Frauen zur Türe rein. Immerhin. Ein Rezeptbüchlein mit 10 Rezepten ist doch schon mal was.
Bereits am nächsten Tag kamen die ersten Frauen wieder mit ihren Fotos. Hm… Ich hab’s echt versucht, so genau wie nur möglich zu erklären… Aber anscheinend war es immer noch zu wenig genau. Eine hat auf dem Foto für die “Zutaten” alles sehr schön angerichtet, aber die Menge überhaupt nicht beachtet. So steht da eine ganze Flasche Öl, 10 Päckchen Backpulver, usw. Das geht leider nicht, in einer Kultur, in der der grösste Teil der Leute nicht lesen kann. Eine andere hat das Foto mit allen Zutaten drauf und dann das Foto mit dem fertigen Produkt gebracht, aber leider nichts dazwischen. Wieder eine andere hat weder das Foto mit den Zutaten noch das Foto mit dem Endprodukt, dafür alle Fotos dazwischen gebracht. Und noch eine hat das Ganze in Form mehrerer Videos gebracht. Echt interessant, was alles möglich ist. Aber ich habe mittlerweile noch mehrere Male die Idee an weitere Frauen erklärt und ich glaube, ich werde auch immer besser darin.
Eine weitere Herausforderungen sind die Mengenangaben, die hier eigentlich gar keine Rolle spielen. Man gibt einfach so viel Mehl dazu, bis sich der Teig zum Beispiel trocken anfühlt. Der Kuchen wird so lange gebacken, bis er “rot” ist und wie man das Fleisch für die Füllung der kleinen Brötchen macht, ist so sonnenklar, dass es gar nicht erwähnt werden muss.
Einige Frauen haben tatsächlich den Mut, ihren Text selber in den Computer zu töggelen (Darunter sind einige, die 2012 die ersten waren, die bei uns einen PC-Kurs machten). Das ist ebenfalls sehr spannend. Am besten man geht heimlich alle paar Minuten vorbei und drückt schnell “Ctrl+S”. Sonst ist die mühselig eingetippte Arbeit plötzlich wieder weg. Es ist sowieso blöd, dass auf der Tastatur nur die Grossbuchstaben drauf sind, auf der Vorlage aber natürlich Kleinbuchstaben drauf sind. Wie soll man denn so wissen, welche Taste man drücken muss?
Mittlerweile denke ich, dass wir mit der Rezeptbuch-Idee ein interessantes Angebot geschaffen haben. Hingegen ist auch klar, dass ein zeitlich fixierter Infoanlass genausowenig in diese Kultur passt, wie ein Kurs, der nur an einem bestimmten Nachmittag stattfindet. Dafür kommen irgendwie an jedem Nachmittag ab und an Frauen ins Zentrum, mit Fotos von Speisen auf ihren Handys. Und das war ja das Ziel.
Auf jeden Fall macht es Spass mit diesen mutigen und eigenwilligen Frauen zusammen zu arbeiten und ich hoffe, dass wir euch anfangs Januar ein Rezeptbuch von der Oase präsentieren können (das Dank den Fotos auch für Nicht(tedaga)Leser verständlich sein sollte. Vielleicht ;-).


Da freu ich mich schon drauf!