Retrospektive auf die erste Krankheitserfahrung, vor zwei Wochen so geschehen in N’Djamena.
Nach einer Woche Wechselbad der Körpertemperaturen war der Fall, nicht nur der Durchfall, klar: ich muss wissen was das ist. So suchten wir eine empfohlene Arztpraxis (wird hier „clinique“ genannt) auf. Der Arzt sei gerade ausser Haus, sollte bald wieder kommen, sagte ein wartender Patient, und so gesellten wir uns zu ihm. In der Tat, wir hatten die vorsorglich mitgebrachte Lektüre noch nicht lange aufgeschlagen, schon war ich an der Reihe. Ja, da müssen wir Blut, Stuhl und Urin testen, meinte der Arzt nach meiner Beschreibung des Krankheitsverlaufs.
Erfreut über die Hygienevorkehrungen (ich sichtete einen Gummihandschuh) sass ich dem Praxisassistenten gegenüber. Zielsicher traf er meine Vene und hatte bald eine Spritze aufgesogen. Und nun löste er auch den Gummihandschuh wieder, den er nämlich nicht angezogen, sondern zum Blutstauen mir um den Arm gebunden hatte. Zu guter Letzt klebte er den zum Abtupfen des Blutes verwendeten Wattebausch mit zwei Stückchen Malerklebeband als Pflaster auf. Mit zwei Fläschchen und dem Auftrag, diese bald zur Untersuchung gefüllt zurückzubringen, entliess er mich.
Als ich mich wie vereinbart am späten Nachmittag zum dritten Mal zur Praxis geschleppt hatte, musste ich feststellen, dass ich diesmal eine Lektüre hätte brauchen können. Eine knappe Stunde später war ich wieder am Start und da wurden mir die Resultate erklärt: Malaria (daher das Wechselfieber), Typoid (habe mit Salmonellen zu tun, daher der Durchfall) und Amöben. Darf’s sonst noch was sein? Nein, danke!
Nach dem Gang in die Apotheke fühlte ich mich dann aber plötzlich relativ viel besser. Relativ zu dem Menschen, den ich dort hinter der Theke sah und hörte. Dem Röcheln nach dem Sterben nahe, empfing er eine Spritze vom Apotheker. Ich machte mir Sorgen. Doch dann, oho, oho, stand der gute Mann einfach auf und verliess ohne ein Wort zu sagen die Apotheke.
Unterdessen geht es mir auch absolut viel besser und seit ich heute morgen sogar 36.0°C Fieber gemessen habe, überlege ich mir bereits die Medikamente abzusetzen, damit meine Temperatur nicht noch weiter sinkt. Ob es wirklich Malaria und all das wilde Zeug war? Traue den Tests nicht mehr ganz aber bin superdankbar, gesund macht das Leben mehr Spass!
